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Spielvereinigung Greuther Fürth : Mit Spaß und Freude gegen die Bayern

  • -Aktualisiert am

Torjubel in Fürth – ein seltenes Erlebnis: Kapitän Branimir Hrgota bejubelt einen seiner beiden Elfmetertreffer. Insgesamt traf der Aufsteiger erst dreimal. Bild: Imago

Greuther Fürth konnte in der aktuellen Saison noch nicht einmal gewinnen. Der Aufsteiger empfängt nun den FC Bayern München und muss mit einer Niederlage rechnen. Trotzdem wird Optimismus verbreitet.

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          Natürlich hat Stefan Leitl gesehen, wie der FC Bayern zuletzt einen der größten Vereine der Welt beherrscht hat. Wie chancenlos selbst der FC Barcelona gegen die Münchner war. Der 44-Jährige ist ja nicht nur Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth, die er erst vor dem Abstieg in die dritte Liga bewahrt und dann innerhalb von zwei Jahren in die Erste Bundesliga geführt hat. Leitl ist auch Fußballfan, weshalb in der Fürther Trainer-WG, in der er mit Assistent Andre Mijatovic wohnt, unter der Woche auch die Champions League läuft.

          Bundesliga

          Das 3:0 der Bayern beim spanischen Spitzenklub FC Barcelona war eine neuerliche Machtdemonstration der Münchner, der sie in der Liga ein 7:0 gegen den VfL Bochum folgen ließen. Am Freitagabend kommt dieser FC Bayern also nach Fürth (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN). Der Aufsteiger ist mit nur einem Punkt und 3:13 Toren aus fünf Spielen denkbar schlecht in die neue Saison gestartet, in Schockstarre wollen die Fürther Verantwortlichen aber trotzdem nicht verfallen. Vielmehr wollen sie sich ihre Leichtigkeit bewahren, die sie auch in der zweiten Liga ausgezeichnet hatte.

          Die Rolle des Kleinen

          Abgestiegen war die Spielvereinigung im Grunde schließlich schon, bevor das erste Bundesligaspiel überhaupt angepfiffen worden war. Für alle Experten waren die Fürther der sichere Tabellenletzte, die Mannschaft, bei der es nur darum ginge, wie viele (oder wenige) Punkte sie in 34 Spielen holten. Für Stefan Leitl ist das keine neue Erfahrung, „wir waren in der zweiten Liga für viele auch ein Abstiegskandidat“, hat er vor einigen Wochen gesagt. Dieser vermeintliche Abstiegskandidat verließ die zweite Liga im Mai tatsächlich – allerdings nach oben, während sich einstige Erstliga-Urgesteine wie Schalke 04, Werder Bremen oder der Hamburger SV eine Etage tiefer treffen.

          Die Rolle des Kleinen, der von allen unterschätzt wird, nehmen die Fürther gerne an. Das Leben als Underdog kann ja auch Kräfte freisetzen, die einen tragen – womöglich sogar bis zum Klassenverbleib. Bislang konnte das „Kleeblatt“ aber noch nicht nachweisen, dass es tatsächlich mehr ist als der sichere Abstiegskandidat. In den ersten beiden Auswärtsspielen in Stuttgart und Mainz musste Leitls Mannschaft acht Gegentore hinnehmen, die überzeugendste Leistung gegen Arminia Bielefeld reichte aufgrund der schlechten Chancenverwertung auch nur zu einem 1:1.

          Neue Hoffnungsträger

          Dennoch sehen sie die jüngsten Auftritte als Schritte in die richtige Richtung. Das liegt auch an den Spielern, die am letzten Tag der Transferperiode kamen. Der Niederländer Nick Viergever hat mit Ajax Amsterdam und der PSV Eindhoven viel internationale Erfahrung gesammelt und die Rolle als Abwehrchef gegen Wolfsburg (0:2) und in Berlin (1:2) sofort angenommen.

          „Allein seine Präsenz hat den Spielern um ihn herum Sicherheit gegeben, weshalb wir deutlich kompakter waren“, sagt Leitl. Vor allem U-21-Nationalspieler Maximilian Bauer profitierte von seinem neuen Nebenmann und wirkte deutlich stabiler als in den Partien zuvor.

          Als ebenso hilfreich erwiesen sich Abräumer Sebastian Griesbeck, der von Union Berlin kam und mit seiner physischen Spielweise im defensiven Mittelfeld viele Bälle erobert. Zudem soll der ehemalige Frankfurter Jetro Willems den nach Hoffenheim gewechselten Nationalspieler David Raum ersetzen, der als Linksverteidiger im Aufstiegsjahr der beste Vorlagengeber der zweiten Liga war. Die Defensive steht also sicherer, dennoch haben die Fürther in saisonübergreifend zehn Spielen jedes Mal mindestens zwei Gegentore kassiert. Bis zum Hertha-Spiel in der vergangenen Woche hatten sie zudem achtmal in Folge das 0:1 kassiert.

          Lernen zu verlieren

          Auf der anderen Seite des Platzes läuft es allerdings ebenfalls noch nicht so recht. Im Zweitligajahr schossen die Fürther 69 Tore, derzeit sind es drei – davon zwei Elfmeter, die Kapitän Branimir Hrgota jeweils nutzte. Die offensive Spielweise mit dem „Fürther Flachpass“, einer Anlehnung an die erfolgreichen Zeiten in den 1920er-Jahren, konnte die Mannschaft ihren Gegnern bislang nicht aufzwingen, einzig gegen Bielefeld wirkten die Fürther ähnlich dominant.

          Deshalb setzte Leitl zuletzt mehr auf lange Bälle, die der ebenfalls spät verpflichtete Angreifer Cedric Itten weiterverarbeiten sollte. Eine Abkehr vom erfolgreichen System? Leitl widerspricht vehement – und bleibt positiv, natürlich, es bleibt ihm ja nichts anderes übrig. „Wir haben in den vergangenen Jahren nur wenige Spiele verloren“, sagt er, „vielleicht müssen wir das auch erst wieder lernen.“

          Alles außer einer weiteren Niederlage gegen den ausgeruhten und spielfreudigen FC Bayern wäre eine Sensation, eine noch größere, als es der Aufstieg in die Erste Bundesliga schon war. Und die nur von einem Klassenverbleib im Mai 2022 übertroffen werden würde.

          „Der FC Bayern hat in den vergangenen Jahren sehr gut gearbeitet und steht deshalb zu Recht an der Spitze in Deutschland“, so Leitl. „Wir waren aber auch sehr erfolgreich. Wir haben den Aufstieg nicht geschenkt bekommen und sind jetzt einer von 18 Vereinen in der Bundesliga.“ Das Spiel des Jahres wollen die Fürther „mutig, frech, physisch präsent und mit viel Spaß und Freude“ und wohl auch ohne große Scheu angehen – gegen die Bayern verloren hat ja selbst der große FC Barcelona.

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