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2:3 gegen Union Berlin : Das nächste Debakel für Mainz

Das war nichts: Mainz um Ridle Baku (rechts) unterliegt Union Berlin. Bild: dpa

Die Lage wird immer brenzliger: Mainz 05 bäumt sich viel zu spät auf gegen die nächste Niederlage. Union Berlin gewinnt erstmals in der Vereinsgeschichte auswärts ein Bundesligaspiel.

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          Die Minuten nach der 2:3-Niederlage von Mainz 05 gegen Union Berlin lieferten jene Bilder, die zur brenzligen Situation der auf Rang 16 abgerutschten Gastgeber passten. Trainer Sandro Schwarz fluchte beim Gang in die Kabine. Nachdem die Mainzer Anhänger unter den 24.000 Zuschauern ihren Spielern beim Gang in die Pause ein „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n“ hinterher geschrien und nach dem 0:3 in der 51. Minute durch den Berliner Doppeltorschützen Sebastian Andersson das Anfeuern aus Protest gegen die maue Leistung eingestellt hatten, kam es nicht nur zu kleinen Rangeleien innerhalb des Blocks. Ein paar aufgebrachte Fans überwanden zudem die Absperrungen und diskutierten wild gestikulierend mit den Mainzer Spielern, die sich trotz eines gellenden Pfeifkonzerts auf Drängen von Sportvorstand Rouven Schröder komplett vor dem Block eingefunden hatten.

          Bundesliga

          „Das ist das gute Recht der Fans“, sagte Daniel Brosinski, der in Vertretung des nicht aufgebotenen Kapitäns Danny Latza die Spielführerbinde getragen und die Berliner in der 30. Minute mit einem Eigentor in Führung gebracht hatte. Die Situation in Mainz wird nach der 0:8-Niederlage von Leipzig und dem nächsten Tiefschlag ungemütlicher, auch wenn es im Klub nach wie vor keine Anzeichen für die branchenüblichen Reflexe wie eine Trainerentlassung gibt. Sportvorstand Schröder verwies wie schon in vergangenen Krisenmomenten darauf, „dass der Klub über dem Einzelnen steht. Ich muss nicht ständig Plädoyers halten.“ Am Sonntag wolle er wie üblich mit Schwarz die Situation analysieren. Der Trainer sieht die Lage ähnlich nüchtern. „Ich habe keine Furcht vor den Mechanismen, weil das ohnehin nichts Personenbezogenes ist. Es geht um den Klub und die Mannschaft“, sagte er. „Ich bin allein frustriert, dass wir das Spiel verloren haben. Aber morgen geht es weiter.“

          Schwarz versuchte dabei erst gar nicht erst, den Auftritt wegen des späten Aufbäumens seines Teams zu beschönigen oder gar auf die Chancen zu einer eigenen Führung zu verweisen, die Adam Szalai  oder Ridle Baku vergeben hatten.

          Der Trainer hatte im Spiel weitgehend jenen Spielern vertraut wie in den Vorwochen und verzichtete somit auf einen umfassenderen personellen Neuanfang beispielsweise mit dem erst spät eingewechselten, noch unbelasteten Talent Jonathan Burckardt. Er bot stattdessen die selbe Startelf auf, die er vor zwei Wochen beim 3:1-Sieg gegen Köln nominiert hatte und somit weitgehend jene Akteure, die in Leipzig naiv ins offene Messer gelaufen waren. Den Rheinhessen fehlte aber die für ein solches Kellerduell nötige Entschlossenheit. Gerade die Achse aus vermeintlichen Führungsspielern um Edimilson Fernandes, Jean-Paul Boetius oder Szalai präsentierte sich völlig indisponiert und verloren viel zu leichtfertig immer wieder einfach die Bälle.

          Die Folge war ein Auftritt, dem vor allem die nötige Körperlichkeit in den Zweikämpfen mit den im Schnitt deutlich größer gewachsenen Berlinern fehlte. Die Mainzer Defensive ließ sich von den beiden physisch starken Stoßstürmern Andersson und Sebastian Polter teilweise vorführen allein durch deren Präsenz. Zudem ließen sie dem Gegner im Mittelfeld so großzügig Räume, dass Union vor dem 1:0 in aller Ruhe den Flankengeber Christopher Trimmel in Position bringen konnte. Unbedrängt schlug er die Flanke, die zu allem Überfluss Brosinski beim Rettungsversuch über die eigene Linie spitzelte vor dem einschussbereiten Marcus Ingvartsen.

          Beim zweiten Treffer unmittelbar vor der Pause wie auch dem 0:3 nur sechs Minuten nach nutzten die Berliner gnadenlos ihre Vorteile im Kopfballspiel aus, beide Male war wieder Kapitän Trimmel der Flankengeber: Beide Male war Andersson der Nutznießer, dem die Mainzer aus Mangel an starken Kopfballspielern beim ersten Eckball Levin Öztunali entgegenstellen mussten. „Wir wussten, dass sie Größenvorteile haben. Aber man kann das trotzdem besser verteidigen, wenn man die innere Linie besetzt und den Gegner mit Konsequenz stört beim Kopfball“, sagte Schwarz.

          Wenigstens eine gewisse Konsequenz legten die Mainzer gegen Spielende an den Tag, als sie durch die späten Treffer von Karim Onisiwo (81.) und Brosinski (90+4.) immerhin Ergebniskosmetik betrieben. „Es fehlt aber einfach hinten und vorn“, sagte Ridle Baku, einer der besseren unter schwachen Mainzern. „Es darf einfach nicht passieren, dass wir wieder drei Gegentore kassieren nach den acht in Leipzig.“ So aber pflegten die Rheinhessen eine gewisse Tradition: Bundesliganeulinge lassen sie gerne bei ihren Gastspielen in Mainz ihre ersten Auswärtssiege feiern: Wie Union schafften dies in den vergangenen zehn Jahren auch Greuther Fürth und der FC Augsburg in der Arena vor den Mainzer Stadttoren.

          Bereits vor dem Spiel angespannt: Mainz-Trainer Sandro Schwarz

          Die Berliner Fans feierten derweil mehr noch als diese Premiere, dass sie erstmals in der Bundesliga vor Hertha BSC stehen. Nach dem Sieg in der Vorwoche im Derby haben sie den Lokalrivalen nach dessen Heimniederlage gegen Leipzig nun überholt. Gegen Spielende hängten sie entsprechend ein Banner „Berliner Nummer eins“ am Zaun vor dem Gästeblock auf. Ihnen blieb die Peinlichkeit erspart, das Transparent bei einem letztlich noch möglichen Mainzer Ausgleich wieder abhängen zu müssen.

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