https://www.faz.net/-gtm-a7f9t

Friseurverband verärgert : Kritik an gestylten Fußballprofis

  • Aktualisiert am

Perfektes Haar: Der Friseurverband kritisiert Fußballspieler. Bild: AFP

Seit Wochen sind die Friseursalons in Deutschland wegen der Pandemie geschlossen. Dennoch wirken bei vielen Fußballprofis die Haare wie frisch geschnitten. Der Friseurverband reagiert mit Unmut.

          3 Min.

          Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat in einem offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund seinen Unmut über frischfrisierte Fußballprofis geäußert. Wie die „Bild“-Zeitung zunächst berichtete, heißt es in dem an DFB-Präsident Fritz Keller gerichteten Schreiben: „Mit großer Verwunderung mussten wir daher an den vergangenen Spieltagen feststellen, dass ein Großteil der Fußballprofis sich mit frischgeschnittenen Haaren auf dem Platz präsentierte: Einrasierte Scheitel, auf wenige Millimeter getrimmtes Nacken- und Schläfenhaar, saubere Konturen. Frisuren, die nur professionelle Friseurinnen und Friseure mit Profi-Equipment schneiden können.“

          Bundesliga

          Damit sei eine ganze Branche unter Druck gesetzt geworden. „Viele Friseurbetriebe sind in ihrer Existenz bedroht, Beschäftigte und Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber müssen derzeit mit Kurzarbeitergeld oder ganz ohne Einkommen zurechtkommen. Der Unmut gegenüber topgestylten Fußballern, und in der Folge Kundenanrufen, die zu Schwarzarbeit und Regelverstößen wie Hausbesuchen überreden wollen, wächst“, heißt es weiter in dem offenen Brief.

          Es sei ein großes Privileg, dass der Profifußball während einer Pandemie weiter stattfinden dürfe. „Wir appellieren daher an Sie und den DFB: Zeigen Sie in Zeiten wie diesen Solidarität und setzen Sie mit uns ein Zeichen gegen Schwarzarbeit. Lassen Sie uns den Weg der Pandemiebekämpfung gemeinsam gehen.“ Die rund 80.000 Salons des deutschen Friseurhandwerks sind seit dem 16. Dezember 2020 im Zuge der Pandemiebekämpfung geschlossen.

          „Die Friseure sind seit dem 16. Dezember im Lockdown, und wir möchten etwas Solidarität haben. Sie dürfen Fußball spielen, sie gehen ihrem Beruf nach. Und man schaut hin“, sagte Harald Esser, Präsident des Zentralverbandes, der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview. Schließlich seien Profifußballer für viele junge Menschen Vorbilder – und eben auch öffentliche Personen. Man sehe sehr wohl, dass die Haare vieler Fußballer von Profis gestylt worden sind, sagte Esser. In Kollegenkreisen sei das schon seit einiger Zeit ein Thema. „Und ich denke, wir wollen diese Solidarität, dass sie auch nach außen hin in dieser Zeit eine gewisse Friseur-Abstinenz demonstrieren. Es ist verboten!“

          Zudem werden Verstöße bestraft. „Das sind mindestens 250 Euro, die für jede Seite dann fällig werden. Das geht dann bis 2500 Euro bei Wiederholung – und auch bis zu 25.000, wenn da ein System hintersteht“, schilderte der Präsident. „Wir erwarten eigentlich, dass die Vereine ihren Mitarbeitern klar machen, dass es das momentan nicht gibt“, betonte Esser. „Da möge man sich dran halten.“

          Die Kritik der deutschen Friseure grenzt für die Spielergewerkschaft VdV dagegen an Haarspalterei. „Wenn jemand gegenwärtig mit frisch gestylten Haaren auftritt, bedeutet das nicht, dass dies das Resultat eines Normenverstoßes sein muss“, sagte VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky am Mittwoch dem SID. Trotz des momentanen Öffnungsverbotes für Friseursalons wegen der Corona-Beschränkungen würden hinreichend Ausweichmöglichkeiten für die modebewussten Kicker existieren: „Es gibt auch innerhalb der Familie sowie innerhalb der Mannschaft und des Betreuerteams Personen, die ein Talent für Haarstyling haben.“

          Weil die Interessenvertretung der Coiffeure offenbar anders als Baranowsky eine Ballung von Friseurhandwerken in den Umfeldern der Profis für eher unwahrscheinlich zu halten scheint, warf der Verband den Spielern angesichts vermeintlicher Friseur-Termine trotz Lockdowns Unterstützung von Schwarzarbeit vor. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wollte den Brief auf SID-Anfrage nicht kommentieren. Der DFB reagierte bis Mittwochmittag nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

          Die pauschale und nicht belegte Kritik der Haarkünstler-Vereinigung weckt Erinnerungen an die Friseur-Affäre im vergangenen Frühsommer um Jungstar Jadon Sancho von Borussia Dortmund. Der Engländer und einige Teamkollegen hatten sich von einem privat aus Düsseldorf angereisten Starfriseur stylen lassen und dabei offenkundig durch Verzicht auf sämtliche Schutzmaßnahmen gegen das Corona-Konzept der DFL zur Absicherung der Saisonfortsetzung verstoßen.

          Auf Grundlage von Fotos des Friseurs in sozialen Netzwerken belegte die DFL Sancho mit einer Geldstrafe in unbekannter Höhe, die der Offensivspieler als „absoluten Witz“ bezeichnete. Inzwischen hat die Liga die Sanktionierung von Missachtungen der Verhaltenspflichten aus dem Konzept durch Spieler und andere Arbeitnehmer auf seine Klubs übertragen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Laden auf einem Parkplatz in Oslo.

          Elektroauto oder nicht? : Im Antriebsdilemma

          Taugt Norwegen für uns als Elektroauto-Vorbild? In Deutschland ist Strom abschreckend teuer. Aber auch die Abgasreinigung für Benzinmotoren kostet immer mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.