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Bundesliga-Kommentar : Die Bayern als Beute

Auf dem Boden gelandet: Kingsley Coman und die Bayern in Gladbach. Bild: dpa

Die Bayern sind nicht unbesiegbar. Für die Bundesliga bedeutet das wohl wenig bis gar nichts. Für die internationalen Ambitionen aber sollte die erste nationale Niederlage eine eindringliche Warnung sein.

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          Gerade noch schienen die Bayern so stark, dass sie nicht nur mit ihren Gegnern spielten, sondern auch mit den ungeschriebenen Gesetzen des Fußballs. Never Change a Winning Team? Pah, nicht für Pep Guardiola und dessen Verwandlungskünstler. 99 Mal nacheinander hatte der Münchner Trainer eine andere Formation auf den Platz geschickt. Wo andere mühsam an einer Stammelf basteln, auf dass sich irgendwann Routinen und Sicherheit einstellen, herrscht bei Señor Pep das Prinzip der ständigen Veränderung.

          Es ist – selbst wenn Verletzungen ihren Teil dazu beitragen – gewissermaßen der nächste Level, eine höhere Stufe: Guardiola kann es sich leisten, weil er zum einen über den entsprechenden Kader verfügt, überreich an individueller Klasse, zum anderen, weil er seinen Spielern den nötigen taktischen Feinschliff verpasst hat. Laufend variieren ohne an Qualität zu verlieren, - das überfordert nicht nur viele Gegner, es spart obendrein noch Kräfte.

          Dass er am Samstag nach knapp zwei Jahren davon abrückte und so die runde Hundert verhinderte, ließ sich in dieser besonderen bayerischen Logik nicht als Zeichen von Stärke, sondern als ein seltenes von Schwäche deuten: wenn es nicht so war, dass Guardiola - wie es immer so schön heißt – derselben Aufstellung vertraute wie vergangene Woche beim 2:0 gegen Berlin, sondern eher so, dass er den wenigen Alternativen, die ihm noch geblieben waren, nicht genügend zutraute.

          Irgendwann stößt selbst der Kader der Bayern an seine Grenzen. Aber schon mit der Rückkehr von Franck Ribéry in der Schlussphase deutete sich an, was diese herbe Niederlage für den weiteren Verlauf der Saison bedeutet: vermutlich wenig bis gar nichts, zumindest nicht in der Bundesliga. Selbst wenn der Vorsprung auf Dortmund nurmehr fünf Punkte beträgt, macht der BVB - noch - nicht den gefestigten Eindruck eines ernsthaften Herausforderers; dafür wirken die Defensivstrukturen bislang zu instabil.

          Für ihre europäischen Ambitionen hingegen sollten die Bayern das 1:3 von Mönchengladbach als eindringliche Warnung begreifen. Weil es auf ganz ähnliche Weise eine Schwäche im System offenbarte wie die Niederlagen gegen Wolfsburg und, besonders schmerzhaft, Barcelona in der vergangenen Saison. Wer es schafft, mit Tempo und ausreichend Angriffspersonal in den Raum hinter der Abwehrkette einzudringen, kann auf fette Beute zumindest hoffen.

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          Genau das war es, was auch André Schubert bei der Analyse erkannt, am Reißbrett ausgearbeitet und seiner Mannschaft an der Taktiktafel nahegebracht hat – mit dem Ergebnis, dass er jetzt im persönlichen Schnitt seiner bislang zehn Bundesliga-Partien mehr Punkte aufweist als Guardiola. Keine Frage, die Borussia ist mit ihm auf einem guten, geradezu zauberhaft anmutenden Weg, der sie durchaus wieder in die Champions League führen kann.

          Von Schuberts Meisterstück zu sprechen, wie es nun schon hier und da zu hören war, ist aber vielleicht doch noch ein wenig verfrüht. Bei allem Mut und aller taktischen Finesse, die er und sein Team in dieses Spiel einbrachten, bedurfte es auch einer Portion Glück, um die erste Hälfte zu überstehen. Glück, das – so erzählt man – einst auch die Bayern zu Siegen und Meisterschaften benötigten. Heute liegt dieser Faktor allenfalls noch im Promillebereich.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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