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0:2 auf Schalke : Frankfurter Kontrollverlust

  • -Aktualisiert am

Hart, aber fair: Schalkes Matip (l.) gegen den Frankfurter Lanig Bild: AFP

Gegen den FC Schalke 04 schlägt sich die Eintracht aus Frankfurt lange Zeit wacker und zeigt Courage. Torhüter Kevin Trapp hält sogar einen Elfmeter. Doch am Ende siegt die Elf von Trainer Jens Keller 2:0.

          3 Min.

          Wer nach der ersten Halbzeit zwischen Schalke 04 und der Frankfurter Eintracht vorausgesagt hätte, ein Bundesliga-Aufreger erster Güte stünde noch bevor, der wäre für verrückt erklärt worden. 45 Spielminuten, in denen die Frankfurter die Kontrolle behielten, aber darauf verzichteten selbst häufiger torgefährlich zu werden, waren voller gepflegter Langeweile zu Ende gegangen. Doch dann ging es Schlag auf Schlag.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Meyers 1:0 in der 59. Minute für Schalke folgte kurz darauf ein zweites Tor der Königsblauen, Schiedsrichter Dingert nahm den Treffer jedoch wieder zurück, weil sein Assistent eine Abseitsstellung gesehen hatte. Dann verschoss Huntelaar einen Foulelfmeter, und Goretzka traf die Latte des Frankfurter Tores. Die Eintracht verpasste bei zwei Chancen durch Joselu und Lanig den Ausgleich, der allerdings wegen der besseren Schalker Möglichkeiten schmeichelhaft gewesen wäre. In der Nachspielzeit erhöhte Einwechselspieler Farfan durch einen direkten Freistoß auf das Endergebnis von 2:0, das die Schalker der Königsklasse näherbrachte, der Eintracht aber erst einmal im Kampf gegen den Abstieg nicht weiter schadet.

          Wenig spritzig und gedanklich langsam

          Der Derbysieg über Mainz hatte dem Selbstbewusstsein der Eintracht-Profis offenbar sehr gut getan. Die Frankfurter begannen in der Arena auf Schalke, als wären sie in ihrem Wohnzimmer und nicht in dem der Gelsenkirchener. Sie machten es sich gemütlich mit dem Ball am Fuß und ließen den Gegner laufen, als ob er Laufkundschaft wäre. Nach einer Viertelstunde standen immerhin drei Ecken auf dem Konto und viele gute kleine Aktionen, die freilich nicht zu Torchancen führten. Das änderte sich in der 21. Minute, als Innenverteidiger Madlung ein Traumpass über 40 Meter auf Aigner gelang. Der wendige Eintracht-Stürmer bekam den Fuß unter den kurz zuvor aufspringenden Ball – aber er setzte den Heber etwas zu hoch an.

          Max hat´s gemacht: Max Meyer erzielt das erste Schalker Tor
          Max hat´s gemacht: Max Meyer erzielt das erste Schalker Tor : Bild: AFP

          Die Schalker kamen zunächst überhaupt nicht in Schussposition. Die Abwehr und die Mittelfeld-Raute von Trainer Veh funktionierten wieder prächtig. In der 27. Minute schallten die ersten Pfiffe durch die Arena, ob der Einfallslosigkeit der Schalker Bemühungen. Die meiste Aufmerksamkeit erregte noch Draxler mit einem bösen Foul an Lanig, für das er Gelb sah. Aus einer sehr geschlossen wirkenden Eintracht-Elf fiel nur Alex Meier ab. Nach seiner Verletzungspause wirkte der Schlaks wenig spritzig und auch gedanklich langsam. Zudem hatte ihn Trainer Veh auf die ungewohnte Position im linken Mittelfeld aufgeboten.

          Ein Stellungsfehler von Meier ermöglichte Schalke dann auch die Möglichkeit zur Führung in der 37. Minute. Linksverteidiger Djakpa war alleine gelassen, so dass der Schalker Jungstar Max Meyer ungestört flanken konnte. Der Ball flog auf den Kopf von Torjäger Huntelaar – Torentfernung zwei Meter. Mit einem Reflex gelang es Eintracht-Torhüter Trapp, den Ball noch über die Linie zu bugsieren.

          Wahnwitzige zehn Minuten

          Was immer sich in der Halbzeitpause in der Schalker Kabine abgespielt hatte, es wirkte. Jeder einzelne der königsblauen Spieler bewegte sich schneller und spielte den Ball rascher ab, was einen rapiden Frankfurter Kontrollverlust nach sich zog. Plötzlich verloren die Eintracht-Profis den Überblick, sahen sich zu Befreiungsschlägen genötigt, wenn sie denn in höchster Not noch an den Ball kamen. Nationalspieler Draxler hätte schon bis zur 53. Minute die Schalker zweimal in Führung schießen können, verzog den Schuss aber jeweils mit seinem rechten Fuß.

          Die beiden aufregenden Szenen bildeten jedoch nur den Auftakt für wahnwitzige zehn Minuten, die folgen sollten. Es ging los mit dem 1:0 für Schalke in der 57. Minute. Kolasinac hämmerte den Ball an den Pfosten, mit dem Abpraller scheiterte Draxler an Trapp, doch gegen den zweiten Nachschuss von Meyer war er machtlos. Wenig später stand es 2:0 – auf der Anzeigetafel, nachdem Schiedsrichter Dingert nach Draxlers Torschuss zum Anstoßkreis gezeigt hatte.

          Doch auf Intervention des Assistenten nahm der Referee den Treffer wegen Abseits wieder zurück. Sekunden später bot sich Joselu die große Möglichkeit zum 1:1, doch völlig frei vor Fährmann gelang dem Spanier nur ein schwacher Schuss mit links. Zwei Minuten später schien die Partie zum zweiten Mal zu Gunsten der Schalker entschieden - nach einer umstrittenen Szene, in der Zambrano Draxler gefoult haben soll, - durfte Huntelaar zum Elfmeter antreten. Der Niederländer fand jedoch seinen Meister in Trapp.

          An dieser Parade richtete sich die Eintracht wieder auf. Trainer Veh unterstützte das Aufbegehren gegen die Niederlage durch zwei sinnvolle Wechsel: Rosenthal und Kadlec ersetzten Barnetta und Meier, die im Mittelfeld immer wieder überlaufen worden waren. Doch die Bemühungen der Ei ntracht fruchteten nichts mehr, im Gegenteil: Farfan erhöhte in der Schlussminute durch einen direkten Freistoß noch auf 2:0 für Schalke.

          FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt 2:0 (0:0)

          FC Schalke 04: Fährmann - Hoogland, Ayhan, Matip, Kolasinac - Boateng (82. Felipe Santana), Neustädter - Goretzka, Meyer (72. Obasi), Draxler (86. Farfán) - Huntelaar
          Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Madlung, Djakpa (81. Oczipka) - Russ - Lanig, Meier (69. Kadlec), Barnetta (69. Rosenthal) - Aigner, Joselu
          Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle)
          Zuschauer: 61.973 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Meyer (59.), 2:0 Farfán (90.+1)
          Besonderes Vorkommnis: Huntelaar (FC Schalke 04) scheitert mit Foulelfmeter an Trapp (66.)
          Gelbe Karten: Draxler (5) / -

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