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Bundesliga-Fernsehgelder : Attacke in der „Neiddebatte“

  • -Aktualisiert am

Leverkusens Wolfgang Holzhäuser wehrt sich gegen die Vorschläge von Dortmunds Hans-Joachim Watzke Bild: dpa

Der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke plädiert für „weiche Faktoren“, wie Sympathiefaktor und Tradition, bei der Neuverteilung der Fernsehgelder. Nun greift ihn sein Leverkusener Kollege Wolfgang Holzhäuser an.

          So angriffslustig hat man Wolfgang Holzhäuser lange nicht erlebt. Der Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, früher ein oft grüblerischer kluger Kopf der Fußball-Bundesliga, wägte seine Worte bei einer Medienveranstaltung nicht über Gebühr feinsinnig. Der 60 Jahre alte Hesse bezog eindeutig Position, als er über die Ziele der von ihm geführten Fußball-GmbH von Bayer 04 sprach und schloss sich sogar der Abteilung Attacke an, als er über den Vorschlag seines Dortmunder Kollegen Hans-Joachim Watzke richtete, die sogenannten Traditionsvereine der Fußball-Bundesliga künftig mit höheren Fernseheinnahmen als bisher zu versorgen.

          Nicht mit uns, stellte Holzhäuser klar, der sich und seine Leverkusener von Watzke in die falsche Ecke gedrängt sieht, weil hinter dem Ligadritten der Bayer-Konzern steht so wie VW hinter dem Ligazwölften VfL Wolfsburg und der Milliardär Dietmar Hopp hinter dem Aufstieg des derzeitigen Ligafünften 1899 Hoffenheim. Den Vorwurf, die Bindung dieser drei Klubs an potente Unternehmen oder einen steinreichen Mäzen schade dem Wettbewerb innerhalb der Bundesliga, nannte Holzhäuser eine „Neiddebatte“, hinter der er eine „Kampagne“ wittert, „um mehr vom Fernsehkuchen zu erhalten“.

          Weiche Faktoren

          Watzke hatte vor kurzem ein neues Verteilungsmodell angeregt, nach dem fünfzig Prozent der künftigen Fernsehgelder oberhalb eines Sockelbetrages wie bisher nach dem jeweiligen sportlichen Erfolg auszuzahlen seien und die Ausschüttung der übrigen fünfzig Prozent an sogenannten „weichen Faktoren“ festzumachen sei. Etwa: „Wie viele Sympathisanten hat ein Klub, wie viele Fans fahren zu Auswärtsspielen?“ Der „Input“, den Vereine wie der FC Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, aber auch Borussia Mönchengladbach oder Eintracht Frankfurt der Liga gäben, müsse, so Watzke, „mehr belohnt werden, als die Klubs, die durch einen Konzern oder eine Privatperson groß gemacht werden“.

          Der Vorschlag von Watzke sei nur eine „Neiddebatte”, findet Holzhäuser

          Nach Lage der Dinge spricht im Augenblick aber mangels breitflächiger Unterstützung für Watzkes Anregung wenig bis nichts dafür, dass sich die Liga von ihrem bewährten Solidaritätsprinzip bei der Verteilung der Fernsehmillionen an die Erst- und Zweitligavereine verabschieden wird. Da sich auch der Branchenprimus aus München in Person seines Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge strikt gegen eine Reform im Sinne des BVB-Geschäftsführers ausgesprochen hat, dürfte der Plan des Dortmunder Querdenkers letztlich nur so eine Idee gewesen sein. Holzhäuser kündigte nur für den Fall des Falles schon einmal entschiedenen Widerstand an: „Bayer 04 und ich werden jedenfalls alles unternehmen, dass diese Denkmodelle zu Makulatur werden.“

          Der ewige Zweite mit langer Geschichte

          Der Leverkusener Chefstratege, jahrelang selbst ein Mann mit ständigem Reformerehrgeiz, rechnete den Dortmundern gern vor, dass sie schon nach dem jetzigen Fernsehgeldverteilerplan derzeit um 1,3 Millionen Euro vor Bayer und um 3,4 Millionen Euro vor Hoffenheim lägen. Er habe auch eine Berechnung nach Watzkes holländischer Variante angestellt – und auch danach werde sich an den Verhältnissen wie sie sind nichts Entscheidendes ändern. Holzhäuser fragte zudem, wo denn der Unterschied sei zwischen einem Klub, der von einem großen Unternehmen gestützt werde und einem Verein, der von öffentlicher Subventionierung zehre. Gerade Klubs wie Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim hätten viel zum „guten Ruf der Bundesliga“ beigetragen. „Schlagzeilen über Liquiditätsprobleme und Schuldenstände schaden der Liga sicherlich mehr.“

          Dass gerade Bayer 04 Leverkusen auch ein Verein mit einer großen Sporttradition ist, brauchte Holzhäuser nicht noch einmal besonders hervorzuheben. Seit dreißig Jahren bereichern die Rheinländer die Bundesliga. Nur zu einem deutschen Meistertitel hat es beim „ewigen Zweiten“, auch „Vizekusen“ genannt, bisher nie gereicht. In diesem Jahr setzt Holzhäuser nach Jahren im Schatten der Champions League mal wieder auf mehr. „Wir wollen“, sagt er, „mindestens auf Platz drei und in die Champions League kommen – oder auch ein, zwei Plätze weiter vorn landen.“ Schließlich habe der Klub „jetzt drei Jahre über die Maßen in die Mannschaft investiert, und damit sind auch entsprechend hohe, aber realistische Erwartungen verbunden.“ Sollten sie sich nicht erfüllen, wäre am Ende der Saison eine „Zäsur“ fällig und Bayer müsste sein Fußballwerk neu aufbauen wie schon so manches Mal in seiner langen Bundesliga-Geschichte.

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