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Bundesliga-Endspurt : Schalke gibt schon auf? Von wegen!

  • -Aktualisiert am

Mal mutig, zielstrebig, unwiderstehlich, dann wieder zaghaft, kapriziös, zeternd: Lincoln Bild: REUTERS

Zuerst wurden die Schalker für ihren Realismus im Meisterschaftsendspurt gescholten. Nun versuchen sie sich mit Durchhalteparolen und als Fußball-Philosophen. Eine Hauptrolle spielt Lincoln - als kickende Symbolfigur für das Befinden seines Vereins.

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          Mirko Slomka, der Trainer des FC Schalke 04, hat rasch ermessen, wie weit sich seine Mannschaft von ihrem großen Traum entfernt hat. Gerade noch auf den Gewinn der deutschen Fußballmeisterschaft fixiert, ist der Revierklub vor der Bundesliga-Schlussrunde vom Titelfavoriten zu einem Außenseiter geschrumpft, dessen Rest an Hoffnung sich auf das Versagen des neuen Tabellenführers Stuttgart gründet.

          Zunächst hatte Slomka die neue Lage kommentiert, wie es sich für einen vernünftigen Menschen gehört, aber nicht unbedingt für einen gläubigen Schalker. Seine Mannschaft habe „so oft das Glück gehabt“, nicht schon früher von der Spitze verdrängt worden zu sein, sagte er. „Wenn wir schon wieder auf ein Wunder hoffen, machen wir uns lächerlich.“

          Slomka: „Jeder weiß, dass ich ein Kämpfer bin“

          Als dieser Satz, verbunden mit der Interpretation „Schalke gibt auf“, in der Zeitung stand, sah Slomka sich gezwungen, „mit einem Statement aufzuwarten“. Zugegeben, seine Aussage lasse sich wie ein Anzeichen von Resignation interpretieren, sagte er. „Aber ich schenke den Titel natürlich nicht weg. Jeder weiß, dass ich ein Kämpfer bin.“ Gegen Arminia Bielefeld werde seine Mannschaft „alles geben“.

          Schalke hat nichts zu verschenken, aber immer noch mehr zu verlieren als den Meistertitel. Falls Werder Bremen in Wolfsburg gewänne, würde der Revierklub schon bei einem Unentschieden gegen Bielefeld auf den dritten Platz zurückfallen und die Qualifikation für die Champions League aufs Spiel setzen. Diesen Störfall mit einem Heimsieg gegen Bielefeld zu verhindern sei ein realistisches Ziel, sagt Manager Andreas Müller. „Alles andere kommt oder kommt nicht.“

          „Lincoln braucht man immer - in Topverfassung“

          Einerseits ist Schalke befreit von der Chance, aus eigener Kraft Meister zu werden, andererseits könnte es sich abermals blamieren - oder unverhofft doch noch den Titel holen, wenn Stuttgart gegen Cottbus wider Erwarten patzt. Also ist es kurz vor Ultimo viel zu früh für Schalke, in Selbstmitleid zu versinken. Drei Tage nach dem Desaster von Dortmund will Slomka schon wieder „Kämpfernaturen auf dem Platz“ gesehen haben. Ob sie bereit sind, im letzten Gefecht auch für Lincoln mitzukämpfen; für diese eigensinnige Künstlernatur, die im Guten wie im Schlechten das Unberechenbare verkörpert?

          Der Mittelfeldstratege zeigte sich zuletzt außerstande, den Läufern und Kämpfern in Königsblau mit seinen Ideen auf die Sprünge zu helfen. Dennoch wird Slomka vermutlich auch gegen Bielefeld auf den Brasilianer bauen. „Lincoln braucht man immer“, sagt der Trainer und fügt, gerade noch hörbar, hinzu: „wenn er in einer Topverfassung ist.“ Diesen Eindruck macht die Diva schon länger nicht mehr. Aber noch immer nährt er, gerade beim Trainer, die Hoffnung, „dass auf dem Platz etwas Geniales passiert“.

          Es würde zur Dramaturgie der Saison passen

          Lincoln wirkt wie eine kickende Symbolfigur, in der sich das Befinden seines Vereins spiegelt: mal mutig, zielstrebig, unwiderstehlich, dann wieder zaghaft, kapriziös, zeternd. Lincoln schwankt zwischen Hochgefühl und Niedergeschlagenheit, geradezu stellvertretend für ganz Schalke, das nach der Schmach von Dortmund mehr zu leiden schien als in weitaus schlechteren Zeiten. Präsident Rehberg, einst Bergmann und Bürgermeister, hat sich sogar dazu verstiegen, Hass und Häme beim verlorenen Derby mit den Zuständen im Nahen Osten zu vergleichen.

          Ob das Zelebrieren der Opferrolle im letzten Akt noch einmal umschlägt in Freude am Fußball? Einen Versuch wäre es wert. Gerade zur Dramaturgie dieser kuriosen Saison würde ein nochmaliger Wechsel an der Spitze passen. „Wir müssen das Mögliche erreichen, um vielleicht auch das Unmögliche noch zu schaffen. Oder das, was ganz Deutschland derzeit unmöglich erscheint“, fordert Manager Müller. Was der Dichter damit sagen will? Vielleicht hat Müller das Gleiche gemeint wie einst Hermann Hesse: „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“

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