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1:3 gegen Augsburg : Mainz droht ein strenger Winter

Mainz-Torwart Zentner greift daneben, Augsburg profitiert und gewinnt. Bild: BABANI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe und mehr Flanken: Dennoch verliert Mainz 1:3 gegen Augsburg. Die Unruhe im Verein ist groß - ein kurioses Werbefilmchen des umstrittenen Vorsitzenden Kaluza rundet das Bild ab.

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          Sandro Schwarz blickte ein wenig ungläubig auf den Statistikzettel. Die Daten wiesen für Mainz 05 mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe und mehr Flanken aus. „Da gewinnt man in allen Werten, aber trotzdem setzt es eine verdiente Niederlage“, sagte der Trainer von Mainz 05 nach der 1:3-Heimniederlage gegen den FC Augsburg nach Gegentoren von Michael Gregoritsch (22. Minute) sowie Alfred Finbogasson (43./86.) und dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch Gerrit Holtmanns erstes Bundesligator für Mainz 05 (85.). „Vergesst mir also die Daten. Jede entscheidende Aktion lief gegen uns, wir hatten zu wenig Konsequenz“, sagte der 39 Jahre alte Schwarz.

          Bundesliga
          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zudem hatte Augsburg mehr individuelle Qualität auf dem Platz, die das Duell zweier Klubs, die von Hause aus bezüglich finanzieller uns sportlicher Möglichkeiten auf Augenhöhe agieren, entschieden: Linksverteidiger Philipp Max sowie die beiden Torschützen Gregoritsch und Finnbogasson veredelten die starke Leistung eines im Kollektiv fast durchgängig aufmerksam und fleißig agierenden Augsburger Teams, das sich in der Tabelle bei nun bereits 22 Punkten den Europapokalplätzen nähert. Max bereitete das Führungstor von Gregoritsch mustergültig vor und zwang den Mainzer Schlussmann Robin Zentner mit einer weiteren Flanke zu einem Fangfehler, der im folgenden Zweikampf mit Gregoritsch zu einem Strafstoß führte.

          Finnbogasson wiederum bewies seine Kaltschnäuzigkeit beim Strafstoß wie auch dem entscheidenden Treffer zum 3:1, als er einen missglückten Distanzschuss von Caiuby ins Tor lenkte und somit das Mainzer Aufbäumen nach dem Anschlusstreffer durch Holtmanns Rechtsschuss im Keim erstickte. „Wir waren extrem effektiv“, sagte Augsburgs Trainer Manuel Baum höchst bescheiden. Tatsächlich hatte Baum sein Team perfekt eingestellt auf die Mainzer Schwächen im Spielaufbau. Immer wieder zwangen seine Akteure den Gegner durch sehr geordnetes Offensivpressing zu Fehlern.

          Und so muss sich Mainz 05 als Tabellendreizehnter nun womöglich auf einen unbequemen Winter auch in sportlicher Hinsicht einstellen, nachdem der von den Mitgliedern gewählte Vorstandsvorsitzende Johannes Kaluza in den vergangenen Tagen mit mehreren Äußerungen in verschiedenen Medien noch mehr Chaos in die Krise der Vereinsführung gebracht hatte. Kaluza, der vor seiner Wahl weder im Vereinsleben integriert war, noch ein Kenner des Fußballgeschäfts und mithin völlig unerfahren ist, erweckt bei vielen immer stärker den Eindruck, ein höchst merkwürdiges Verständnis von Vereinsführung zu pflegen. In dieses Bild passte, dass am Spieltag ein Video im Umfeld des Klubs kursierte, das Kaluza in einem Youtube-Werbespot für den Essig-Essenzhersteller zeigt, den  er bis zum Sommer als Geschäftsführer geleitet und als Anteilseigner besessen hat. In dem Filmchen weist Kaluza auf die Vorteile der Wäsche eines Trikots  von Mainz 05 unter Einsatz der Essig-Essenz hin. Das Trikot ist laut Youtube-Angabe vor drei Monaten eingestellt worden und somit nach seiner Wahl. Das Trikot trägt indes einen alten Werbepartner auf der Brust, was auf ein früheres Produktionsdatum schließen lässt. So oder so wirkt der Auftritt kurios. Auch diese Schmonzette wird sicher Gegenstand sein, wenn sich die Mitglieder im Januar auf einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung mit der Rolle Kaluzas und den Mängeln der Satzung beschäftigen werden.

          Augsburg gewinnt gegen Mainz.
          Augsburg gewinnt gegen Mainz. : Bild: BABANI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

          Immerhin bewies Sportvorstand Rouven Schröder unter der Woche, dass wenigstens er seinen Bereich mit gewohnter Zielstrebigkeit führt. Die Vertragsverlängerung mit Jean-Philippe Gbamin war ein wichtiger Schachzug, um den in dieser Saison bislang besten Mainzer so an den Klub zu binden, dass er bei weiter steigender Nachfrage nur bei entsprechendem Ertrag weiterverkauft werden wird. „Wir sind ein Bundesligaverein und sind trotz allem handlungsfähig“, sagte Schröder. Aus seinem Missfallen bezüglich der Streitigkeiten zwischen Kaluza, der den Weg zu Neuwahlen freimachen, aber einem baldigen Zeitpunkt bislang noch nicht wirklich zustimmen will, und dem Aufsichtsrat macht Schröder derweil keinen Hehl.

          „Wir dürfen nicht weiter Ping-Pong spielen mit Aussagen von allen Seiten. Ich muss deshalb keine Interviews beantworten und gewisse Dinge kommentieren“, sagte er: „Wir müssen den vollen Fokus aufs Sportliche richten, es gibt sportlich genug aufzuarbeiten mit Blick auf die drei ausstehenden schweren Spiele gegen Leipzig, Dortmund und Bremen sowie das Pokalspiel gegen Stuttgart.“ Schröder baut nach eigenen Worten darauf, dass bald ein Finanzvorstand gekürt wird, damit er im Vorstand einen Profi an seiner Seite weiß, mit dem er gemeinsam Ruhe in den Klub bringen kann. Denn gewisse Daten darf man im Fußball eben nicht vergessen: In der Bundesligatabelle sind es nur noch drei Ränge und drei Zähler zu Platz 16.

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