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Fußball-Bundesliga : Hjulmand und Mainz 05 sind kompatibel

Ein neues Gesicht für die Bundesliga: Kasper Hjulmand Bild: AP

Mainz 05 hat einen neuen Trainer. Der in Deutschland weitgehend unbekannte Däne Kasper Hjulmand übernimmt wie erwartet den Europa-League-Teilnehmer. Eine Einigung mit dem freiwillig aus dem Amt geschiedenen Vorgänger Tuchel steht derweil noch aus.

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          Christian Heidel reist gerne nach Kopenhagen. Rund um die dänische Hauptstadt gibt es eine Vielzahl an Fußball-Erstligaklubs. Man kann also an einem in Deutschland spielfreien Wochenende mehrere Spiele beobachten mit wechselwilligen Talenten, die auch für einen finanziell mittelmäßig begüterten Bundesligaverein erschwinglich sind. Auf einer dieser Reisen kam der Manager von Mainz 05 vor anderthalb Jahren zum FC Nordsjaelland. Der Klub sagte ihm damals noch nichts. Also saß Heidel unvoreingenommen auf der Tribüne und wunderte sich sehr. „Der Fußball, den die gespielt haben, war komplett anders als alles, was ich sonst in Dänemark gesehen habe“, sagt der 50 Jahre alte Manager. „Und meine dänischen Begleiter sagten mir dann, dass das an dem Trainer läge, der auch alles anders mache als alle anderen Trainer.“

          Seither verfolgte Heidel Nordsjaelland und Kasper Hjulmand. Er bekam mit, dass der Provinzklub völlig überraschend dem finanziell wie individuell deutlich besser ausgestatteten Serienmeister FC Kopenhagen 2012 die Trophäe des dänischen Champions entriss. Als Thomas Tuchel vor fünf Wochen endgültig und unmissverständlich vereinsintern den Willen zur Beendigung der Zusammenarbeit mit Mainz 05 zum Ausdruck gebracht hatte, da buchte Christian Heidel folgerichtig erst einmal einen Flug nach Kopenhagen. Passenderweise spielte der FC Nordsjaelland an einem Montagabend und somit nach Erledigung der Mainzer Spieltagspflichten gegen Esbjerg, sodass der Manager des Fußball-Bundesligaklubs das erste Treffen mit Kasper Hjulmand mit einem Spielbesuch verbinden konnte. „Das war dann freilich nicht so der Brüller“, sagt Heidel. „Dafür waren Teammanager Axel Schuster und ich aber tief beeindruckt von dem Gespräch mit ihm.“

          In anderthalb Stunden habe der Däne die Mainzer Mini-Delegation von seinem Fußball-Fachwissen und seiner Persönlichkeit überzeugt. „Dennoch war es keine Selbstverständlichkeit, seine Zusage zu bekommen. Wir mussten ihn auch von uns überzeugen. Kasper Hjulmand hätte auch andere Möglichkeiten beispielsweise in England gehabt“, sagt Heidel.

          Nun hat aber Heidel, der spätestens seit den Beförderungen von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel zu Cheftrainern in Mainz ein Faible für ungewöhnliche Trainerrekrutierungen hat, diesen in Deutschland bis dato weitgehend unbekannten Trainer fünf Tage nach dem aufsehenerregenden und überraschenden Abschied von Tuchel als Nachfolger präsentiert. Hjulmand hat am Donnerstag einen bis zum 01. Juli 2017 gültigen Vertrag unterschrieben; seinen Antrittsbesuch in Mainz musste er auf Montag verschieben, da er am Wochenende noch zum Saisonabschluss bei seinem bisherigen Klub an der Seitenlinie steh.

          Vieles kompatibel

          Bei zwei Besuchen in Mainz hatte sich Hjulmand in den vergangenen Wochen davon überzeugt, dass er bei dem Europa-League-Teilnehmer die für ihn beste Möglichkeit für einen Wechsel in eine europäische Top-Liga vorfindet. Angeblich soll er dabei auch sichergestellt haben, dass seine persönliche Fußball-Datenbank zur Software von Mainz 05 passt. Letztlich war dann offenbar nicht nur das kompatibel. „In den Gesprächen mit Manager Christian Heidel habe ich den Klub näher kennengelernt und war überrascht, wie perfekt die Philosophie zu meiner persönlichen passt. Für mich ist der Wechsel zu Mainz 05 eine Entscheidung des Herzens“, ließ Hjulmand am Donnerstag in einer Pressemitteilung des Vereins mitteilen.

          „Kasper Hjulmand passt genau in das von uns bei der Suche nach einem neuen Trainer erstellte Profil“: Mainz-Manager Christian Heidel

          Heidel konnte die Verpflichtung auch deshalb so schnell verkünden, weil er den Kontakt zu Hjulmand über einen vertrauensvollen Weg schon vor Tuchels Abschied anbahnen konnte. Der in Kopenhagen ansässige Spielerberater Ivan Benes, zu dem Heidel nach vielen gemeinsam abgewickelten Spielerwechseln ein Vertrauensverhältnis pflegt, garantierte für die Vertrauenswürdigkeit des Trainers, die für Mainz 05 sehr wichtig war während der geheimen Verhandlungen der vergangenen Wochen. Wäre das Interesse publik geworden, wäre der sportliche Erfolg in der Saisonschlussphase in Gefahr geraten. Benes bahnte den Kontakt schließlich an, ohne aber wie bislang vermutet als Hjulmands Berater tätig zu sein. Benes war auch an den Verhandlungen nicht beteiligt und hat wohl auch kein Geld daran verdient.

          Dafür könnte ein Benes-Klient von der Vertragsunterschrift von Hjulmand, der nach dem letzten Spiel mit seinem bisherigen Klub in der dänischen Superligen am kommenden Montag in Mainz  vorgestellt wird, profitieren: Heidel bestätigte Überlegungen, den bisherigen Innenverteidiger Bo Svensson künftig ins Trainerteam einzubinden. Svensson könnte seinem Landsmann, der noch nicht perfekt Deutsch spricht, bei der Gewöhnung an die Mainzer Vereinskultur behilflich sein.

          Noch keine Einigung mit Tuchel

          Derweil ist es dem Verein noch nicht gelungen, die ausstehenden Vertragsstreitigkeiten mit Vorgänger Tuchel beizulegen. Der Verein hatte bekanntlich nicht in Tuchels Wunsch eingewilligt, das Arbeitsverhältnis ruhen zu lassen, weil er zunächst auf einer Fortsetzung der Trainertätigkeit bis zum Vertragsende im Juni 2015 beharrt hatte. Erst als Tuchel unmissverständlich erklärte, dass er in keinem Fall im Sommer die Mannschaft von Mainz 05 trainieren wolle, willigte der Klub in eine Art unbezahlten Urlaub ein.

          Sollte Tuchel nun zu einem neuen Verein wechseln wollen, müsste Mainz 05 - gegen ein vom Klub angestrebtes Entgelt - dem zustimmen. Tuchel würde sich diesem Prozedere wohl fügen, offenbar verlangt er aber eine klar geregelte Ausstiegsklausel, sodass Mainz 05 bei einem bestimmten Geldbetrag die Freigabe erteilen müsste.

          Die Trainer von Mainz 05 in den vergangenen 25 Jahren

          Seit dem Zweitliga-Aufstieg 1990 spielt der FSV Mainz 05 ununterbrochen im deutschen Profifußball. Nach dem Abgang von Thomas Tuchel wurde nun der Däne Kasper Hjulmand als neuer Coach verpflichtet. Ein Überblick über die Trainer des Vereins:

          02/1989-06/1992 - Robert Jung
          07/1992-10/1994 - Josip Kuze
          10/1994-04/1995 - Hermann Hummels
          04/1995-09/1995 - Horst Franz
          09/1995-03/1997 - Wolfgang Frank
          03/1997-08/1997 - Reinhard Saftig
          09/1997-04/1998 - Dietmar Constantini
          04/1998-04/2000 - Wolfgang Frank
          04/2000-06/2000 - Dirk Karkuth
          07/2000-11/2000 - René Vandereycken
          11/2000-02/2001 - Eckhard Krautzun
          02/2001-06/2008 - Jürgen Klopp
          07/2008-08/2009 - Jörn Andersen
          08/2009-05/2014 - Thomas Tuchel
          ab 07/2014 - Kasper Hjulmand

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