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Bundesliga-Kommentar : Die Luxus-Kader als Problem

  • -Aktualisiert am

Arbeitsteilung: Ribery kommt für Götze ins Spiel - und trifft wie dieser schon zuvor Bild: Reuters

Ersatzbänke voller Nationalspieler und Stars: Die Trainer von Bayern und Dortmund werden Mühe haben, ihre Spieler bei Laune zu halten. Die Ambitionen in der nun beginnenden Champions League dürften Abhilfe schaffen.

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          Irgendwann wird ein gutes Stück Arbeit auf Pep Guardiola und Jürgen Klopp zukommen, und sie wird sich grundsätzlich von den Aufgaben ihrer Bundesligakollegen unterscheiden – von denen man annehmen kann, dass sie diese Sorgen auch gerne hätten. Die qualitative Tiefe in den Mannschaftskadern der beiden deutschen Vorzeigeklubs ist beeindruckend. Das zeigt sich nirgends deutlicher als beim Blick auf die aktuelle Besetzung der Ersatzbänke. Schließlich ist die Liste der verletzt fehlenden oder angeschlagenen Spieler schon lang und mit prominenten Namen besetzt – von Schweinsteiger, Martinez über Thiago und Robben bis zu Reus, Gündogan, Hummels, Blaszcykowski und Sahin.

          Und trotzdem schauten am Wochenende sowohl in München als auch in Dortmund Spieler zunächst oder komplett zu, die vermutlich in jedem anderen Verein der Liga gute Aussichten auf einen Stammplatz hätten: Ribéry, Pizarro, der 26 Millionen Euro teure Benatia und der Schweizer WM-Fahrer Shaquiri sowie das Frankfurter Einkaufsschnäppchen Rode bei den Bayern, die deutschen Nationalspieler Sven Bender und Schmelzer, der gabunische Auswahlspieler Aubameyang, der 21-Millionen-Euro-Transfer Immobile und Australiens Ersatz-Nationaltorwart Langerak beim BVB.

          Alle bei Laune halten

          Was also machen die vielen Profis, wenn die Rekonvaleszenten wieder zurückkehren? Auf die Tücke der gestiegenen Belastungen, auch durch die in die Breite gezogene EM-Qualifikation, haben die beiden großen Klubs mit einer Kaderdichte reagiert, die einige Probleme birgt – falls nicht neue Verletzungen zu einem ständigen Kommen und Gehen führen. Dortmund, das in der vergangenen Saison in Zeiten der größten Not noch Manuel Friedrich aus dem Ruhestand holen musste, verfügt nun über vier Innenverteidiger von bemerkenswerter Qualität, wobei Rang vier in dieser Reihenfolge mit Matthias Ginter momentan an einen Spieler vergeben ist, der zumindest im deutschen WM-Kader stand und dem BVB zehn Millionen Euro Ablöse wert war. Auch die Bayern haben einen Luxus-Ersatzspieler, der bei der WM für die Schweiz sogar Akzente setzte: Xherdan Shaquiri aber schaute am Samstag nur zu.

          Alle bei Laune zu halten ist eines der Kunststücke, die Trainer wie Guardiola oder Klopp beherrschen müssen, schließlich kann immer der Zeitpunkt kommen, an denen die Ersatzleute von gestern zu aktuell dringend gefragten Akteuren werden. Zur großen Erleichterung der nationalen Konkurrenten verzichtet der Fußball auf die ständige Ein- und Auswechselmöglichkeit wie im Handball, Basketball, Eishockey oder Hockey. Das würde die Kräfte noch einmal deutlich zugunsten der großen Klubs verschieben.

          Bayern und Dortmund mit ihren Ansprüchen in der Champions League sind Erlebniswelten, in denen jeder im Kader seinen Anteil am Erfolg hat – den er dafür in einigen Fällen aber mit geringer Einsatzzeit bezahlt. Aus Sicht der Vereine ist diese Personalpolitik verständlich und den hohen Belastungen, auch durch die Einsätze in den verschiedenen Nationalmannschaften in jeder Ecke dieser Welt, geschuldet. Für die jungen Spieler ist das Risiko, bei den Bayern oder in Dortmund auf der Bank zu versauern, statt sich weiterzuentwickeln, groß. Garantiert spielen, aber weniger verdienen würden sie nur woanders.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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