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Nächster Bundesliga-Sieg : Dardai und Hertha gegen alle Widerstände

  • -Aktualisiert am

Pal Dardai und die Hertha scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Bild: EPA

Nur ein kleiner Trainer? Pal Dardai scheint mit Hertha BSC plötzlich auf dem richten Weg zu sein. Hinter den Kulissen agiert er frei von allen Selbstzweifeln. Noch hält die Allianz mit Fredi Bobic.

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          Vermutlich wusste Adi Hütter nicht einmal, welches „Geschenk“ er seinem Kollegen da machte. Hütter, der Trainer von Borussia Mönchengladbach, sprach nach dem 0:1 seiner Mannschaft bei Hertha BSC einen recht banalen Satz, so wie er zigmal nach Spielen in der Fußball-Bundesliga fällt. „Nach dem Gegentor war es schwierig, Hertha hat richtig gut verteidigt“, sagte Hütter. Für seinen Gegenüber, Herthas Coach Pal Dardai, stellte diese Einschätzung aber ein Lob von besonderem Wert da. Die Aussage bestätigte Dardai in der Annahme, sein Team befinde sich auf dem richtigen Weg.

          Bundesliga

          Dazu muss man wissen, dass es für Dardai eher sekundär ist, ob seine Spieler den halblinken Achterraum ausreichend bespielen oder sich die Viererkette asymmetrisch im Aufbau positioniert. Das konsequente Verteidigen einer Führung ist für ihn jedoch von essenziellem Wert, weil diese Eigenschaft das Fundament aller erfolgreichen von Dardai geführten Hertha-Mannschaften war.

          Von 2015 bis 2019 trainierte er schon einmal die Profimannschaft, in dieser Zeit erreichte Hertha zweimal den Europapokal. Wer immer damals auf die Berliner traf, der wusste: Nach einem Rückstand wird es schwer, dann ist das Spiel gegen Hertha so gut wie verloren. So erging es nun auch den Gladbachern, die nach dem Gegentor durch Marco Richter kaum noch Antworten in Form von Torchancen fanden.

          „Ich bin kein Zauberer“

          Hertha wirkte so souverän wie noch nie in dieser Saison. Die vielen Gegentore zuvor waren für Dardai wie ein Stich ins eigene Herz. Er probierte dieses und jenes, mal Dreierkette, mal Viererkette, wechselte das Personal, doch erst seit der Länderspielpause im Oktober verteidigen seine Spieler konsequenter. Nur ein Gegentor gab es seitdem, der Lohn sind sechs Punkte und der Sprung ins Mittelfeld der Tabelle.

          Für Dardai kommt diese Entwicklung wenig überraschend. „Ich habe von Anfang an gesagt, ich bin kein Zauberer, wir brauchen Zeit“, sagt er. Erst spät hatten die Berliner ihren Kader beisammen, die Sportliche Führung um Fredi Bobic und Arne Friedrich bastelte bis zur letzten Minute. Spieler kamen, Spieler gingen, und Dardai stöhnte. „Eigentlich bräuchten wir jetzt noch mal eine Vorbereitung“, sagte er nach dem Ende der Wechselfrist.

          Viele Wochen präsentierte sich die Mannschaft auch wie ein zusammengestückelter Haufen. 0:5 in München, 0:6 in Leipzig. Dardais Stuhl wackelte. In Berlin wurde über seine Nachfolge spekuliert. Erst recht, nachdem er sich selbst klein („Pal ist nur ein kleiner Trainer“) gemacht hatte und dem Verein vorwarf, sich in Wahrheit einen anderen Trainer zu wünschen.

          Nach dem Spiel gegen Gladbach ist Trainer Pal Dardai bei bester Laune.
          Nach dem Spiel gegen Gladbach ist Trainer Pal Dardai bei bester Laune. : Bild: dpa

          Hinter den Kulissen ist Dardai dagegen frei von Selbstzweifeln. Der 45 Jahre alte Trainer gilt als stolzer Mann, impulsiv mit ausgeprägten Alpha-Zügen. Unterredungen mit ihm können laut werden und nicht selten unangenehm für das Gegenüber. Umso spannender ist die Konstellation mit dem ebenfalls zur Impulsivität neigenden neuen Manager Bobic. Beide kennen sich gut, haben ein Jahr lang miteinander gespielt. Bisher hält ihre Allianz.

          Für Bobic wäre es von Vorteil, mit Dardai Erfolg zu haben. Der Trainer ist nicht weniger als eine Klublegende, Herthaner seit 1997, Kapitän und Rekordspieler des Vereins, beliebt bei Fans und Spielern. Seine Popularität beim Team half ihm zuletzt durch die schwierigen Wochen. Dardai kennt die Gefühlslagen seiner Spieler, lange genug war er selber einer. Seine Kabine steht immer offen, wer Probleme hat, kann mit ihm reden. Auf der anderen Seite ist er direkt und ehrlich, nicht jeder verträgt seinen Ton.

          Nach dem Einstieg des Investors Lars Windhorst galt Dardai als Relikt vergangener Tage. Nicht modern und vorzeigbar genug für die hochtrabenden Zukunftspläne, angeblich vier Trainer verschlissen die Verantwortlichen, ehe die Wahl in höchster Abstiegsnot wieder auf den Mann aus dem eigenen Klub fiel. Dardai hat das nicht vergessen, regelmäßig gibt er den Mahner, wenn in Berlin mal wieder von Europapokal und Meisterschaft fabuliert wird.

          Nicht selten setzt er dann zu einem seiner gefürchteten Monologe an und redet sich in Rage. Bei der Hertha besitzt Dardai einen unbefristeten Vertrag. Nach einer möglichen Entlassung bei den Profis kann er, sofern er denn will, jederzeit wieder im Nachwuchs arbeiten. Nach zuletzt zwei Siegen ist das aber eher ein fernes Szenario.

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