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1:3 gegen Wolfsburg : HSV steht am Bundesliga-Abgrund

  • -Aktualisiert am

Abstiegskampf geht auch Nationalspielern an die Nerven: HSV-Torwart Adler Bild: dpa

Das schmeckt nach Abstieg: Der HSV verliert gegen Wolfsburg mit 1:3. Der Glaube an „Retter“ Mirko Slomka geht allmählich verloren. Der VfL kann indes von der Champions League träumen.

          2 Min.

          Mirko Slomka mochte schon kurz nach der Halbzeitpause nicht mehr hinsehen. Nachdem Ivica Olic in der 49. Minute zum 3:0 für den VfL Wolfsburg getroffen hatte, schien der immer zuversichtliche Trainer des Hamburger SV die Punkte abgeschrieben zu haben. Es schmeckte nach Abstieg, was der HSV am Samstagabend zeigte.

          In Hamburg wäre man nach der 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg überglücklich, auf Rang 16 zu landen – schon die Verhinderung des direkten Abstiegs wäre für diese Mannschaft eine Riesensache. Sollte Hamburg nach 34 Spieltagen den 16. Rang und damit die Relegation gegen den Dritten der Zweiten Liga am 15. und 18. Mai erreichen, wäre das die Doppelchance, eine schlimme Saison in der Verlängerung zum glücklichen Ende zu bringen.

          Dem HSV blieb nur der bange Blick nach Nürnberg (gegen Leverkusen) und Stuttgart (gegen Schalke) und die Hoffnung, dass keiner von beiden in den Spielen am Ostersonntag punktet. Und mal ganz nebenbei: Der Glaube an den „Retter“ Mirko Slomka ist verloren gegangen. Dem dritten Trainer der Saison ist es misslungen, den HSV aus dem Keller der Tabelle zu führen.

          Der VfL Wolfsburg bleibt durch den 16. Saisonsieg weiter in Reichweite der Champions-League-Plätze. Das erste Tor des Tages gelang Ivan Perisic schon in der zweiten Minute; nach Luiz Gustavos Pass hatte René Adler im Hamburger Tor beim Herauseilen einen Moment zu lange gezögert.

          Die Wolfsburger dagegen stehen auf der Sonnenseite der Bundesligatabelle
          Die Wolfsburger dagegen stehen auf der Sonnenseite der Bundesligatabelle : Bild: dpa

          Die Entscheidung fiel dann schon drei Minuten vor der Pause, als Kevin de Bruyne genau zielte und im Strafraum unbehindert ins Tor traf. Olics 3:0 (48. Minute) und Ivo Ilicevics 3:1 (57.) waren die Höhepunkte der zweiten Halbzeit. Ärgerlich für den VfL, dass der starke Luiz Gustavo kurz vor Schluss nach zwei Fouls die Gelb-Rote Karte sah und gegen Freiburg fehlt.

          Sieben Stammspieler waren beim HSV nicht dabei, weil sich Johan Djourou beim Aufwärmen verletzte. Zu den länger Fehlenden waren noch Milan Badelj und Rafael van der Vaart gekommen. Spieler, die nie für die Startelf eingeplant waren, sollten es nun reißen: Robert Tesche, Ivo Ilicevic, Jacques Zoua, Tomas Rincon, Michael Mancienne. Viel mehr als der Wille war gegen eine abwartende Wolfsburger Mannschaft nicht zu sehen.

          Und nun? Trainer Slomka und der HSV taumeln dem Abstieg entgegen
          Und nun? Trainer Slomka und der HSV taumeln dem Abstieg entgegen : Bild: dpa

          Die Diskussionen, ob van der Vaarts Fehlen den HSV überhaupt schwächt, zog sich durch die ganze Woche. Verblüffend dabei die Erklärung des niederländischen Altstars Johan Cruyff: „Rafael muss in Hamburg zu viel laufen, das ist nicht seine Stärke. Ihm tut es gar nicht gut, in einem Team zu spielen, das gegen den Abstieg kämpft.“ Ja, so kann man es sagen.

          Wobei van der Vaart nie der lauf- oder sprintstärkste Spieler war; inzwischen fehlen aber auch die lichten Momente vergangener Tage. So wird des Öfteren vor allem unter dem Kosten-Gesichtspunkt über van der Vaart gesprochen. Bei einem Verdienst von 3,5 Millionen Euro im Jahr belastet er den Etat schon jetzt stark. Selbst beim Klassenverbleib können sich viele in der HSV-Führung gut vorstellen, ihn im Sommer zu verkaufen. Van der Vaarts Vertrag läuft bis 2015. Wohin mit ihm?

          Die Wolfsburger um Naldo hatten leichtes Spiel in Hamburg
          Die Wolfsburger um Naldo hatten leichtes Spiel in Hamburg : Bild: dpa

          Im Falle des Abstiegs könnte sich der HSV diesen Spieler ohnehin nicht mehr leisten, denn dann schrumpft der Etat von 40 auf 24 Millionen Euro. Auch der Umsatz würde geradezu einbrechen – von 125 auf 70 Millionen Euro, zu erklären durch weniger Fernseh-, Sponsoring- und Zuschauereinnahmen.

          Auch die Buchungen für VIP-Logen zur Serie 2014/2015 liegen beträchtlich unter den Erwartungen. Zahlen, die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) kritisch beäugt werden: um die Lizenz für die kommende Serie zu bekommen, könnten durchaus Auflagen der DFL zu erfüllen sein.

          Noch hoffen die HSV-Fans, aber die Zuversicht schwindet
          Noch hoffen die HSV-Fans, aber die Zuversicht schwindet : Bild: dpa

          Mit voller Kraft (und ähnlichem Etat) zurück in die erste Liga, wie einst die Hertha und zuletzt Frankfurt – das wäre beim HSV nur mehr ein Wunschtraum. Und nicht einmal der aktuelle Trainer wäre gesetzt, denn der HSV-Vorstand würde den Coach gegen eine Zahlung von 600.000 Euro vermutlich aus seinem Vertrag lassen und sich für eine günstigere Lösung entscheiden müssen.

          Ein düsteres Szenario also im Falle des Abstiegs. Und dem ist der HSV nach diesem Spiel ein gutes Stück näher gekommen.

          Hamburger SV - VfL Wolfsburg 1:3 (0:2)

          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jiracek - Rincón (73. Demirbay), Arslan (56. John) - Tesche, Calhanoglu, Ilicevic (86. Maggio) - Zoua
          VfL Wolfsburg: Grün - Träsch, Naldo, Knoche, Rodriguez - Luiz Gustavo, Polak (86. Medojevic) - De Bruyne, Arnold (76. Vieirinha), Perisic - Olic (83. Schäfer)
          Schiedsrichter: Sippel (München)
          Zuschauer: 56.279
          Tore: 0:1 Perisic (2.), 0:2 De Bruyne (42.), 0:3 Olic (49.), 1:3 Ilicevic (58.)
          Gelbe Karten: Tesche (1) / -
          Gelb-Rote Karten: - / Luiz Gustavo (90./Handspiel)

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