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Bundesliga-Gipfeltreffen : Rekordmeister gegen Dorfklub

  • -Aktualisiert am

Bayern gegen Hoffenheim, Klinsmann gegen Rangnick Bild: Reuters / dpa

Hoffenheim ist in Windeseile erwachsen geworden. In München möchte der forsche Aufsteiger ein Vorweihnachtsmärchen aufführen, an das die Bayern noch lange denken sollen. An diesem Freitag kann der Meister eigentlich nur verlieren.

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          Als es den am 27. Februar 1900 gegründeten FC Bayern München noch gar nicht gab, war der Turnverein Hoffenheim längst da. Am 1. Juli 1899 schlug die Geburtsstunde jenes Vereins, dessen erste Mannschaft heute, garniert mit Begriffen wie „Sensation“ oder „Wunder“, die Fußball-Bundesliga aufmischt wie zuletzt ein Klassenneuling in der Saison 1965/66 (sieht man einmal vom Absteiger, Rückkehrer und Meister 1. FC Kaiserslautern in der Spielzeit 19997/98 ab). Der Aufsteiger vor 43 Jahren hieß Bayern München und belegte vor dem 16. Spieltag – wie heute auch wieder – Platz zwei der Tabelle. Über dem inzwischen mit 21 Titeln zum deutschen Rekordmeister aufgestiegenen Klub thronte nur der ungeliebte Nachbar, Lokalrivale und spätere Meister TSV München 1860. Eingefleischte „Löwen“-Fans werden sich daran noch erinnern.

          Rekordmeister gegen „Dorfverein“

          Die inzwischen unter dem Markenzeichen TSG 1899 versammelten Hoffenheimer haben es noch toller getrieben als seinerzeit der zweitbeste Münchner Großstadtverein. Sie sind auf Rang eins der Tabelle gestürmt und haben en passant Millionen Herzen mit ihrem spektakulären Offensivfußball erobert. Den Kickern aus der 3272-Seelen-Gemeinde im Kraichgau stehen inzwischen 1300 Vereinsmitglieder und 68 Fanklubs zur Seite. Bayern hat mehr Fanklubs (2437) als Hoffenheim Mitglieder; dazu zahlen beim größten deutschen Klub 147.072 Menschen – die Einwohnerzahl einer kleineren Großstadt – ihren Mitgliedsbeitrag.

          Bild: dpa

          Groß gegen Klein, das vor allem macht die Faszination des Münchner Duells um die Vorherrschaft in der Bundesliga aus. Doch so ganz stimmt die Gegensätzlichkeit des Begriffspaars nicht – zumindest, wenn man sich die Nordbadener genauer ansieht. Sie kokettieren gern: mit einer Tradition, die sie nur im Sinne ihrer eigenen Vereinschronik haben (1899 Hoffenheim), mit einer Asterix-Anmutung, die Winzigkeit gern vortäuscht und mit einer Bescheidenheit im Gehaltsniveau, die wohl nur mit einer großzügigen Sichtweise so genannt werden kann.

          Klein machen gegenüber den im deutschen Fußball allgewaltigen Bayern müssen sich die Hoffenheimer schon überhaupt nicht. Sie selbst werden zwar immer wieder als „Dorfverein“ bezeichnet und hier und da auch so wahrgenommen, doch tatsächlich begreift sich der vom Mäzenatentum des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp steil nach oben geführte Klub längst als Heimatverein einer bevölkerungsreichen Gegend: der Rhein-Neckar-Region.

          Vorweihnachtsmärchen in München?

          Gegen die Mannschaft des listigen Trainers Ralf Rangnick kann der Münchner Fußballkonzern eigentlich nur verlieren. „Wenn sie gegen uns gewinnen“, hat Nationalspieler Bastian Schweinsteiger vorhergesagt, „freut sich die ganze Nation, wenn sie unentschieden spielen, schmunzeln die meisten, und wenn sie verlieren, passiert gar nichts.“ Das exakt ist die ideale Ausgangslage für den ersten Besuch der besten „Dorfmannschaft“ der Welt beim FC Bayern. Dabei hat Hoffenheim schon zwölfmal gegen die Bayern gespielt, wenn auch gegen deren zweite Mannschaft. Nur eines der Regionalliga-Duelle gewann Hoffenheim.

          Ein gutes Omen für die großen Bayern? Vorsichtig. Die TSG 1899 ist zwei Klassen höher in Windeseile erwachsen geworden. In München möchte sie, angeleitet von Miraculix Rangnick, ein Vorweihnachtsmärchen aufführen, an das die Bayern noch lange denken sollen. Der Meister hält dagegen und will Hoffenheim mit dem Realitätsschock konfrontieren. Wer auch immer sein Drehbuch durchsetzt, den Fans winkt die bisher tollste Geschichte dieser verrückten Bundesliga-Saison.

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