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3:0 in Freiburg : Erlösung für BVB beim Lieblingsgegner

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So hat man die Dortmunder lange nicht gesehen: Kagawa (links) und Aubameyang jubeln über den Sieg in Freiburg Bild: Reuters

Sie können es doch noch: fighten, kicken – und siegen. Dortmund verlässt durch einen 3:0-Sieg in Freiburg den letzten Platz der Fußball-Bundesliga. Ein fataler Rückpass bringt den BVB auf die Siegerstraße.

          Sie können es doch noch: fighten, kicken und siegen. Borussia Dortmund verließ am Samstagnachmittag mit einem deutlichen 3:0-Erfolg beim SC Freiburg – es war erst der zweite Auswärtssieg dieser Saison – den letzten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. Durch die Treffer von Reus (9. Minute) und Aubameyang (57./72.) hangelte sich der deutsche Meister von 2011 und 2012 voran auf Relegationsrang 16. Freiburg dagegen ist auf Abstiegsplatz 17 angekommen.

          Und spielte auch wie ein Absteiger gegen die krisengeschüttelte Borussia, die bei ihrem Lieblingsgegner den ersten Rückrundensieg holte und erste Anzeichen der Gesundung nach schweren Wochen offenbarte. Unaufgeregt und zufrieden wie zuletzt selten registrierte Trainer Jürgen Klopp den wichtigen Fortschritt seiner zuletzt so maladen Mannschaft, die im Schwarzwaldstadion den Abstiegskampf annahm und darüber das Fußballspielen nicht vergaß. „Ich habe der Mannschaft schon vor dem Spiel gesagt, dass sie sich richtig freuen soll, wenn wir gewinnen und nicht nur erleichtert sein soll“, sagte Trainer Jürgen Klopp. Sein Kollege Christian Streich indes musste eingestehen, dass seine Mannschaft „heute einfach ein furchtbares Spiel gemacht hat. Wir waren chancenlos.“

          Wenn nicht hier, wo dann? Das fragten sich jene BVB-Fans, die immer noch auf statistisch begründete positive Fingerzeige setzen. Keine der vergangenen neun Begegnungen hatte die Borussia gegen den Sportclub verloren. Ein gutes Zeichen? Die zahlreicher gewordene Schar der Pessimisten dachte auf dem Weg ins Schwarzwaldstadion aber eher an den allen guten Vorsätzen zum Trotz verunglückten Start in die Bundesliga-Rückrunde. 0:1 gegen zehn Augsburger, und dabei miserabel gespielt: Das war der jüngste Ballast, den die Westfalen aus ihrer elften Saisonniederlage mit in den Breisgau schleppten. „Die Situation ist extrem gefährlich“, lautete die Lageskizze des Dortmunder Mittelfeldspielers Nuri Sahin vor dem Anpfiff am Samstagnachmittag.

          Eine Serie von Enttäuschungen hat inzwischen auch den lange als unangreifbar geltenden Meistertrainer von gestern in Bedrängnis gebracht. Mochte auch Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Dortmunder Geschäftsführung, Klopp noch einmal ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen haben, so weiß doch jeder Fußballfan, wie schnell auch die festesten Glaubensbekenntnisse Makulatur werden können, wenn die erhofften Resultate im Ergebnissport Fußball immer wieder ausbleiben.

          Erlösung: Marco Reus jubelt nach dem ersten Rückrunden-Treffer für den BVB. Bilderstrecke

          Der Coach selbst, früher ein Sunnyboy, inzwischen ein oft genug fassungslos wirkender Grübler ob der fehlenden therapeutischen Erfolge seiner Stabilisierungsmaßnahmen, gab sich auch nach dem 0:1 gegen Augsburg unverdrossen zuversichtlich. „Ich bin vom Erfolg unserer Mission nach wie vor überzeugt“, sagte er nach dem soundsovielten Rückschlag bei seinen Bemühungen. Von Resignation oder gar Rücktritt wollte der Trainer schon gar nichts wissen. „Wie wäre ich drauf, wenn mich ein Spiel komplett aus der Bahn werfen würde“, entgegnete er den Zweiflern an seiner dringend gebrauchten Heilkunst.

          Immerhin empfingen die zuletzt auf ihr Team pfeifenden Anhänger der Schwarz-Gelben den Tabellenletzten in Freiburg unüberhörbar freundlich. Ein Vertrauensvorschuss ohne Ansehen der bisherigen Saisonbilanz, den Klopps Spieler nun endlich zurückzahlen mussten, sollte die labile Stimmung nicht vollends in Aggressivität und tiefen Pessimismus umschlagen. Und tatsächlich: Die Klopp-Jünger, die in Treue fest zu ihrem Coach stehen, lieferten.

          Von vornherein dominierte vor den 24.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion nur der BVB: grätschend, kämpfend, spielend und treffend. Eine erste Chance verdaddelte Reus schon nach sechzig Sekunden; bei der zweiten Gelegenheit scheiterten Kagawa und der starke Gündogan mit ihren Schüssen an Torhüter Bürki (5.); dann aber waren aller guten Dinge drei. Einen fatalen Rückpass des Freiburgers Frantz erlief Aubameyang, der Sprinter unter den Borussen-Stürmern, und passte den Ball sodann zum mitgerannten Reus, der keine Mühe hatte, das Spielgerät ins leere Tor zu schieben (9.).

          Erleichterung allenthalben im Dortmunder Lager. Die frühe Führung beflügelte den BVB zu weiteren Attacken, bei denen allerdings eines der großen Saisonleiden wieder sichtbar wurde: die eklatante Abschlussschwäche. Bei Halbzeit hätten die Westfalen längst deutlicher als 1:0 gegen die verunsicherten Freiburger vorn liegen müssen. Zum Glück für die Borussen verteidigte die Mannschaft ihr schmales Guthaben sehr sicher – mit jener Viererabwehr aus Piszczek, Subotic, Hummels und Schmelzer, die erstmals wieder seit dem Champions-League-Finale 2013 auf dem Platz stand.

          Die zur Halbzeit noch verhalten optimistische Stimmung unter den 4000 Borussen-Fans nahm in der 57. Minute geradezu begeisterte Züge an, als Aubameyang einen der vielen Dortmunder Konter cool zum 2:0 für die nach wie vor deutlich bessere Mannschaft vollendete. Wie schon beim 1:0 hatte sich der Sportclub einen folgenschweren Ballverlust in der eigenen Hälfte geleistet, der über Gündogans Steilpass und Aubameyangs plazierten Schuss zum Erfolg führte.

          Weil er gerade so gut dabei war, lieferte der Gabuner nach 72 Minuten noch eine Zugabe, als er eine sehenswerte Kombination zwischen Blaszykowski, Reus und ihm zum Endstand von 3:0 veredelte. Die Freiburger waren an diesem sonnigen und kalten Februarsamstag – wie gewünscht – der ideale Aufbaugegner für den BVB, um zumindest wieder mit frischer Zuversicht die kommenden schweren Aufgaben in Angriff zu nehmen.

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