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6:0 gegen Mainz : FC Bayern zeigt keine Gnade

Der dreifache James: James Rodriguez bejubelt seinen dritten Treffer beim Spiel des FC Bayern gegen Mainz. Bild: Reuters

Wenige Tage nach der Enttäuschung in der Champions League macht der FC Bayern die Mainzer Gäste zu Prügelknaben. Dem Ausscheiden in der Königsklasse lassen die Münchner in der Liga die nächste „Duftmarke“ folgen.

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          Die Bundesliga bleibt für den FC Bayern die beste Therapie. Schwer geschlagen am Mittwoch durch den FC Liverpool in der Champions League, hat der deutsche Dauermeister sich am Sonntag auf heimische Stärken besonnen und mit einem 6:0-Sieg gegen den desolaten FSV Mainz 05 die 24 Stunden lang rechnerisch eingebüßte Tabellenführung von Borussia Dortmund zurückgeholt. Mit nun 17 Toren in den letzten drei Partien hat sich der FCB gegenüber dem punktgleichen BVB in der Tordifferenz einen Vorsprung von sieben Treffern gesichert. Mann des Tages war der Kolumbianer James mit drei Toren (33./51./55. Minute), außerdem trafen Robert Lewandowski (3.), Kingsley Coman (39.) und Alphonso Davies (70.)

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Meine Mannschaft hat in dieser Saison gezeigt, dass sie nach schweren Spielen und nach schwierigen Phasen immer wiederkommt“, hatte Trainer Niko Kovac vor dem Spiel erklärt und die Erwartung geäußert, dass „sie die Enttäuschung in viele, viele Siege ummünzen“. Den ersten brachte Lewandowski bereits mit seinem ersten Abschluss auf den Weg. Eine Flanke von David Alaba lenkte er per Außenrist aus spitzem Winkel volley ins kurze Eck. Zu diesem Zeitpunkt waren die Mainzer noch kein einziges Mal aus der eigenen Hälfte herausgekommen. Es dauerte sieben Minuten, bis die in Zahnpasta-Mintgrün gekleideten Gäste erstmals einen ernsthaften Angriff starteten, er mündete in einen zahmen Fernschuss von Levin Öztunali, den Torwart Manuel Neuer dankbar entgegennahm. Doch auf die Tube drückten nur die Bayern. Coman hämmerte den Ball aus halblinker Position ans Lattenkreuz (12.), James gab aus zwanzig Metern einen gefährlich sich senkenden Schuss ab, den Torhüter Florian Müller stark abwehrte (15.). Es war binnen einer Viertelstunde bereits der sechste Torschuss der energisch auf Wiedergutmachung gepolten Bayern – genauso viele also wie am Mittwoch gegen Liverpool in neunzig Minuten.

          Eine Minute später schien Jean-Philippe Mateta dank eines überraschenden Steilpasses plötzlich durch auf dem Weg zu Neuers Tor – einen Schritt vor Verteidiger Niklas Süle. Doch dann unterlief dem Franzosen mit einem unsauberen letzten Ballkontakt vor dem Abschluss der entscheidende Tempoverlust. Der zuvor schon abgehängte Jerome Boateng konnte so den Ball von hinten zur Ecke lenken und die mögliche Ausgleichsgelegenheit vereiteln.

          Die Bayern nahmen sich dann eine etwas unkonzentrierte Viertelstunde. So kam Öztunali nach 25 Minuten frei zum Schuss, schoss aber aus 16 Metern daneben. Und eine Minute später patzte Neuer mit einem ungenauen Zuspiel auf Süle, das von Jean-Paul Boetius geblockt wurde, und hatte Glück, dass der Ball im hohen Bogen kurz vor der Torlinie in seine Arme und nicht auf den Fuß des Mainzers fiel. Doch damit war das Intermezzo der Männer in Mint schon vorbei. Sie schrumpften zu Statisten einer Demonstration der Stärke durch Bayern, die deutlich sichtbar nicht nur einen Sieg erzielen, sondern auch ein Statement setzen wollen. Joshua Kimmich, im Rückspiel gegen Liverpool schmerzlich vermisst, zeigte, dass er von der rechten Seite auch mit links gefühlvoll flanken kann. Die nach innen gedrehte Hereingabe landete bei Leon Goretzka, der den Ball, mit dem Rücken zum Tor, von der Brust zur Seite in den Lauf des nach innen kreuzenden James prallen ließ. Dem Kolumbianer öffnete sich durch diese Blitz-Improvisation freie Schussbahn, die er mit links flach und unhaltbar für Müller nutzte. Dann luchsten drei pressende Mainzer Thiago in der Mitte der Bayern-Hälfte den Ball ab, wodurch sich eine verheißungsvolle Umschaltsituation eröffnete. Doch der nachrückende Karim Onisiwo verschlampte den Ball schon beim ersten, unsauberen Kontakt, so hatten nun plötzlich die Bayern den Platz zum Konter. Coman spurtete durch die entblößte linke Seite der Mainzer Hälfte, zog nach innen und traf aus 17 Metern flach ins lange Eck zum 3:0.

          Der Anpfiff zur zweiten Hälfte war Startschuss für die große James-Show. Der Kolumbianer, am Mittwoch zu seinem unverhohlenen Missfallen zehn Minuten vor Ende ausgewechselt, erhöhte binnen zehn Minuten mit einem scharfen Diagonalschuss und einem gefühlvollen Chip auf 5:0. Erst als auch noch der eingewechselte 18 Jahre junge Alphonso Davies, Winterneuzugang aus Kanada, mit seinem ersten Bundesliga-Tor das halbe Dutzend vollgemacht hatte, ließen sie es gut sein mit Klopps altem Klub, der für das Aus gegen Klopps neuen Klub zum Prügelknaben der Bayern wurde. Thomas Müller kommentierte mit Stolz: „Die letzten drei Bundesligaspiele waren eine Duftmarke.“

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