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4:2 gegen Gladbach : Freiburger Duselsieg

  • -Aktualisiert am

Dem Klassenverbleib so nahe: Freiburg feiert den Sieg über Gladbach Bild: dpa

Die Heimstärke ist der große Pluspunkt der Freiburger im Abstiegskampf. Das 4:2 gegen Gladbach ist ein großer Schritt zum Klassenverbleib. Die Borussia dagegen verpasst den Sprung auf Platz vier.

          3 Min.

          Als die Not am größten schien, hat sich der SC Freiburg von allen Abstiegssorgen befreit. Mit etwas Glück, aber auch der Moral der nimmermüden Kämpfer. 0:1 lagen die Badener am Samstag gegen den Europa-League-Kandidaten Borussia Mönchengladbach durch Herrmanns Treffer (10. Minute) zurück.

          Da die Rheinländer danach nicht einmal ihre größten Gelegenheiten - darunter ein von Torhüter Baumann parierter Elfmeter von Daems (65.) - nutzten, bauten sie die Badener dermaßen auf, dass die am Ende zu ihrer eigenen Verblüffung 4:2 durch die Tore von Mehmedi (51./87.), Sorg (71.) und Darida (73.) gewonnen hatten.

          Da sich der Gladbacher Xhaka, einmal wegen Meckerns, das zweite Mal nach einem dummen Foul im Mittelfeld, auch noch die Gelb-Rote Karte zeigen ließ (69.), geriet der nach dem Spielverlauf kuriose Sieg, an dem auch Kramers Tor zum 2:4 (89.) nichts mehr änderte, nicht mehr in Gefahr.

          Seit 2002 hatten die Gladbacher in Freiburg kein Bundesligaspiel mehr gewonnen, 2004 dort ihr letztes Tor unter Erstligabedingungen geschossen. Verdammt lang her. Umso eiliger hatten es die Rheinländer am Samstag, ein Zeichen zur Umkehr zu setzen. Schon nach zehn Minuten stand es 1:0 für die Borussia, die vor der Pause dieses Spiel beherrschte.

          Ansehnliches Spiel der Borussia

          Wie der Treffer zustande kam, war typisch für den Gladbacher Kombinationsfußball. Ein Diagonalpass von Xhaka, ein Querpass von Daems, und schon stand Herrmann, von keinem Freiburger attackiert, frei. Das 1:0 aus kurzer Distanz zu erzielen, war kein Kunststück mehr. Der Treffer stabilisierte das bis dahin schon ansehnliche Spiel der Mannschaft von Trainer Lucien Favre weiter.

          Das Team ging früh ins Pressing, fand die Räume, die es für seine Attacken brauchte und verunsicherte damit die Freiburger, die nicht so recht wussten, was sie mit diesem Gegner anfangen sollten. Torchancen gab es in der ersten Hälfte so gut wie keine für den Sport-Club, der den Gladbachern in diesem Spielabschnitt deutlich unterlegen war.

          Gladbach-Torwart ter Stegen ist bedient, Freiburg jubelt
          Gladbach-Torwart ter Stegen ist bedient, Freiburg jubelt : Bild: dpa

          „Die Gladbacher sind sehr gut organisiert, und die Handschrift ihres Trainers ist klar erkennbar“, lobte Bundestrainer Joachim Löw zur Pause die Borussen. Das einzige, was sich Favres Spieler bei Halbzeit vorwerfen mussten, war, dass sie nicht deutlicher in Führung lagen.

          Die größte einer Reihe guter Gelegenheiten vergab der Brasilianer Raffael, dem der sehr umsichtige Nationalspieler Kruse bei seiner Rückkehr nach Freiburg freie Bahn verschafft hatte. Doch statt sofort zu schießen, verhedderte sich Raffael in ein Duell mit Torhüter Baumann, der die Finger an den Ball bekam, ehe Innenverteidiger Ginter Raffaels zweiten Schussversuch auf der Linie zur Ecke abwehrte und damit den SC vor dem sicher scheinenden 0:2 bewahrte (30.).

          Der erste Freiburger Torschuss ist drin

          So blieb Freiburg die Hoffnung auf eine bessere zweite Hälfte. Doch zunächst schien alles wie gehabt weiter zu gehen. Freiburg produzierte haarsträubende Fehler - und hatte weiter Glück. Höhns Fehlpass zu Raffael nutzte der Borussen-Stürmer nicht zu seinem 17. Saisontor; anschließend hätte der unglückselige Höhn fast ein bildschönes Eigentor fabriziert, als er den Ball aus 25 Metern am weit vor dem Tor stehenden Baumann und am rechten Pfosten vorbeischob (49.).

          Wer so viel Dusel hat, glaubt dann doch noch an die eigene Chance. Und siehe da: Schon der erste Freiburger Torschuss durch Mehmedi war drin (51.), noch abgefälscht vom Gladbacher Jantschke. Danach setzte die Mannschaft von Trainer Christian Streich den Gladbachern endlich auch körperlich so zu, dass die Borussen hier und da in Nöte kamen.

          Zudem schickt Schiedsrichter Gagelmann den Gladbacher Xhaka vom Platz
          Zudem schickt Schiedsrichter Gagelmann den Gladbacher Xhaka vom Platz : Bild: dpa

          Und doch hätte es nach 65 Minuten 2:1 für Mönchengladbach stehen müssen. Nach Schusters Foul an Raffael bekam der sonst beim Strafstoß so sichere Daems (er nutzte zwölf von vierzehn Elfmetern in der Bundesliga) die Chance zum abermaligen Führungstreffer - und scheiterte am fabelhaft reagierenden Torhüter Baumann.

          Besser noch für Freiburg, dass der schon verwarnte Xhaka die Gelb-Rote Karte vorgehalten bekam (69.). Optimal für den Sport-Club ging es wenig später weiter: Zuerst holte Rechtsverteidiger Sorg, bisher noch nicht als Torschütze aufgefallen, aus und traf aus 25 Metern zum 2:1 in den Winkel (71.).

          Der Fußball ist manchmal ein irres Spiel

          Plötzlich war alles anders in diesem turbulenten Spiel, das Daridas Tor zum 3:1 (72.) vollends drehte. Mehmedis 4:1 (87.) rundete diesen Freiburger Nachmittag, dem auch Kramers Tor zum 2:4 (89.) nichts anhaben konnte, ab. Der Fußball ist manchmal ein irres Spiel - exemplarisch zu beobachten am Samstag in Freiburg.

          SC Freiburg - Bor. Mönchengladbach 4:2 (0:1)

          SC Freiburg: Baumann - Sorg, Höhn (59. Höfler), Ginter, Günter - Klaus (87. Kerk), Schuster, Darida, Schmid - Guédé, Mehmedi (90. Schraml)
          Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dominguez, Daems - Herrmann (75. Kramer), Nordtveit, Xhaka, Arango (84. Hrgota) - Raffael, Kruse
          Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
          Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Herrmann (10.), 1:1 Mehmedi (51.), 2:1 Sorg (71.), 3:1 Darida (72.), 4:1 Mehmedi (87.), 4:2 Nordtveit (89.)
          Besonderes Vorkommnis: Baumann (SC Freiburg) hält Foulelfmeter von Daems (65.)
          Gelbe Karten: Klaus (5), Sorg (5) / Kruse (3)
          Gelb-Rote Karten: - / Xhaka (69./wiederholtes Foulspiel)

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