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Bundesliga-Kommentar : Bayern auf dem Prüfstand

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Gute Laune beim bösen Spiel: Die Bayern-Ersatzspieler lassen den Ernst in Augsburg etwas vermissen Bild: MIS

Bayern München hat in Augsburg recht provokant eine Niederlage in Kauf genommen. Die abgeschlagene Konkurrenz reagiert beleidigt und spricht von Wettbewerbsverzerrung. Pep Guardiola ist in jedem Fall fehlendes Gespür anzulasten.

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          Richtig oder falsch? Wettbewerbsverzerrung oder nur ein konsequentes Fokussieren auf die nächsten Saisonziele, nachdem das erste erfolgreich abgehakt ist? Je nach Sympathie und Sichtweise sind die Antworten eindeutig. Nur eines ist nach der ersten Saisonniederlage des FC Bayern ganz gewiss: Die Aufstellung, die der Münchner Trainer Pep Guardiola wählte, birgt jede Menge Gesprächsstoff.

          Dass die Konzentration der Münchner im nationalen Spielbetrieb nachlassen könnte, war nach dem vorzeitig feststehenden Titelgewinn befürchtet, von vielen Seiten sogar erhofft worden. Der Spielplan hatte einigen Vereinen dem Vorteil beschert, gegen Bayern antreten zu dürfen, für die es dank ihrer vorherigen Überlegenheit nur noch um Reputation, aber nicht mehr um wichtige Punkte geht. Prompt haben die Münchner bei erster Gelegenheit zwei Punkte im letzten Heimspiel gegen Hoffenheim eingebüßt und nun die erste Saisonniederlage hinnehmen müssen.

          Ein Spielplan ist nie fair

          Es gibt gute Gründe, das zu beklagen. Aber ein Spielplan ist nie eine faire Angelegenheit, die allen stets die gleichen Chancen einräumt. In Zeiten, in denen die Münchner noch nicht so überlegen waren wie aktuell, war es stets ein Vorteil, direkt nach Spielen in der Champions League gegen den Favoriten antreten zu dürfen, weil es die Chancen drastisch erhöhte. Davon war in dieser Spielzeit angesichts der Dichte des Münchner Kaders nichts zu spüren, die Bayern eilten unbeirrt von Sieg zu Sieg, egal gegen wen sie vorher oder nachher antreten mussten.

          Die aktuelle Situation allerdings ist ein andere: Der Titel ist gewonnen. Und auch wenn Guardiola einräumte, dass die Bundesliga viel wichtiger sei als die Champions League, so ist dies nur die halbe Wahrheit. Der Spanier stand vor dieser Saison vor der schweren Aufgabe, ein Team zu führen und möglichst weiter zu entwickeln, das in der Spielzeit zuvor alles gewonnen und nach dem verlorenen „Finale dahoam“ gegen den FC Chelsea und den als Demütigung empfunden beiden Titelgewinnen von Borussia Dortmund all seine Träume auf einmal erfüllt hatte. Das ist Guardiola in den vergangenen Monaten eindrucksvoll gelungen. Doch nun steht dieser Entwicklungsschritt auf dem Prüfstand: Sollten die Bayern in der Champions League scheitern, wären all die Lobeshymnen über das nahezu perfekte Spiel obsolet. Dann hätten die Münchner eine deutsche Meisterschaft gewonnen – na und?

          Ungeschickter Guardiola

          Guardiola hat recht ungeschickt formuliert, worauf er den Fokus in den kommenden Wochen zu legen gedenkt. Der Hinweis, die Bundesliga sei beendet, klingt erstaunlich flapsig für einen so ernsthaften Trainer, der wissen muss, dass dies nicht gut ankommen kann bei der Konkurrenz. Doch aus Sicht des Spaniers ist seine Aufstellung für das Spiel gegen Augsburg eine logische Konsequenz angesichts der kommenden Aufgaben und den verletzt oder gesperrt fehlenden Spielern gewesen.

          Dass er wegen des Pokal-Halbfinales in der kommenden Woche gegen Kaiserslautern am Samstag gegen Borussia Dortmund genauso verfährt, ist allerdings nicht zu erwarten. Der gebeutelte BVB wird sich ohnehin wundern, dass die Bayern mit ihrem Kader über Personalprobleme nachdenken.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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