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0:2 bei Hertha BSC : Die Bayern finden ihren Meister in Berlin

  • -Aktualisiert am

So hatte sich Bayern-Torwart Manuel Neuer das nicht vorgestellt. Bild: dpa

Nach dem Ausrutscher gegen Augsburg verlieren die Münchner bei Hertha BSC. An der Bundesliga-Spitze ist es nun richtig spannend. Ein Nationalspieler leitet die Niederlage mit seinem Fehler ein.

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          Lange Jahre, ja Jahrzehnte gehörte es bei Besuchen des FC Bayern in deutschen Fußball-Stadien stets zum guten Ton, von der eigenen Mannschaft zu verlangen, sie möge den Münchnern doch die Lederhosen ausziehen. Diese Aufforderung ist zuletzt etwas in Vergessenheit geraten. Das Lied ist ein Relikt vergangener Tage. Es stammt aus einer Zeit, in der der FC Bayern noch besiegbar war.

          Bundesliga

          An ganz besonderen Tagen konnte es gar vorkommen, dass sich der Rekordmeister gar chancenlos ergeben musste. Das ist schon lange nicht mehr der Fall, was Herthas Fans am Freitag aber nicht davon abhielt, vor dem Anpfiff den alten Gassenhauer zu intonieren. So als hätten sie ein Gespür dafür, dass sich an diesem Herbstabend im Berliner Olympiastadion etwas ganz und gar Außergewöhnliches zutragen könnte. Tatsächlich wurde es ein Ereignis mit Seltenheitswert geben. Hertha BSC besiegte den FC Bayern 2:0 – und fügte dem deutschen Serienchampion die erste Niederlage der Saison zu. „Wir müssen jetzt nicht anfangen, alles schlecht zu machen. Das passiert. Wir werden zusehen, dass wir in den nächsten Spielen wieder erfolgreich sind“, sagte Bayern-Trainer Niko Kovac im TV-Sender Eurosport.

          Kovac verkleinerte irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit seinen Bewegungsradius. Seine Hände hielt er hinter dem Rücken zusammen und folgte fast starr vor Schreck dem Treiben vor ihm. Kovac hatte einst seine Profikarriere bei Hertha BSC begonnen, zu einer Zeit, als die Berliner in der zweiten Liga spielten und der Lederhosen-Hit noch reüssierte. Später, als seine Laufbahn sich dem Ende entgegen neigte, war er noch mal zur Hertha zurückgekehrt und hatte dort mit Pal Dardai um einen Platz im defensiven Mittelfeld konkurriert. Das Duell der alten Weggefährten, die sich mit Respekt begegnen, aber weit von einer innigen Freundschaft entfernt sind, entschied Dardai erstmalig für sich. Dabei half ein anderer gebürtiger Berliner auf Münchner Seite heftig mit: Jerome Boateng war es, der Herthas Salomon Kalou im eigenen Strafraum ungestüm umtrat. Ein Foul, so nötig wie ein Kropf. Vedad Ibisevic verwandelte den fälligen Elfmeter sicher (23. Minute). Bis dahin hatten die Münchner die besseren Chancen durch Boateng (13.) und Lewandowski (17.) besessen.

          Der Gegentreffer lies sie aber die Contenance verlieren. Hertha hielt die Münchner geschickt vom eigenen Tor fern und setzte immer wieder zu Kontern an. Einen dieser Gegenstöße verwandelte Ondrej Duda nach Vorarbeit von Valerntino Lazaro kurz vor der Pause zum 2:0 (44.). Der Slowake erzielte bereits seinen fünften Saisontreffer. Mehr hat niemand derzeit in der Bundesliga vorzuweisen. „Wir haben heute verdient gewonnen“, sagte Trainer Dardai. „Wir haben in den wichtigen Momenten wichtige und schöne Tore geschossen.“ Auch Stürmer Ibisevic war glücklich: „Das war unglaublich. Wir haben Freude miteinander zu spielen.“

          Wiedersehen im Olympiastadion: Der gebürtige Berliner Niko Kovac (links) und Hertha-Trainer Pal Dardai. Bilderstrecke
          0:2 bei Hertha BSC : Die Bayern finden ihren Meister in Berlin

          Bayern antwortete nach dem Seitenwechsel zuerst einmal mit einem Wechsel: Thomas Müller ersetzte den wirkungslosen Arjen Robben. Herthas Trainer Dardai hatte dem Niederländer nicht den erfahrenen Marvin Plattenhardt entgegengestellt, sondern den jungen Maximilian Mittelstädt. Der 21-Jährige erledigte die Aufgabe erstaunlich souverän. Auf der anderen Seite hatte Valentino Lazaro gegen Franck Ribery deutlich mehr zu tun, aber auch der Österreicher war meistens Herr der Lage. Durch das Zentrum fanden die Bayern kaum vernünftige Lösungen, Herthas Arne Maier und Per Skjelbred, der den verletzten Marko Grujic vertrat, besaßen dort die Gestaltungshoheit gegenüber Renato Sanches, James Rodriguez und Thiago.

          Angreifer Lewandowski war so die meiste Zeit vom Geschehen abgeschnitten, was dem ehemaligen Münchner Thomas Kraft im Tor der Berliner einen relativ ruhigen Abend bescherte. Tatsächlich überraschte die Münchner Einfallslosigkeit. Die schwache Leistung war eine Fortführung dessen, was sich unter der Woche bereits beim 1:1 gegen Augsburg schon angedeutet hatte. Ein Punkt aus den Spielen gegen Augsburg und Hertha ist für Kovacs Mannschaft deutlich zu wenig – und ein erster Dämpfer für den Trainer in seiner Zeit als Cheftrainer des FC Bayern. „Heute hat in der ersten Halbzeit bei jedem eine Kleinigkeit gefehlt“, sagte Nationaltorwart Manuel Neuer. Hertha konnte durch den Sieg gar nach Punkten zu den Münchnern aufschließen. Am Ende fehlte ihnen nur ein Tor, um sich als neuer Tabellenführer an die Spitze des Klassements zu setzen. Den enthusiastischen Gesängen der Berliner Fans tat dieser kleine Schönheitsfehler aber keinen Abbruch.

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