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2:1 gegen Frankfurt : Der nächste Mainzer Coup

Der Mainzer Karim Onisiwo glich kurz nach der Pause aus. Bild: dpa

Der Eintracht reicht auch eine Führung nicht, um erstmals in Mainz zu gewinnen. Nach einem Platzverweis gegen die Gäste dreht der FSV auf – und beschert Beierlorzer einen perfekten Einstand.

          3 Min.

          Die Negativserie geht weiter. Wieder ist es der Frankfurter Eintracht nicht geglückt, ein Punktspiel beim Nachbarn in Mainz zu gewinnen. Diesmal gab es für die Bundesliga-Mannschaft von Trainer Adi Hütter am ungeliebten Montagabend eine 1:2-Niederlage. 33.184 Zuschauer in der annähernd ausverkauften Arena sahen eine starke Mainz 05-Mannschaft, die sich dank der beiden Treffer von Karim Onisiwo (50.) und Adam Szalai (69.) – Martin Hinteregger hatte die Eintracht in Führung gebracht (34.) – über einen verdienten Heimsieg gegen die nach einer Roten Karte gegen Dominik Kohr (44.) geschwächten Frankfurter freuen konnte. „Nach der Roten Karte war es nur noch eine Frage der Zeit, wann das Tor kommt. Es war ein Arbeitssieg“, sagte Szalai, der erstmals seit seiner Rückkehr aus Hoffenheim wieder für Mainz traf.

          Bundesliga

          Dass die Mainzer Fans zunächst auf stille Art und Weise fünfzehneinhalb Minuten lang gegen Bundesligaspiele am Montag protestieren würden, war erwartet worden. „Samstags halb vier – Fußball, Bratwurst, Bier“ stand denn auch auf einem riesigen Banner zu lesen. Dass aber auch die Frankfurter Fans ihren Unmut auf hässliche Weise kundtun würden, überraschte. Zweimal flogen in kurzen Abständen etliche Bengalos auf den Rasen des Platzes. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied sich sogar dazu, beide Mannschaften zurück in die Kabinen zu schicken. Wegen dieser von den Eintracht-Chaoten provozierten Verzögerung, die eine drastische Strafe nach sich ziehen dürfte, begann die Partie mit zehnminütiger Verspätung. „Es gab keine Botschaft, es bleibt nur ein Schaden. Ich habe ein wenig das Gefühl, dass es eine kleine Gruppe momentan darauf anlegt, etwas mehr zu provozieren“, zeigte sich Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann besorgt. „Das kann so nicht weitergehen.“

          Als es dann endlich los ging in diesem mit Spannung erwarteten Rhein-Main-Derby, dauerte es nicht lange, bis sich die Frankfurter die erste Chance herausspielten. Von Aushilfskapitän Sebastian Rode angeführt, der anstelle des kurzfristig wegen eines Infekts ausgefallenen Makoto Hasebe Spielführer war, hätte die Eintracht in der elften Minute in Führung gehen müssen. Nach einem schnell vorgetragenen Konter über Daichi Kamada und Filip Kostic vergab der freistehende Dominik Kohr kläglich. Mit einer besseren Schusstechnik ausgestattet, wäre es nicht schwer gewesen, Mainz-Keeper Robin Zentner aus acht Metern zu überwinden.

          Frankfurts Martin Hinteregger beobachtet Bengalos, die aus dem Frankfurter Fanblock auf den Rasen geworfen werden.

          Mitte der ersten Halbzeit arbeiteten sich die engagierten Mainzer Vorteile heraus, ohne daraus jedoch Kapital zu schlagen. Und so verwunderte es nicht, dass die Eintracht nach einem schnell ausgeführten Eckstoß zuschlug. Kamada setzte Djibril Sow in Szene, von dem der Ball zu Almamy Touré gelang. Der nach längerer Verletzungspause als Verteidiger aufgebotene Franzose spielte Hinteregger perfekt in den Lauf – 1:0. Für den Österreicher war es schon das vierte Saisontor. Die Führung hätte den Frankfurtern eigentlich mehr Sicherheit geben müssen. Doch eine Minute vor der Pause schadeten sich die Spieler von Trainer Adi Hütter wieder einmal selbst. Gegen den davonstürmenden Levin Öztunali ging Kohr äußerst ungeschickt in den Zweikampf, und weil er in dieser Szene der letzte Feldspieler war, sah er zu Recht Rot und wurde des Feldes verwiesen. Elf Mainzer gegen zehn Frankfurter. Ein Vorteil für den zweiten Spielabschnitt nach der Pause?

          Noch lagen die Vorteile auf Seiten der Eintracht, im 16. Anlauf endlich das erste Punktspiel in Mainz zu gewinnen. Allerdings nur bis zur 50. Minute. Hatte Eintracht-Torhüter Frederik Rönnow kurz zuvor noch prächtig einen Schuss von Jean-Paul Boetius gehalten, war der Däne bei der Co-Produktion von Jeremiah St. Juste und Onisiwo machtlos. Onisiwo, vom gleichfalls an dieser Torszene beteiligten Hinteregger bedrängt, hatte den Ball zum 1:1-Ausgleich abgefälscht. Drei Minuten später wähnten sich die Mainzer in Führung. Doch der Treffer von Onisiwo wurde nach Intervention des Videoassistenten zurückgenommen. Bei der Flanke zuvor war der Ball im Toraus. In der 69. Minute war er dann wieder im Frankfurter Tor – regulär. Der eingewechselte Szalai, der kurz zuvor noch aus kürzester Distanz verpasste, machte es diesmal besser und traf zum 2:1.

          Die Führung für die Nullfünfer war hochverdient. Die Eintracht wirkte in dieser Mainzer Druckphase wie paralysiert. Trainer Hütter brachte mit Mijat Gacinovic für Rode zwar einen frischen Mann (74.). Doch die Ergebniskorrektur glückte auch deshalb nicht mehr, weil Sow in dem gegen Ende offenen Schlagabtausch freistehend mit dem Kopf verpasste (79.). Punktspiele der Eintracht in Mainz? Aus Frankfurter Sicht eine ernüchternde Angelegenheit. Der erste Auswärtssieg beim Rhein-Main-Nachbarn lässt also weiter auf sich warten. Dafür geht es für die Nullfünfer zielstrebig aufwärts. Der neue Trainer Achim Beierlorzer hat sein Team im zweiten Spiel zum zweiten Sieg geführt – nach dem 13. Bundesliga-Spieltag jetzt nur noch zwei Punkte und zwei Plätze hinter der Eintracht liegend.

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