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Entlassung von Trainer Korkut : Hannover pfeift auf die Treue

  • -Aktualisiert am

Aus und vorbei: Tayfun Korkut ist nicht mehr Trainer bei Hannover 96 Bild: dpa

Plötzlich ist von Jobgarantie keine Rede mehr: In der Not beendet Hannover 96 das Experiment mit dem unerfahrenen Tayfun Korkut und verhandelt mit einem „Gute-Laune-Trainer“.

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          Die Chronologie der Ereignisse erweckt den Eindruck, als ob Hannover 96 endlich auch wieder so richtig mitspielen möchte. Nach einer Woche voller Überraschungen und Trainerpersonalien in der Fußball-Bundesliga wurden auch die Niedersachsen aktiv. Dass sie erst Cheftrainer Tayfun Korkut beurlaubt haben, um dann in aller Öffentlichkeit nach einem Nachfolger zu suchen, rundet die jüngsten Kuriositäten des bezahlten Fußballs ab.

          Korkuts Demission am Montagvormittag folgten noch am selben Tag Verhandlungen mit möglichen Nachfolgern. Peter Neururer, der schon zweimal Trainer in Hannover war und Ende 2014 beim Zweitligaklub VfL Bochum entlassen worden ist, fühlt sich mitten in diesem Durcheinander als aussichtsreicher Kandidat auf den Job des Cheftrainers.

          Auch Dufner wird nichts mehr zugetraut

          Die Ansammlung von Problemen, mit denen sich Hannover 96 im unteren Drittel der Tabelle etabliert hat, ist nicht zu unterschätzen. Einer ganzen Stadt war unter der Regie von Korkut der Spaß am Fußball abhanden gekommen. „Die Mannschaft will unbedingt“ – immer und immer wieder hatte Korkut dies geäußert. Der 41 Jahre alte Fußball-Lehrer, Ende 2013 als Nachfolger von Mirko Slomka zum Cheftrainer in Hannover berufen, muss wirklich geglaubt haben, dass er die Spieler um Kapitän Lars Stindl noch erreicht.

          Doch die Trainingseinheit, die Korkut für den Montagvormittag selbst angesetzt hatte, durfte er nicht mehr leiten. Zu den Überbringern dieser Nachricht gehörte mit Sportdirektor Dirk Dufner ein weiterer leitender Angestellter des Vereins, dem nichts mehr zugetraut wird und dessen Tage auch bald gezählt sein dürften.

          Die Hoffnung in Hannover, den Wettstreit mit der ebenfalls abstiegsgefährdeten Konkurrenz aus Stuttgart, Hamburg und Paderborn irgendwie schadlos zu überstehen, klammert sich an viele Unbekannte. Neururer gilt als Vertreter einer Spaßfraktion unter den Profitrainern, die kurzzeitig für gute Laune und bessere Leistungen sorgen kann. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht stieg der 59-Jährige am Montag am Maschsee in Hannover aus seinem Auto und schritt demonstrativ zu den Vertragsverhandlungen mit Hannover 96.

          Vielleicht hofft Präsident Martin Kind, mit dieser überraschenden Personalie das Team und das Publikum gleichermaßen aus dem Stimmungstief zu befreien. Der Vereinschef hat sich mit dem harten Kern der 96-Fans überworfen, weil es unterschiedliche Meinungen über die Auslegung der Benimmregeln im Stadion gibt. Dass nach Wochen der Anfeindungen und verhärteten Fronten wieder Bewegung in die Sache kommt, passt ins Bild. „Hannover 96 und die aktive Fanszene gehen aufeinander zu“, heißt es in einer Absichtserklärung, die der Klub am Montagnachmittag veröffentlicht hat. Die Aussicht auf eine Versöhnung zwischen dem Verein und seinen besonders leidenschaftlichen Fans, die dringend als Unterstützung im Stadion benötigt werden, könnte am Ende wichtiger als so manches Detail in der Trainingsarbeit sein.

          „Mit Hannover ist noch gar nichts klar“: Peter Neururer

          Spieler, Fans und Sponsoren werden noch eine ganz Weile grübeln dürfen, ob die Verpflichtung eines Trainers der Kategorie Neururer wirklich eine gute Lösung ist. Präsident Kind lässt bei offiziellen Anlässen keine Gelegenheit aus, um darüber zu referieren, wie er aus seinem einst wankelmütigen Verein eine bundesweit anerkannte Marke machen will. Auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel hat der 70-Jährige, der Hannover 96 mit einer kurzen Unterbrechung seit 1997 dirigiert, seit seinem Amtsantritt nicht weniger als 14 Trainer und neun Manager verschlissen.

          Im Fall von Korkut hat er versucht, eine ungewöhnliche Variante zu wählen und sich für einen unerfahrenen Mann mit Zukunftsperspektive zu entscheiden. Immerhin 16 Monate lang ging das Experiment gut. Weil Hannover 96 aber in diesem Jahr noch kein einziges Spiel gewonnen hat und die Mannschaft einen äußerst schwachen Eindruck hinterlässt, war Korkut trotz aller Treueschwüre in den vergangenen Wochen nach Ansicht von Kind nicht mehr zu halten.

          Die vielen Brücken, die dem erfolglosen Korkut zuletzt noch gebaut worden waren, dürfte auch einem äußerst praktischen Zweck gedient haben. Sie sollten jene Phase der Vereinsführung überbrücken, in der es noch keinen Ausweg und keine neue Strategie gab. Wenn es stimmt, was der Verein vermeldet, hat es sich bei Korkuts Verabschiedung von der Mannschaft um einen sehr emotionalen Moment gehandelt. Aus Sicht von Hannover 96 ist eine sehr rationale Entscheidung mit gehöriger Verspätung gefallen. Denn das Verhältnis zwischen Korkut und den Spielern war von einer Sachlichkeit geprägt, die sich als gefährlicher Nährboden für schlechte Stimmung und schlechte Leistungen entpuppte.

          Die Trainer-Trennungen in der Saison 2014/15 der Fußball-Bundesliga

          1. Mirko Slomka (Hamburger SV) - 15. September 2014 - Nachfolger: Josef Zinnbauer
          2. Jens Keller (FC Schalke 04) - 7. Oktober 2014 - Nachfolger: Roberto Di Matteo
          3. Robin Dutt (SV Werder Bremen) - 25. Oktober 2014 - Nachfolger: Viktor Skripnik
          4. Armin Veh (VfB Stuttgart) - 24. November 2014 - Nachfolger: Huub Stevens
          5. Jos Luhukay (Hertha BSC) - 5. Februar 2015 - Nachfolger: Pal Dardai und Rainer Widmayer
          6. Kasper Hjulmand (Mainz 05) - 17. Februar - Nachfolger: Martin Schmidt
          7. Josef Zinnbauer (Hamburger SV) - 22. März - Nachfolger: Peter Knäbel
          8. Peter Knäbel (Hamburger SV) - 15. März - Nachfolger: Bruno Labbadia
          9. Tayfun Korkut (Hannover 96) - 20. April - Nachfolger: ?

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