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Bundesliga-Kommentar : Bayern hat das Wettrüsten gewonnen

Ein graues Gesicht wie nach einem riesigen Kater: BVB-Trainer Jürgen Klopp Bild: AP

Den Mythos als unbeugsames Team hat Dortmund verspielt. Bayern München hat das deutsche Fußball-Wettrüsten gewonnen. Es leidet nur noch der BVB und mit ihr vor allem Trainer Jürgen Klopp.

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          Jürgen Klopp ist angeschlagen. Das ist nicht mehr zu übersehen. Man musste nach der Niederlage in Köln gar nicht mehr hören, was der Dortmunder Trainer alles zu sagen hatte. Erkenntnisse und Erklärungen, Analysen und Aussichten konnte man sich schenken. Die Körpersprache des Energiebündels sagte alles. Irgendjemand hatte den Stecker gezogen. Klopp saß da mit hängenden Schultern, die von selbst nach oben zuckten. Ansonsten: keine Mimik, keine Gestik. Nichts. Ein graues Gesicht wie nach einem riesigen Kater.

          All die Kräfte, die Borussia Dortmund in den vergangenen gut vier Jahren zur faszinierendsten Mannschaft der Bundesliga gemacht haben – und sich immer auch in ihrem Erschaffer, dem Mister 100.000 Volt an der Seitenlinie spiegelten – waren nach der fünften Niederlage im achten Saisonspiel verschwunden. Keine Frage: Klopp wird sich irgendwann wieder sammeln. Und der BVB auch wieder Fußballspiele gewinnen. Aber der Mythos einer Mannschaft von unbeugsamem Willen und unbezwingbaren Körpern ist dahin, vermutlich auf lange Zeit.

          Der Glaube an die eigene Unverwundbarkeit ist irgendwann mächtiger als ein guter Matchplan des Gegners. Und zwar dann, wenn auch der Gegner daran glaubt. Und nicht nur man selbst. Der BVB ist im Herbst 2014 aber nur noch ein Fußballteam mit guten Spielern, das man schlagen kann. Köln, Hamburg, Schalke haben das nun nacheinander gezeigt, davor schon Mainz und Leverkusen.

          Der Rest der Liga wird das nicht mehr vergessen. Diese ganz besondere Aura wieder entstehen zu lassen, die Dortmund auf seinen deutschen und europäischen Siegeszügen Berge versetzen ließ, wird weit schwieriger sein, als demnächst ein paar Punkte einzusammeln. Im Moment fürchten sich die rat- und hilflosen Klopp-Schüler schon vor der nächsten Niederlage.

          Die Bayern haben gut lachen, Dortmund liegt weit zurück in der Bundesliga
          Die Bayern haben gut lachen, Dortmund liegt weit zurück in der Bundesliga : Bild: Reuters

          Selbst der FC Bayern musste erleben, wie schnell sich sogar der Mythos der vermeintlich besten Mannschaft der Welt auflösen kann. Nach dem Triple und der verteidigten Meisterschaft ging bei den Alles-Gewinnern in der Vorsaison mit dem für unwichtig erachteten Ende einer einmaligen Siegesserie mehr als nur ein Spiel gegen Augsburg verloren.

          Die Über-Bayern hatten sich selbst geschlagen - und erst dann glaubten auch die Gegner wieder an ihre Chance. Der Verlust der schönen Illusion endete bekanntlich im Desaster gegen Real Madrid, in 0:1- und 0:4-Pleiten im Halbfinale der Königsklasse.

          Aber auch die Münchner haben schon einmal ihren Mythos verloren – wie einst in der Champions League
          Aber auch die Münchner haben schon einmal ihren Mythos verloren – wie einst in der Champions League : Bild: Reuters

          Erst in diesen Tagen hat dieses außergewöhnliche Team an seinen einst im März leichtfertig verspielten Status anknüpfen können. Das 6:0 gegen Werder erinnerte die Liga nun wieder an jene Bayern, die, wenn ihnen danach ist, so viele Tore schießen können, wie sie wollen. Und – bei nur zwei Gegentreffern in acht Spielen - wieder als unverwundbare Macht erscheinen.

          Nach zwei Titeln und als souveräner Tabellenführer lässt sich schon jetzt sagen: Der nach zwei Dortmunder Meisterschaften gereifte Plan von Uli Hoeneß, diesen Gegner so sehr zu bekämpfen, dass er dem FC Bayern keine Schmerzen mehr bereiten kann, ist aufgegangen. Wenn der frühere Präsident am Wochenende in das leere Gesicht von Jürgen Klopp geblickt haben sollte, dann dürfte er gewusst haben: Bayern München hat das deutsche Fußball-Wettrüsten gewonnen. Es leidet nur noch der BVB.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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