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Bundesliga-Endspurt : Schalke, Stuttgart oder Bremen?

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Wohin geht die Meisterschale? Die Wahrheit ist auf dem Platz Bild: ddp

Der aktuelle Kampf um die deutsche Fußball-Meisterschaft könnte einer der spannendsten der Bundesliga-Geschichte werden. Schalke 04, VfB Stuttgart oder Werder Bremen? Sicher scheint nur, dass nichts sicher ist. Psychologen und Experten sind gefragt.

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          Der aktuelle Kampf um die deutsche Fußball-Meisterschaft könnte einer der spannendsten der Bundesliga-Geschichte werden. Schalke 04, VfB Stuttgart oder Werder Bremen - sicher scheint nur, dass nichts sicher ist. „Aus psychologischer Sicht kann man keinen seriösen Meistertipp ableiten. Das wäre wie würfeln“, meint Bernd Strauß, Professor für Sportpsychologie an der Universität Münster.

          Um die Köpfe der Profis in der heißen Phase des Meisterschaftsrennens auf Sieg zu programmieren, rät sein Kölner Kollege Oliver Kirchhof zu ungewöhnlichen Maßnahmen. „Man kann auch mit Hypnose arbeiten und in diesem Trance-Zustand das Unterbewusstsein ansprechen.“ Doch daran, dass in Schalke, Stuttgart oder Bremen zu solchen Mitteln gegriffen wird, glaubt er nicht. „Viele lehnen das als Hokuspokus ab.“

          Druck gepaart mit Selbstvertrauen ist förderlich

          Bei einer Expertenumfrage des kicker-Sportmagazins unter drei ehemaligen Meistertrainern nannten Ottmar Hitzfeld und Udo Lattek den VfB Stuttgart als Favoriten. Nur Karlheinz Feldkamp sah Schalke 04 am Ende knapp vorne. Auch die Nutzer von FAZ.NET votieren mehrheitlich für die Schwaben. Für Werder Bremen scheint der Zug abgefahren.

          Meister wird: Werder Bremen

          „Werder Bremen ist noch lange nicht weg vom Fenster“, glaubt dagegen Strauß, obwohl die Hanseaten nach dem 2:3 bei Arminia Bielefeld mit 60 Punkten auf Platz drei hinter Schalke (62) und Stuttgart (61) zurückgefallen sind und der Ärger um einen möglichen Wechsel von Miroslav Klose lange für schlechte Laune sorgte. Bremens Nationalspieler Patrick Owomoyela macht sich mit Durchhalteparolen Mut: „Wir glauben weiter fest daran. Wir müssen alle drei Spiele gewinnen und auf Ausrutscher hoffen.“

          Druck ist schädlich bei Selbstzweifeln

          Die Bremer hätten in einer ähnlich prekären Situation im Februar (drei Niederlagen in Folge) bewiesen, dass sie hervorragend mit Druck umgehen könnten, erinnert Strauß. Ein besonnener Trainer wie Thomas Schaaf sei in so einer Lage „äußerst hilfreich“. Druck spielt für den Professor ohnehin eine zentrale Rolle. „Grundsätzlich kann man sagen, dass die Mannschaft, die in den noch verbleibenden drei Spielen am besten mentale Stärke aufbauen kann, auch die größten Titelchancen besitzt. Druck ist nur dann schädlich, wenn er gemeinsam mit massiven Selbstzweifeln auftritt. Druck gepaart mit Selbstvertrauen kann dagegen sehr förderlich sein“, erklärt Strauß.

          Dass die Meisterschaft im Kopf entschieden wird, ist unstrittig. „Jetzt gewinnt der, der mental stärker ist“, sagt Werner Mickler, Ausbildungsleiter beim deutschen Fußball-Lehrerlehrgang. In puncto Kraft und Kondition sowie Taktik und Technik seien die Grundlagen ohnehin längst gelegt. Den „letzten Kick“ müssten die Trainer der Titelkandidaten deshalb auf mentaler Ebene herausholen, erklärt Mickler. „Der psychologischen Komponente kommt in dieser heißen Phase die entscheidende Bedeutung bei.“

          Positive Folgen von Siegesserien überschätzt

          Dass deswegen der VfB Stuttgart, dessen Spieler nach fünf Siegen in Folge wohl momentan das größte Selbstvertrauen an den Tag legen, automatisch die besten Karten hat, ist nach Meinung von Strauß aber nicht zwangsläufig der Fall: „Die positiven Folgen von Siegesserien werden oft überschätzt.“ Als Beispiel nennt er den FSV Mainz 05, der sich nach einer katastrophalen Hinrunde und einer furiosen Aufholjagd schon auf ein weiteres Jahr erste Liga freute und nun nach sechs Spielen ohne Sieg doch vor dem Abstieg steht.

          Entsprechend könnte eine unerwartete Heimniederlage der Stuttgarter gegen eben diese Mainzer am Samstag umso fatalere Spätfolgen haben. „Muss aber nicht“, betont Strauß. Stuttgarts Roberto Hilbert gibt sich deshalb betont vorsichtig: „Erst mal müssen wir gegen Mainz gewinnen, dann schauen wir mal.“

          Erwartungshaltung bei Schalke am größten

          Die gängigen Rezepte lauten: positiv denken, Risiko gehen, nicht auf Fehler der anderen lauern. „Wenn ich daran denke: Jetzt bloß keinen Fehler machen, sind Fehler schon programmiert“, erläutert Mickler. Agieren sei wichtiger als reagieren. Sein Tipp: Weiter auf Risiko gehen und kreativ sein, statt nur passiv auf Fehler zu lauern. Gerade jetzt ist es nach Meinung der Experten wichtig, Erfolgserlebnisse zu liefern: Im Training Situation schaffen, die mit Bravour gemeistert werden. Und als zusätzliches Psycho-Doping am besten Spielaufnahmen der zurückliegenden Erfolge vorführen.

          Gelingt dies Tabellenführer Schalke 04? „Im Kampf dreier gleichstarker Mannschaften hat diejenige die besten Chancen, die mit den meisten Punkten in den Schlussspurt geht. Und das ist Schalke“, sagt Strauß. Schalkes Nationalspieler Gerald Asamoah sieht das ähnlich: „Wenn wir unsere drei Spiele gewinnen, kann kein anderer Meister werden. Natürlich hält der Professor auch hier eine Einschränkung parat: „Sie haben es schwerer, weil sie vorneweg gehen. Allein deshalb ist die Erwartungshaltung im Umfeld wohl am größten.“

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