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Bundesliga-Finale : Saison Furioso

Klopp hielt sein Versprechen: „So viele Fehler werden wir nicht mehr oft machen” Bild: dpa

Es war die Saison der Entlassungen und der Überraschungen: Welche ist größer als der Dortmunder Titelgewinn oder die Mainzer Qualifikation für die Europa League? Littbarski ist immer noch Ko-Trainer in Wolfsburg.

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          Es ist stets mutig, sich vor einer Bundesliga-Saison weit aus dem Fenster zu lehnen mit Prognosen, aber mit einigen Aussagen schien man im Sommer vergangenen Jahres auf der sicheren Seite. Denn der nationale Durchmarsch des FC Bayern, der nach dem ersten Jahr mit Louis van Gaal die Spielphilosophie des Niederländers ja verinnerlicht hätte und nun noch stärker würde, weil keine Zugänge außer Rückkehrer Toni Kroos zu integrieren waren, wäre wohl kaum aufzuhalten.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nur Mario Gomez würde dabei kaum eine Rolle spielen, wenn er denn überhaupt in München bliebe. Und auch der Kandidat für die erste Trainerentlassung war nach Hannovers Pokal-Aus beim Regionalligaklub Elversberg ausgemacht: Mirko Slomka dürfte sich wohl nicht mehr lange halten.

          Vor dem letzten Spieltag wissen wir, dass immer alles ganz anders kam in dieser Spielzeit. Slomka beispielsweise ist einer der wenigen Trainer, der noch denselben Verein trainiert wie zu Saisonbeginn, aus dem vermeintlichen Bayern-Durchmarsch wurde ein dominanter Dortmunder Triumphzug.

          Scheinbar sichere Bank: Der Durchmarsch der Bayern unter van Gaal wird kaum aufzuhalten sein
          Scheinbar sichere Bank: Der Durchmarsch der Bayern unter van Gaal wird kaum aufzuhalten sein : Bild: dpa

          Und Gomez ist der beste Torschütze der Liga, wenngleich dieser Erfolg auch einem Zufall geschuldet ist. Bei den Bayern kam er nämlich erst am 7. Spieltag als Stammspieler zum Zuge, weil alle anderen Stürmer verletzt waren und er sich vorher einem Ausleihgeschäft nach Liverpool verweigert hatte. Aber wäre er gegangen, wäre jetzt vielleicht sein Kollege Miroslav Klose Torschützenkönig, der ja nur in der Nationalmannschaft erste Wahl ist, wo Gomez nach wie vor als Teilzeitkraft auftritt.

          Manche Aussage der Hauptdarsteller entpuppte sich als größte Fehleinschätzungen seit langem. Etwa die von Felix Magath, der nach der WM ahnte, dass der Auftakt der Bayern etwas holprig werden würde. „Wir sind bereit, vorneweg zu marschieren“, kündigte Magath als Schalker Trainer an. Seiner Mannschaft gelang dann nach vier Niederlagen am fünften Spieltag der erste Sieg. Aber nicht nur Magath irrte sich gewaltig. In Wolfsburg fühlte sich Manager Dieter Hoeneß nach mageren Jahren bei Hertha BSC dank des Geldes des VW-Konzerns endlich an der richtigen Stelle und hatte große Ziele: „Wir wollen regelmäßig Champions League spielen. “

          Zurück bleiben Fragen, auf die es keine Antworten gibt

          Das ging mächtig schief, wie so vieles in dieser Spielzeit. Zurück bleiben Fragen, auf die es keine Antworten gibt – etwa zum Absturz von Eintracht Frankfurt. Schon deren Hinrunde konnte sich niemand erklären, denn als Tabellensiebter war die Eintracht nur drei Zähler von einem Platz entfernt, der zur Teilnahme am internationalen Fußball berechtigt. Bevor sie sich in die Weihnachtsferien verabschiedeten, hatten die Frankfurter gerade noch Dortmund die erste Auswärtsniederlage beigebracht, und die mutig angestrebten 50 Punkte schienen bei zur Halbzeit erreichten 26 Zählern dank der 14 Tore von Gekas tatsächlich machbar.

          „Ein, zwei Mannschaften können wir noch einholen“, sagte Trainer Michael Skibbe daraufhin im Winter-Trainingslager. Das gelang nicht ganz, aber immerhin wird die Eintracht, soviel steht vor dem letzten Spiel in Dortmund fest, mit dem FC St. Pauli zumindest eine Mannschaft hinter sich lassen. Und die Hessen könnten nebenbei eine Uraltniedrigmarke von Tasmania Berlin knacken: Nur sechs Tore in der Rückrunde, das hat noch keiner geschafft. Auch die Bundesliga-Rückkehr von Christoph Daum, der Skibbe ablöste, stoppte die Talfahrt nicht.

          Littbarski ist immer noch Ko-Trainer in Wolfsburg

          Sich die Trainernamen in dieser Saison zu merken, war manchmal fast vergebene Liebesmüh, mitunter war es schwierig, den jeweils aktuellen Verein richtig zuzuordnen. In Stuttgart etwa folgte auf Gross dessen Assistent Keller und dann Labbadia, in Köln musste Soldo gehen und wurde durch Schaefer ersetzt, der entsetzt von diesem Profigeschäft hinwarf und von Finke kurzfristig beerbt wurde. Der hatte bei seiner Ankunft aus Japan als neuer Sportdirektor in Köln kategorisch ausgeschlossen, noch einmal auf dem Trainingsplatz zu stehen.

          Schaefer aber war nicht der Einzige, der freiwillig ging – Rangnick verließ Hoffenheim, weil sein Mittelfeldstar Luiz Gustavo zu den Bayern transferiert wurde. Später wurde er beim FC Schalke Nachfolger von Magath, der selbst nur spektakuläre 24 Stunden brauchte, um die königsblaue Krawatte abzulegen und sich in das grüne Tuch des VfL Wolfsburg zu hüllen. Dort traf er auf Pierre Littbarski, der erfolglos versucht hatte, als Nachfolger des Engländers McClaren den Niedergang aufzuhalten und gerade noch gemutmaßt hatte, dass Magath in seiner Meistersaison Wolfsburg quasi kaputt trainiert habe. Vielleicht ist dies deshalb die größte Überraschung der Saison, größer als der Dortmunder Titelgewinn oder die Mainzer Qualifikation für die Europa League: Littbarski ist immer noch Ko-Trainer in Wolfsburg.

          „So viele Fehler werden wir nicht mehr oft machen

          Der Neu-Bayer Gustavo war im übrigen neben dem Dortmunder Sahin der beste defensive Mittelfeldspieler der Hinrunde gewesen – eine Position, die er, der Logik dieser Saison im allgemeinen und der beim FC Bayern im besonderen folgend, in München nur noch im Notfall ausfüllen durfte. Mit seiner Verpflichtung hatten die Bayern ihr Kontingent an potentiellen defensiven Mittelfeldspielern wieder auf sechs Kandidaten aufgefüllt, nachdem Mark van Bommel vom Hof gejagt worden war. Der Bayern-Kapitän wechselte in der Winterpause zum AC Mailand, und in dieser Vorbereitungszeit sei die „ganze Scheiße“, wie es Präsident Uli Hoeneß bei der Entlassung von Louis van Gaal völlig entspannt ausdrückte, losgegangen, allerdings mit einer anderen Personalie: Dass Thomas Kraft für Jörg Butt ins Tor rückte, habe die ganze Unruhe in den Verein gebracht, polterte Hoeneß, was möglicherweise aber daran lag, dass die Torhüter-Rochade von redseligen Bayern-Offiziellen dauernd zum Thema gemacht wurde. Es ging auch geräuschloser: In Hannover und Kaiserslautern wechselten die Stammbesetzungen im Tor, und kaum einer merkte es.

          Auch andere Geschichten dieser Saison kündigten sich unauffällig an: Am Hamburger Millerntor etwa wurde der Lauterer Tiffert im Dezember während eines Interviews von Schneebällen getroffen – ein paar Monate später sorgte der Wurf eines Bierbechers für großes Aufsehen. Und der Dortmunder Trainer Klopp sagte nach der 0:2-Auftaktniederlage gegen Leverkusen: „So viele Fehler werden wir nicht mehr oft machen.“ Klopp hielt sein Versprechen. Das hätte man spätestens ahnen können, nachdem der FSV Mainz mit sieben Saisonsiegen gestartet war. Zuvor hatten das nur Bayern München (1995/96) und der 1. FC Kaiserslautern (2001/02) geschafft – und Meister war dann jeweils Borussia Dortmund geworden. Alles also schon mal da gewesen in der Bundesliga.

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