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Eintracht Frankfurt und Jovic : Aus diesem Stoff sind Märchen

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Sehnsucht nach einem Torjäger: Die Eintracht würde Jovic mit offenen Armen empfangen. Bild: EPA

Die Saison beginnt für die Eintracht mit einem Patzer gegen Bielefeld. Nun träumt der frühere Torjäger Luka Jovic angeblich von einer Rückkehr nach Frankfurt. Doch daraus wird nichts.

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          Wenn sich die Wirklichkeit nicht ganz so angenehm darstellt, dann ist der Mensch verleitet, zu träumen. Im Fall der Frankfurter Eintracht heißt das nach dem ziemlich verpatzten Saisonstart gegen Arminia Bielefeld (1:1), sich vorzustellen, wie es wäre, wenn Luka Jovic wieder das Trikot mit dem Adler auf der Brust überstreifen würde. Der Wunsch nach einem Wiedersehen mit dem jungen Torjäger, der gegen Fortuna Düsseldorf fünf Treffer in einem Bundesligaspiel schaffte, besteht schon länger.

          Bundesliga

          Er wurde zuletzt mit Medienmeldungen aus Spanien befeuert, nach denen Jovic bei Real Madrid um seine Rückkehr nach Frankfurt auf Leihbasis gebeten habe und Trainer Zidane grundsätzlich nichts dagegen habe, den jungen serbischen Stürmer nicht mehr im Kader zu haben. Die Worte des einstigen Weltklassespielers zu diesem Thema sind nicht überliefert, aber seine Taten bestätigen die Angabe. Im ersten Saisonspiel gegen San Sebastián ließ Zidane den für 60 Millionen Euro von der Eintracht geholten Angreifer bis zum Schlusspfiff auf der Bank sitzen, obwohl die Auseinandersetzung mit dem Außenseiter 0:0 endete. Der Franzose zog es vor, die Youngster Marvin Park (20) und Sergio Arribas Calvo (18) ins Spiel zu bringen statt den 22 Jahre alten Jovic.

          In deutschen Medien schlugen diese Sachverhalte wie eine Bombe ein, manche erweckten den Eindruck, Jovic sitze schon im Flieger Richtung Rhein-Main. Alle erwähnten eine Kleinigkeit, die gegen einen Transfer spricht, maßen ihr aber unterschiedliche Bedeutung zu: Das Jahresgehalt des Stürmers liegt bei um die zehn Millionen Euro. Erschwerend kommt hinzu, dass die spanische Steuergesetzgebung Fußballprofis mehr Netto vom Brutto lässt als die deutsche. Halb so schlimm, denn die Königlichen könnten ja auf eine Leihgebühr verzichten und einen Großteil des Gehaltes weiterzahlen, damit ihr unglückliches Talent in Frankfurt wieder Spielpraxis sammeln und sein Glück finden könnte.

          Informationen der F.A.Z. decken sich mit dem, was schon der gesunde Menschenverstand sagt: Jovic mag von der Eintracht träumen, kommt aber nicht nach Frankfurt. Wieso sollten die Madrilenen die Eintracht quasi dafür bezahlen, einen Spieler abzunehmen, für den sie von anderen Klubs eine hohe Leihgebühr und die vollständige Übernahme der Gage erwarten können?

          Jovic kostenlos in Frankfurt, aus diesem Stoff sind Märchen, die Frankfurter Realität sind Spieler wie Stefan Ilsanker, die für ihr Tun bezahlt werden. Der 31 Jahre alte österreichische Nationalspieler lächelte am Dienstag maliziös auf die Frage, was er zum Stand des Jovic-Transfers wisse, und antwortete: „Ich würde mich freuen, wenn er zurückkehren würde, aber mehr kann ich dazu nicht sagen, mehr weiß ich nicht.“ Was Ilsanker sehr gut zu benennen wusste, war, was bei der Bundesligapremiere gegen Bielefeld falsch gelaufen war und was am Freitag bei Hertha BSC Berlin (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN)  unbedingt besser werden muss: „Wenn wir wieder solche Lücken lassen, teilweise mit den Mannschaftsteilen zu weit auseinander sind, dann werden uns die Berliner den Arsch aufreißen, und dann werden wir auch nicht unentschieden spielen.“

          „Arbeiten und marschieren“

          Der Österreicher hält die Berliner für ein ganz anderes Kaliber als den Aufsteiger aus Ostwestfalen. „Sie haben schon in der Rückrunde einige gute Spiele gemacht, haben sich jetzt unheimlich verstärkt und sind richtig gut drauf.“ Was sich am 4:1-Auswärtssieg bei Werder Bremen ablesen lässt. Dementsprechend müsse die Eintracht in Berlin kompakter und geschlossener agieren und vor dem Tor einfach besser verteidigen.

          Weil im Frankfurter Mittelfeld Durchzug herrschte, hatte Trainer Adi Hütter gegen die Arminia seinen defensiv orientierten Landsmann in der zweiten Halbzeit beim Stand von 1:1 auf das Spielfeld gebracht. Dort versuchte Ilsanker seine Stärken einzubringen: laufen und kämpfen. Er weiß, dass er kein „feinmotorischer“ Spieler ist, wie er einmal über sich sagte. „Das Zaubern überlasse ich denen, die es können“, sagte Ilsanker am Dienstag, womit er Silva und Kamada meinte und auf die Frage antwortete, ob er wie im letzten Bundesligaspiel gegen die Hertha wieder zwei Treffer erzielen wolle. „Erst einmal geht es um die Basics: arbeiten und marschieren, zu guter Letzt geht es ums Zaubern.“ Damit meinte er nicht nur sich, sondern die ganze Mannschaft.

          Ilsanker gab sich optimistisch, dass die Eintracht in Berlin besser spielen werde: „Wir sind am Anfang der Saison noch ein bisschen in der Einspielphase, die vielen Fehler sind verständlich. Und mit 1860 München und Bielefeld hatten wir zwei Gegner, die wir nicht kannten.“ Auf eines kann Ilsanker gegen die Hertha nicht hoffen: dass Luka Jovic die Eintracht verstärken wird. Aber das sei auch nicht so schlimm: „André Silva und Bas Dost haben bewiesen, dass sie keine Blinden sind.“

          8000 Zuschauer bei der Eintracht

          Die Frankfurter Eintracht darf ihr zweites Bundesliga-Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am 3. Oktober vor 8000 Zuschauern bestreiten. Am Montag genehmigte das Frankfurter Gesundheitsamt die Erhöhung um 1500 Besucher, nachdem die Erfahrungen beim ersten Heimspiel gegen Arminia Bielefeld positiv ausgefallen sind. Die 6500 Zuschauer verhielten sich äußerst diszipliniert, das Hygienekonzept der Eintracht hatte reibungslos funktioniert.

          Dagegen kann Hertha BSC in der Fußball-Bundesliga weiterhin maximal 5000 Personen zu den Spielen ins Olympiastadion lassen. Der Berliner Senat änderte bei seiner Sitzung am Dienstag die für die Hauptstadt gültige Corona-Verordnung nicht. Somit können zum Heimauftakt am Freitagabend gegen Eintracht Frankfurt nicht die für andere Bundesliga-Klubs gültigen 20 Prozent der Stadionkapazität genutzt werden, was eine Auslastung im Olympiastadion von 14.500 Zuschauern bedeutet hätte. „Mit steigenden Infektionszahlen wird es schwierig zu begründen, warum in manchen Bereichen die grundsätzlichen Regelungen und Zahlen nicht gelten sollen. Deswegen ist heute kein Beschluss gefasst worden“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop am Dienstag. Die Berliner Corona-Verordnung verbietet bis zum Jahresende Veranstaltungen im Freien mit mehr als 5000 gleichzeitig Anwesenden. (dpa)

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