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Bundesliga : Japanische Fußballblüte

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Wenn sich zwei Japaner gegenüberstehen, kann es auch mal einen Verlierer geben: Takashi Inui jubelt für Frankfurt, Hiroshi Kyotake (r.) schaut traurig drein Bild: REUTERS

Shinji Kagawa hat seine Landsleute in der Bundesliga hoffähig gemacht. Auch die Nachfolger bestechen in Fußball-Deutschland mit Bescheidenheit, Fleiß und Mannschaftsdienlichkeit.

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          Wer Takashi Inui nicht näher kennt, konnte nicht sicher sein, ob er neulich nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund ein Spaßvogel war oder ganz er selbst. Der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt stand da, klein, schmächtig, das Kreuz gerade, und er lächelte vielsagend. Dann sagte er, er mache noch viele Fehler und müsse sich verbessern. Er habe damit gerechnet, in der Halbzeit ausgewechselt zu werden. Das klang tatsächlich wie ein Scherz. Inui hatte einen Treffer erzielt, einen vorbereitet, mehrere Torschüsse abgegeben, leichtfüßige Sololäufe gezeigt - und ein solches Laufpensum, dass einem sein kleiner Körper fast schon leid tat.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es war ein durch und durch japanischer Auftritt. Vor dem Spiel und danach. Sie sind inzwischen typisch für die Bundesliga. Die Eintracht hat Inui, Schalke 04 Uchida, Stuttgart Okazaki und Gotuku Sakai, Leverkusen Hosogai, Hannover Hiroki Sakai, Nürnberg Kiyotake, Wolfsburg Hasebe, Hoffenheim Usami. Und das ist noch nicht alles. Der deutsche Profifußball ist so japanisch wie nie.

          Das Land boomt, was die Nachfrage nach seinen besten Spielern angeht. Dass der Trend stabil sein dürfte, ist einem Transfer zu verdanken, der all die Möglichkeiten und Hoffnungen auf diesem Gebiet bündelt. Shinji Kagawa war vielen unbekannt, als er 2010 vom japanischen Erstligaaufsteiger Cerezo Osaka nach Dortmund wechselte, aber er wurde eine zentrale Figur beim Meister und wechselte im Sommer nach England, dem Sehnsuchtsland der meisten japanischen Fußballspieler. Manchester United überwies 15 Millionen Euro für ihn.

          Gefeiert in Frankfurt: Takashi Inui (l., mit Sebastian Rode)
          Gefeiert in Frankfurt: Takashi Inui (l., mit Sebastian Rode) : Bild: dpa

          Thomas Kroth kann sich noch gut daran erinnern, wie er Kagawa kennenlernte. Der 53-Jährige, einst Profi beim 1. FC Köln, bei Eintracht Frankfurt, dem Hamburger SV und Borussia Dortmund, war als Spielerberater mal eine Art Monopolist auf dem japanischen Markt, und er ist auch jetzt, da andere hier Geschäfte machen, noch einer der größten Kenner der Szene, mit eigenem Büro in Tokio. Kroth war Mitte der neunziger Jahre zum ersten Mal in Japan, als er das Abschiedsspiel von Pierre Littbarski in Tokio besuchte.

          Der frühere Kölner war jahrelang Spieler und Trainer in Japan und gehörte früh zu Kroths großem Netzwerk. Wie auch der ehemalige HSV-Profi Naohiro Takahara, der ihn mal bei einem Zweitligaspiel aufforderte: „Schau dir mal die Nummer acht an.“ Es war Kagawa. Der machte „ein Riesenspiel“, erinnert sich der Berater. Kroth und seine Agentur „Proprofil“ blieben am Ball. Dortmund zahlte 350 000 Euro für den verborgenen Diamanten. Ein Geschäft mit traumhafter sportlicher und finanzieller Rendite.

          Vergleich mit Kagawa

          Inzwischen werden in der Bundesliga Spieler mit Kagawa verglichen. Inui vor allem, aber auch Hiroshi Kiyotake vom 1. FC Nürnberg. Auch diese beiden spielten zuvor für den Kagawa-Klub Osaka, und sie sind wie eine Blaupause für die Qualitäten japanischer Spieler: großartige Ballbehandlung, geschmeidige Bewegungen, gewaltiges Laufvermögen, ausgeprägte Mannschaftstauglichkeit, die bisweilen an Selbstaufgabe grenzt - das Ganze umrahmt von großem Fleiß. Volker Finke, zuletzt Sportdirektor beim 1. FC Köln und davor 16 Jahre lang Trainer des SC Freiburg, hat diese Fähigkeiten schätzen gelernt, als er von 2009 an eineinhalb Jahre die Urawa Red Diamonds trainierte. Er berichtet von Spielern, die noch lange nach dem Training auf dem Platz waren, weil sie einfach nicht aufhören wollten mit der Arbeit - mal abgesehen davon, dass sie oft schon weit vor dem Trainingsbeginn gekommen waren. „Die kriegst du nicht vom Trainingsplatz“, sagt er. „Hier das Training zu dosieren ist eine große Aufgabe.“

          Andererseits fällt bei einer solchen Arbeitsmoral auch Gewinn ab: „eine unglaublich gute Ballkontrolle“, wie Finke sagt, und ein riesiges Laufpensum „fast ohne Erholungspausen“. Auch Armin Veh, heute Trainer von Inui in Frankfurt, sagt: „Was der bei der Ballannahme und der Weiterverarbeitung kann, habe ich noch bei kaum einem Spieler gesehen. Es macht einfach Spaß, ihm zuzuschauen.“ Der Bundesliga haben allerdings auch weniger spektakuläre Spielertypen gutgetan, sagt Thomas Kroth. Als der VfL Wolfsburg 2009 mit Makoto Hasebe deutscher Meister wurde, habe das die gesamte Spielklasse in Japan populärer gemacht - hier, wo Baseball noch beliebter als Fußball ist und wo die Ligen in England, Spanien, Italien und sogar Frankreich lange im Fernsehen größere Beachtung fanden. In dieser Hierarchie hat sich die Bundesliga inzwischen weiter nach vorne gearbeitet. Dazu haben auch Japan-Besuche deutscher Spitzenmannschaften beigetragen, wie der erste dieser Art von Bayern München 2005, den Kroth vermittelte. Dies sei der „Startschuss“ gewesen, sagt er, fortan mehr auf den deutschen Fußball zu achten.

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