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0:5 in München : Eintracht von der Bayern-Walze überrollt

Knickauge zählt mit: Lewandowski schießt drei Tore gegen Frankfurt und erhöht seine Saisonbilanz auf zehn. Bild: dpa

Die Eintracht ist in München überfordert, vor allem Lewandowski können sie nicht stoppen. Die Bayern gewinnen 5:0, verlieren aber Davies mit einer schweren Verletzung.

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          Die erste Diagnose stellte Thomas Müller. „Sprunggelenk“, brüllte er und beugte sich dann wieder über Alphonso Davies, der im Mittelkreis lag, sich krümmte, mit der Hand auf den Rasen klopfte, an der Stelle, an der er ein paar Sekunden davor umgeknickt war. Davies wollte dort, im Mittelkreis, schnell die Laufrichtung wechseln, um einen Pass abzufangen und einen Konterangriff von Eintracht Frankfurt zu verhindern, fiel aber hin.

          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Dann schrie er. Es war nicht so ein Schrei, wie es ihn in einem Fußballspiel zu oft gibt, sondern einer, bei dem man sofort heraushört, dass etwas nicht stimmt. Das sah man spätestens, als Davies in den Armen von zwei Betreuern zur Seitenauslinie humpelte, sein rechten Fuß aber nicht aufsetzen konnte. Auf dem Weg klopfte einer der Betreuer ihm auf die Brust. Ein paar Schritte später waren sie verschwunden.

          Bundesliga

          Am Samstagnachmittag hat der FC Bayern München in der dritten Spielminute auf besonders unschöne Art einen wichtigen Spieler verloren. Nach dem Spiel übermittelte Flick die bittere Diagnose: Ein Band gerissen, eines angerissen, „wir rechnen mit sechs bis acht Wochen Pause“. „Ich werde stärker zurückkommen. Es ist nur ein kleiner Rückschlag“, schrieb Davies bei Twitter und bedankte sich für viele aufmunternde Botschaften.

          All das hielt seine Kollegen nicht auf, vor allem einen nicht. In der zehnten Minute schoss Robert Lewandowski das 1:0, in der 16. Minute köpfte er das 2:0 und in der 61. Minute machte er auch noch das 3:0. Das vierte und das fünfte Tor musste Lewandowski dann Leroy Sané (73.) und Jamal Musiala (90.) überlassen – ganz einfach, weil er da schon ausgewechselt worden war. 5:0 (2:0), die Eintracht war chancenlos.

          Es hat sich viel verändert, seit Hansi Flick vor fast einem Jahr im Stadion in Frankfurt zusehen musste, wie die Mannschaft aus München, die schon damals auch seine Mannschaft war, auseinanderfiel. Und weil sich die Bosse aus München so etwas auf keinen Fall länger anschauen wollten, trennten sie sich von Niko Kovac, den Cheftrainer – und beförderten Flick, den Co-Trainer. Jetzt, 40 Pflichtspielsiege und fünf Titel später, ist sportlich alles anders, aber leider nicht alles gut. Ins Stadion in München dürfen schon seit fast acht Monaten keine Fans mehr. Doch auch in der Blase steigt das Risiko. Jeder der regelmäßigen Covid-19-Tests bringt das Risiko mit sich, einen Spieler oder im schlimmsten Fall sogar eine ganze Mannschaft vom Feld zu verbannen.

          Unter der Woche wurde mit Serge Gnabry erstmals eine Profi der Bayern positiv getestet und in Quarantäne geschickt (wobei sie in München inzwischen von einem falsch-positiven Ergebnis ausgehen, nachdem die nächsten zwei Tests negativ ausgefallen waren, wie Flick berichtete). In den Monaten der Pandemie mit ihren vielen Unvorhersehbarkeiten haben sich aber auch manche Gewissheiten etabliert. Wenn die Eintracht im Stadion des FC Bayern spielt, verliert sie. Das war so im Mai (2:5 in der Bundesliga), im Juni (1:2 im Pokalhalbfinale) und nun auch im Oktober.

          Am Samstag nutzte Flick die neuen Möglichkeiten, die sein Kader hergibt – und die er jetzt, da Davies vermutlich für eine Weile ausfällt, gut gebrauchen kann. Er stellte Bouna Sarr als rechten Verteidiger auf und Douglas Costa als linken Außenstürmer. In seinem System fremdelte vor allem Sarr ein wenig, aber die Frankfurter profitierten davon nicht. Wenn sie hin und wieder auf die Verteidiger der Bayern zustürmten, scheiterten sie nicht selten daran, dass diese auf Kommando von Abwehrchef David Alaba einfach clever herausrückten und Abseitsstellungen provozierten.

          Auf der anderen Seite sah das anders aus. Bei seinem ersten und dritten Tor lief Lewandowski alleine auf Eintracht-Keeper Kevin Trapp zu. Bei seinem zweiten Tor hüpfte er bei einem Eckball einfach höher als Stefan Ilsanker. In fünf Bundesligaspielen hat Lewandowski bereits zehn Tore eingesammelt – obwohl seine zwei Adjutanten auf dem Flügel, Gnabry und Sané, in einigen Spielen fehlten. Am Samstag durfte Sané erstmals nach seiner Verletzung wieder mitspielen (ab der 68. Minute) und ein Traumtor schießen – von der rechten Seite zog er in die Mitte und traf mit einem Bogenschuss ins lange Eck. Da hatte es der ebenfalls eingewechselte Musiala einfacher – er staubte bei seinem Treffer nur ab.

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