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Frankfurter Durchschnitt : Die Eintracht ist das Mittelmaß der Bundesliga

  • -Aktualisiert am

Sucht nach dem richtigen Schalter für sein Team: Eintracht-Trainer Adi Hütter Bild: dpa

Die Eintracht verkörpert derzeit den Durchschnitt der Liga – doch Europa muss nicht aus den Augen geraten. Wer kann den Turbo auslösen?

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          Wohin geht die Reise der Frankfurter Eintracht in dieser Saison? Trainer Adi Hütter lässt sich auch nach dem neunten Spieltag nicht festlegen. Was soll der Österreicher auch sagen? Äußert er sich zu optimistisch, wird es ihm um die Ohren gehauen, wenn der erhoffte Aufwärtstrend nicht einsetzt – und Pessimismus darf ein Bundesligatrainer ohnehin nicht verbreiten. Der Status quo ist relativ leicht definiert: Die Eintracht bildet das Mittelmaß des Mittelmaßes der höchsten deutschen Spielklasse. In allen statistischen Werten pendelt das hessische Fußball-Ensemble ziemlich nah um den Ligadurchschnitt, alle Parameter gegeneinander aufgewogen, kann man sagen: Der Nullmeridian der Bundesliga führt durch Frankfurt.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Der derzeitige Tabellenplatz neun ist der logische bei einem Blick auf die Daten des Statistikanbieters Opta. Der jeweils erste Wert der folgenden Aufzählung bezieht sich auf die Eintracht, der zweite auf den Ligadurchschnitt: Tore: 1,56/1,64, Gegentore: 16/13,5, Torschüsse pro Spiel: 13,56/12,49, Chancenverwertung: 28 Prozent/31 Prozent, Laufleistung: 116,51 km/117,18 km, Ballbesitz 54 Prozent/50 Prozent, Zweikampfquote 52 Prozent/50 Prozent, gespielte Pässe: 480/471, angekommene Pässe: 377/378, Passquote: 78 Prozent/79 Prozent, Foul gespielt: 14,89/12,55, gefoult worden: 12,00/11,96.

          Nach dieser Lektüre kann es auch nicht überraschen, dass die Frankfurter sechs von neun Begegnungen unentschieden gestalteten. Den Zwischenstand von zwölf Punkten nach neun Spieltagen kann jeder bewerten, wie er mag, je nachdem, ob er ein halb gefülltes Glas eher als voll oder leer ansieht. Wer vor allem das Gute sieht, fasst die Saison bis jetzt so zusammen: erst ein Bundesligaspiel verloren – und das bei den Bayern. Wem eher das Schlechte auffällt, sagt: seit sechs Spielen sieglos.

          Was heißt das nun für die weitere Entwicklung der Saison? Dass, wenn es so normal weiterläuft wie bisher, es bei einem Platz zwischen acht und zehn bleiben wird. Bisher hielten sich Spielglück und Spielpech in etwa die Waage, bisher waren die wenigen Ausfälle von Stammspielern durch Verletzungen gut zu kompensieren. Kurz, bisher bildet das Ergebnis die Substanz der Eintracht ziemlich genau ab.

          Flüchtige Momente der Normalität

          Aber die Erfahrung lehrt, wie flüchtig Normalität im Fußball sein kann. Dass Schalke keines seiner letzten 25 Bundesligaspiele gewinnen konnte, ist nicht mit all den Fehlern zu begründen, die dem Management der Königsblauen in den letzten Jahren unterliefen. Genauso wenig spiegelten 18 Begegnungen ohne Sieg die Arbeit des 1. FC Köln, und dass ausgerechnet ein Erfolg über Borussia Dortmund die Serie beendete, war ebenso „unnormal“. Auch der Aufstieg von Union Berlin auf Platz sechs lässt sich nicht allein mit der guten Arbeit von Trainer Urs Fischer und dem Genius Max Kruses herleiten. Es gehört zu den ältesten Fußball-Weisheiten, dass ein guter Lauf Energien freisetzt und ein schlechter Energien raubt, dass vermeintliche Leistungsgrenzen nach oben oder nach unten durchstoßen werden. Fußball-Frankfurt träumt noch heute von der Europa League 2018/2019.

          Die Eintracht darf darauf hoffen, dass sie in dieser Spielzeit wieder den richtigen Schalter findet, der den Turbo auslöst. Mit André Silva und Daichi Kamada erfreut sie sich an zwei Profis, die für das Besondere gut sind, die jeden Gegner aushebeln können. Dazu wird Filip Kostic bald wieder in bester körperlicher Verfassung sein. Mit Bas Dost hat die Eintracht einen Mittelstürmer, der zuverlässig trifft und zudem seine Kollegen ins Spiel bringt. Und mit Amin Younes und Aymen Barkok stehen demnächst wieder zwei kreative Ergänzungsspieler für die Offensive bereit, nachdem sie durch das Coronavirus gebremst waren. Auch das individuelle Format der Defensive ist ausreichend für einen Höhenflug, obwohl David Abraham die Mannschaft zum Jahresende verlassen wird, weil er in seine argentinische Heimat zurückkehrt.

          Was ihr noch fehlt, ist das Sich-an-sich-selbst-Berauschen eines Martin Hinteregger oder Danny da Costa oder Evan Ndicka wie vor anderthalb Jahren, das viele jener Fehler wieder ausglich, die in diesen Wochen zu Gegentoren führen. Wenn die Eintracht in der Defensive ihre Stabilität findet, kann sie ihr selbstdefiniertes Ziel in Angriff nehmen: Europa. Auf jeden Fall wirken im Moment die Chancen größer als die Risiken.

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