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Bundesliga-Kommentar : Chance und Risiko

  • -Aktualisiert am

Thomas Eichin hat zwar in der Bundesliga gespielt, dennoch betritt er in Bremen nun Neuland Bild: dpa

Ob Thomas Eichin in Bremen oder Stefan Reuter in Augsburg: Die beiden neuen Geschäftsführer haben schwierige Aufgaben übernommen. Dass sie das Zeug für die Fußball-Bundesliga haben, müssen sie erst noch beweisen.

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          Aufsichtsratsvorsitzender Willi Lemke spricht vorab von einer smarten Lösung, aber das muss sich erst mal herausstellen. Mit der Verpflichtung eines Eishockey-Managers als neuen Sport-Geschäftsführer geht der Fußball-Bundesligaklub Werder Bremen ein Risiko ein. Thomas Eichin ist der Fußball zwar nicht fremd.

          Der 46 Jahre alte Südbadener spielte für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Nürnberg in der Fußball-Bundesliga, bevor es ihn nach seiner aktiven Zeit zum Eishockey-Traditionsklub Kölner Haie verschlug, wo er 13 Jahre lang - fast immer erfolgreich - als Marketingleiter und Geschäftsführer wirkte. Allein in der noch viel schnelllebigeren Branche Eishockey über ein Jahrzehnt bei ein und demselben Arbeitgeber beschäftigt zu sein, spricht für seine Fähigkeiten.

          Aber bei Werder sind andere Künste gefordert als bei den Haien. Am Ende wird Eichin daran gemessen werden, ob es ihm wie seinem Vorgänger Klaus Allofs gelingt, mit einer intelligenten Transferpolitik Werder konstant im oberen Tabellendrittel zu halten und in guten Jahren einen Platz im Europapokal zu ergattern.

          Das bedeutet angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Bremen eine große Herausforderung. Eichin wird der Fußballverstand in den Eishockeyjahren nicht abhandengekommen sein, aber er konnte auch nicht nachweisen, ob er wirklich einen besitzt. Ganz sicher verfügt Eichin (noch) nicht über das Netzwerk und den außergewöhnlich guten Ruf seines Vorgängers, der so manchen Transfer erst möglich machte.

          Schaafs Fachwissen und Instinkt

          Umso wichtiger ist für die nächste Zukunft Werders, dass Thomas Schaaf Trainer bleibt, sozusagen als Anker und Galionsfigur in einem. Dass Schaaf so etwas wie ein Vetorecht bei der Verpflichtung des neuen Sportlichen Leiters hatte, sagt alles über dessen Macht.

          Eichin wäre gut beraten, sich zunächst einmal an ihm und dessen Fachwissen und Instinkt festzuhalten, wenn er seinen Weg im Fußball sucht und erste Entscheidungen zu treffen hat. Sich zu früh um ein eigenes Profil zu sorgen, könnte - wie im Fall Augsburg und Manager Jürgen Rollmann - zu einer schnellen Trennung führen. Beim Tabellenvorletzten der Liga übernimmt jetzt Stefan Reuter die Sportliche Leitung.

          1860 war mit Reuter zu ungeduldig

          Der Weltmeister von 1990 war über drei Jahre lang aus dem Geschäft, nachdem er bei 1860 München als Sportlicher Leiter gehen musste. Damals waren die zweitklassigen Löwen zu ungeduldig mit Reuter und den Talenten, die er holte.

          Die Bender-Zwillinge, Stefan Aigner, Timo Gebhart, Julian Baumgartlinger, Fabian Johnson und Marcel Schäfer haben sich in der Zwischenzeit in der ersten Liga durchgesetzt. Das ist eine Empfehlung für Reuters Sachverstand. Ob er für die erste Liga und die dortigen Notwendigkeiten reicht, wird erst die Zukunft zeigen. Aber weder Reuter noch Eichin haben eine leichte Aufgabe übernommen.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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