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Kölns Doppeltorschütze Skhiri : Stoisch gegen den Fluch

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Immer mit der Ruhe? Ellyes Skhiri behält vor dem Tor die Nerven – und ist nun der erfolgreichste Schütze seines Teams. Bild: SvenSimon / POOL

Zum ersten Mal zwei Tore – und dann auch noch gegen den BVB. Dank Ellyes Skhiri endet die schwarze Kölner Serie. Was macht den Bundesliga-Angreifer so stark? Und warum konnte ihn Dortmund nicht aufhalten?

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          Es gibt Kritiker, die werfen Ellyes Skhiri vor, manchmal etwas zu still zu sein auf seiner zentralen Position im defensiven Mittelfeld des 1. FC Köln, dort wo sonst die großen Rhythmusgeber und Stabilisatoren unterwegs sind. Nach dem bitteren 1:2 gegen Union Berlin vor acht Tagen hatte Trainer Markus Gisdol seiner ganzen Mannschaft vorgehalten, „zu still“ zu sein, zu wenig zu kommunizieren, und zugleich seine Sehnsucht nach dem derzeit verletzten Strategen Jonas Hector zum Ausdruck gebracht. Aufmerksame Beobachter hatten in diesen Worten auch einen leisen Tadel für Skhiri erkennen können.

          Bundesliga

          Am Samstag nun beim erstaunlichen 2:1-Sieg der Kölner bei Borussia Dortmund muss Gisdol aber sehr froh über die stoische Bedachtsamkeit Skhiris gewesen sein. Vor dem 0:2 in der 60. Minute flog dem in Frankreich aufgewachsenen Tunesier im Strafraum eine von Marius Wolf verlängerte Ecke vor die Füße, die meisten Profis hätten im Getümmel des Fünfmeterraumes und unter der Last des drohenden Abstiegs vermutlich einen hektischen Torabschluss mit welchem Körperteil auch immer versucht. Skhiri jedoch nahm den Ball lässig an wie in einer Aufwärmübung und schob ihn überlegt ins Netz.

          Schon das 0:1 hatte er nach einem ganz ähnlichen Muster erzielt: Auch in der neunten Minute hatte Ondrej Duda eine Ecke von der linken Seite in den Strafraum geschlagen, Wolf verlängerte, Skhiri vollendete am langen Pfosten. „Es war das erste Mal für mich, dass ich zwei Tore in einem Spiel erzielt habe“, sagte Skhiri, „das Wichtigste war heute aber der Zusammenhalt, den das Team gezeigt hat.“ Die Schlussphase dieses Spiels, das Gisdol später zu einer „Schlacht“ verklärte, überstanden sie mit Hingabe und einer ordentlichen Portion Glück. „Wir leben noch“, sagte Skhiri, nachdem er den ersten Kölner Sieg in Dortmund seit 1991 bejubelt hatte. Noch wichtiger als das Zahlenwerk zu den direkten Duellen mit dem BVB ist jedoch das Ende der Kölner Serie von 18 nicht gewonnenen Bundesligaspielen, die nun Geschichte ist.

          Voller Pathos berichtete Gisdol von der „aufopferungsvollen Arbeit“, die in seinem Klub verrichtet werde. Er sei Teil eines „verschworenen Haufens“, endlich sei klar, „dass wir trotz dieses Drecksvirus nicht verflucht sind, sondern Spiele gewinnen können“, sprudelte es aus dem schwäbischen Trainer heraus. Eine personalisierte Hymne auf Skhiri mochte er aber nicht anstimmen, die beiden haben eine etwas spezielle Beziehung zueinander.

          Schon in seinen ersten Wochen beim FC in der vergangenen Saison setzte er Skhiri mehrmals auf die Bank, besser funktionierte die Mannschaft dadurch aber nicht. Als Skhiri wieder fester Bestandteil des Teams wurde, sammelten die Rheinländer die entscheidenden Punkte zum Klassenverbleib. In Bremen am siebten Spieltag der laufenden Spielzeit setzte Gisdol ihn abermals auf die Bank, und im ersten Spiel nach der Pause betraute er den Mittelfeldspieler mit der Aufgabe, Union Berlins Max Kruse 90 Minuten wie ein Manndecker aus dem vorigen Jahrtausend zu verfolgen. Das klappte bestens, Skhiri erzielte auch noch das Kölner Tor, er ist nun der Schütze der drei jüngsten FC-Treffer. Und in Dortmund gelang es dem 25 Jahre alten Mittelfeldspieler gemeinsam mit Salih Özcan und Elvis Rexhbecaj, die wichtigen Räume vor der Fünferkette zu schließen, wo die Dortmunder Stars Marco Reus, Julian Brandt und Jadon Sancho blass blieben.

          „Ellyes kann funktionieren, wenn wir als Team funktionieren“, sagte Gisdol, was irgendwie auch hieß: Skhiri braucht Orientierung und Unterstützung. Wobei er womöglich ein paar grundlegende Fortschritte macht. Der tunesische Nationalspieler, der im Sommer 2019 für sechs Millionen Euro vom SC Montpellier nach Köln kam, gehört fast immer zu den Spielern, die die größten Laufstrecken zurücklegen. „Er ist ein unheimlicher Arbeiter auf dem Platz“, sagte sein Kollege Özcan, regelmäßig wurde Skhiri jedoch vorgeworfen, seine Zweikämpfe nicht mit der nötigen Robustheit zu bestreiten, zu selten das Mittel des taktischen Fouls anzuwenden. „Ich habe mit ihm unter vier Augen gesprochen, wir haben Videoszenen zusammen geschaut“, berichtete Gisdol nun über seine Arbeit mit Skhiri in den vergangenen Wochen, die offensichtlich Früchte trägt. Denn Skhiri ist nicht nur ein besserer Mittelfeldspieler geworden, sondern nebenbei auch noch der erfolgreichste Torjäger dieser Kölner Mannschaft.

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