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Bundesliga-Kommentar : Attraktion ohne Größenwahn

  • -Aktualisiert am

Ein Weltstar von einem Weltklub: Ruud van Nistelrooy kommt von Real Madrid nach Hamburg Bild: AFP

Nun also Ruud van Nistelrooy. Zum Sammelbecken der Übergrößen des Fußball wird die Bundesliga dennoch nicht. Denn England und Spanien locken mit größeren Anreizen. Doch die deutsche Beletage wirtschaftet stocksolide. Und das ist gut so.

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          Franck Ribéry, Arjen Robben und nun Ruud van Nistelrooy – wird die Bundesliga zu einem Sammelpunkt der Stars? Stopp! Zum Schau- und Tummelplatz des Fußball-Jetsets taugt die höchste deutsche Fußballklasse auch in Zukunft kaum. Dahin, wo sich die Schuldenberge türmen, also nach England, oder der Mythos zweier Weltklubs verzaubernde Strahlkraft besitzt, also nach Spanien zu den Marktführern und Markenartikeln Real Madrid und FC Barcelona, zieht es die internationalen Größen des Fußballs auch in absehbarer Zukunft eher als in die stocksolide Bundesliga.

          Die wäre auch schlecht beraten, an einem atemlosen Wettlauf um eine Handvoll Stars teilzunehmen und sich beim Wettbieten um die Blaue Mauritius des Fußballs zu übernehmen. Allen, die davon träumen, mit dem Geld von Großinvestoren die deutsche Fünfzig-plus-eins-Regel auszuhebeln, sei derzeit ein inniger Blick auf die Insel empfohlen. Dort hat der Meister und Schuldenmeister Manchester United rund 820 Millionen Euro an Verbindlichkeiten angehäuft – eine in Deutschland unvorstellbare Zahl.

          Doch die Premier League kennt kein ordentliches Lizenzierungsverfahren; sie hat auch keinen Kontrollmechanismus gefunden für Klubs, die von ihren Investoren – in Manchester ist es die amerikanische Unternehmerfamilie Glazer – in die Verschuldung getrieben werden. Diese Vereine müssen eines Tages vielleicht noch die Rechnung bezahlen für den verschwenderischen Ehrgeiz jener Firmeneigner, von denen sie übernommen wurden – was in Deutschland die Fünfzig-plus-eins-Regel verhindert, nach der die Vereine jeweils die Stimmenmehrheit behalten müssen.

          Van Nistelrooy: Typisch Bundesliga - zum Glück

          Die Reize der Bundesliga – volle Stadien, gute Stimmung auf den Rängen, eine intakte Zahlungsmoral der Klubs, sportliche Aufwärtstendenz – locken vielleicht nicht die aktuellen Übergrößen der Szene wie einen Lionel Messi, einen Kaká und einen Cristiano Ronaldo an, doch dahinter tun sich inzwischen schon realistische Chancen für die besten deutschen Fußballadressen auf.

          Der FC Bayern, im Augenblick nach einer ansehnlichen Siegesserie von acht Pflichtspielen nacheinander national wieder spitze, ist, na klar, am ehesten in der Lage, sein Team guten Gewissens mit Profis aus dem Fußball-Starkatalog beständig zu verstärken. Dass auch der HSV in dieser Liga nach seinen Verhältnissen mitzuhalten versucht, spricht nicht für Hamburger Größenwahn. Eher haben die Norddeutschen im Fall van Nistelrooy eine vielleicht günstige, gewiss aber einmalige Gelegenheit genutzt.

          Der Star war lange verletzt, hat lange nicht gespielt und muss sportlich erst wieder auf die Beine kommen, um alten Glanz auch an der Elbe zu verbreiten. Insofern hat sich der HSV auf eine Rechnung mit einigen Unbekannten eingelassen. Geht sie auf, ist die Liga um eine Attraktion reicher. Schlägt sie fehl, war es das Risiko wert – denn es ist, wie zu hören, überschaubar. Typisch Bundesliga also – zum Glück.

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