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Mainzer-Profi Mateta : Feiner Unterschied

  • -Aktualisiert am

Meldet sich wieder für Extraschichten im Training: Jean-Philippe Mateta Bild: dpa

Fleißig, diszipliniert, torgefährlich: Jean-Philippe Mateta erlebt eine beeindruckende Wandlung. Der Stürmer steht damit wieder für die Hoffnung der Mainzer.

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          Als der FSV Mainz 05 Mitte August sein erstes Testspiel nach der Sommerpause bestritt, fehlte Jean-Philippe Mateta: Der Stürmer durfte aus disziplinarischen Gründen nicht mitwirken: weil er dreimal zu spät zum Training erschienen war, weil er nicht mit dem Auto kommen konnte, weil er seinen Führerschein vorübergehend hatte abgeben müssen, weil er beim Einparken einem anderen Wagen den Spiegel abgefahren, aber weder Halter noch Polizei verständigt hatte, was als Fahrerflucht gilt.

          Bundesliga

          In den Wochen zuvor hatte der Stürmer öffentlich verkündet, Mainz nach der Saison verlassen und zu einem größeren Klub wechseln zu wollen – was letztlich mangels Interessenten scheiterte –, außerdem gab es Ärger mit der Nachbarschaft wegen seines Kampfhundes. Alles in allem drohte der Spaßvogel, als der Mateta in seinen ersten zwei Bundesligajahren gegolten hatte, zum Enfant terrible zu werden.

          Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Mateta legt bei der täglichen Arbeit eine Ernsthaftigkeit und einen Ehrgeiz an dem Tag, die im Widerspruch zu seinem lockeren Image zu stehen scheint. „Man sieht ihn auch an freien Tagen auf dem Platz, um an seinen Defiziten zu arbeiten“, berichtet Sportvorstand Rouven Schröder. Mateta schiebt Sonderschichten. Freiwillig.

          „Wir müssen ihn bremsen“

          Im Sommer, als sich abzeichnete, dass niemand den Stürmer aus seinem Vertrag herauskaufen würde, sei er zwar nicht in ein Loch gefallen, sondern habe das Trainingsprogramm normal durchgezogen, sagt Trainer Jan-Moritz Lichte. „Wir hatten nicht das Gefühl, ihn extra antreiben zu müssen.“ Zusätzliche Einheiten absolvierte der Angreifer allerdings erst von einem Zeitpunkt an, der Lichte beinahe unangenehm ist, wie die für ihn ungewohnt verquere Formulierung erahnen lässt. Er wolle das „nicht mit meiner Person in Verbindung bringen, aber seit dieser Veränderung in dieser Geschichte im Trainerbereich weiß ich nicht, ob bei ihm etwas klick gemacht hat“.

          Seither jedenfalls müssten die Verantwortlichen darauf achten, dass Mateta nicht zu viel mache. Der Franzose gehe am liebsten jeden Tag zwei- bis dreimal auf den Platz „und schießt und schießt und schießt“, erzählt Lichte: „Wir müssen ihn bremsen.“ Also ist der Chefcoach in Absprache mit den Athletiktrainern und dem Spieler dazu übergangen, eine eigene Wochenplanung für den 23-Jährigen zu erarbeiten, die mehr Elemente als nur Schusstraining beinhaltet. Ballbehauptung, Bälle besser berechnen zu können, Verlängerungen mit dem Kopf: „Das sind Themen, in denen er schon große Fortschritte gemacht hat“, lobt Lichte: „Wir gucken, wie wir das alles in der Woche unterbringen können, ohne dass ihm am Wochenende die Frische fehlt.“ Das letzte Wort haben im Übrigen die Physiotherapeuten – sie können von ihrem Vetorecht Gebrauch machen, sollten sie eine Überbelastung des Spielers befürchten.

          „Er ist erwachsen geworden“

          Der Trainer lobt Matetas Verhalten als „hervorragende Reaktion“. Die Verantwortung bei sich selbst zu suchen sei etwas, was einen zu einem erwachsenen Menschen mache. Das sei bei „Schi-Pi“, wie sie den Franzosen am Bruchweg nennen, der Fall: „Er ist erwachsen geworden.“

          Damit einher gehen mittlerweile sieben Saisontore, mit dem Hattrick beim jüngsten 3:1 in Freiburg bescherte Mateta seinem Team nicht nur den ersten Sieg in dieser Runde, sondern vor diesem Spieltag auch den Sprung vom letzten auf den 15. Tabellenplatz. Und seinem persönlichen Ziel, die 14 Treffer aus seiner ersten Mainzer Saison zu überbieten, ist er ein großes Stück näher gekommen.

          Im Prinzip, sagt Jan-Moritz Lichte, habe Mateta in Freiburg nicht anders gespielt als zuvor beim 2:2 gegen den FC Schalke. „Seine Laufwege, seine Dynamik waren ähnlich zu bewerten.“ Der kleine, aber feine Unterschied war, „dass er diesmal die Chancen genutzt hat“. Genau das erhoffen sich die 05er auch an diesem Sonntagabend (18 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky ) gegen die TSG Hoffenheim.

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