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Trainer Glasner im Fokus : Tage der Arbeit liegen vor der Eintracht

Vor der Mannschaft und dem Trainer liegt viel Arbeit. Bild: dpa

Bei den Frankfurtern liegen Wunsch und Wirklichkeit aktuell weit auseinander. Allen ist klar, dass Trainer Oliver Glasner nun liefern muss. Noch genießt er ein frisches Maß an Vetrauen.

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          An diesem Wochenende biegt die Bundesliga auf die Schlussetappe des Jahres ein. Für die Eintracht beginnt damit ein wichtiger Saisonabschnitt. In den vergangenen Monaten hat sie vieles erlebt. Sie wäre im Frühjahr beinahe in die Champions League vorgestoßen, hat während des Sommers ihre Sportliche Leitung nahezu komplett ausgetauscht, zudem ihren besten Goalgetter verloren – und nun müssen die ehedem so hoch fliegenden Frankfurter aufpassen, nicht eine Bruchlandung hinzulegen und in den unkalkulierbaren Kampf gegen den Abstieg verwickelt zu werden.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Vor der Auswärtspartie am Sonntag in Freiburg (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) hat Oliver Glasner von dem Teil der Öffentlichkeit, die sein Tun zunehmend kritisch bewertet, das erbeten, was seine Vorgesetzten in den zurückliegenden Wochen im Umgang mit ihm besaßen: Geduld. Der 47-Jährige, der mit dem Anspruch geholt worden war, das Team weiterzuentwickeln, verantwortet als Trainer eine Mannschaft, die vom ersten Pflichtspieltag an ihre Aufgaben nicht sonderlich souverän absolvierte und an vielen Stellen auch nach 16 Wochen der gemeinsamen Anstrengung noch immer einen unfertigen Eindruck hinterlässt. Das gilt insbesondere für den Sturm und die rechte Seite, die einer personellen Großbaustelle gleicht.

          Glasner konnte während der Länderspielpause in der Überzeugung, dass ihm am Main kein unmittelbares Ungemach droht, vier Tage bei der Familie daheim in Österreich durchschnaufen. Es wartet viel Arbeit auf ihn. Sechs Bundesligaeinsätze bleiben, um die Position im nationalen Ranking zu verbessern. In der Auszeit gewann er Optimismus zurück – auch beim Blick auf die Zahlen.

          Frisches Maß an Vertrauen

          „Von den vergangenen acht Spielen haben wir fünf gewonnen, eins unentschieden gespielt und nur zweimal verloren“, sagte der Trainer, der einräumte, dass die „Gefühlslage“ bei vielen eine andere sei. „Das Wie ist gar nicht so entscheidend“, fügte er in Anbetracht der mittelmäßigen Fußballqualität an, die die meisten Auftritte kennzeichnete, „von den Ergebnissen her war es ein deutlicher Schritt nach vorn.“ Der Coach weiß, dass die Kritik an ihm zuletzt vernehmbarer artikuliert wurde, wenngleich aus dem Inner Circle des Klubs niemand so weit gehen wollte, wie manche Anhänger-Stimme, die den Glauben an einer Besserung bereits verlor und seine Ablösung forderte.

          Die drei spät sichergestellten (Teil-)Erfolge gegen Leipzig (1:1), Piräus (2:1) und in Fürth (2:1) garantierten dem Trainer in den Führungsgremien ein frisches Maß an Vertrauen, mit dem er sich nun ans Werk machen kann. Glasner muss nun aber auch liefern. Er selbst machte zuletzt bisweilen den Fehler, die Dinge vor den Kameras schöner zu reden, als sie eigentlich sind. Dabei ist auch er alles andere als zufrieden. Glasner hat sich vieles einfacher vorgestellt, wie er in einem am Freitag in der Frankfurter Rundschau veröffentlichten Interview bekannte.

          Quo vadis, Eintracht? Oliver Glasner sucht nach der Antwort
          Quo vadis, Eintracht? Oliver Glasner sucht nach der Antwort : Bild: dpa

          Gleichwohl ist er der Überzeugung, dass er über das nötige Know-how verfügt, um das Ruder rumzureißen und in der Liga Kurs genommen werden kann auf Gefilde, in denen es sich angenehmer aushalten lässt. Zugänge, um den schwächelnden Angriff zu beleben, werden in diesen grauen November-Tagen rund um das Proficamp als zwingend notwendig erachtet. Doch noch ist es nicht so weit, dass Weihnachtswünsche im Detail diskutiert werden; zumal offen ist, wie sie in den durch die vierte Pandemie-Welle auch finanziell anspruchsvollen Zeiten überhaupt finanzierbar wären.

          Glasner muss sich vorerst an den Realitäten orientieren – und die sehen vor dem siebten Auswärtsspiel nicht glanzvoll aus. Die Eintracht hat es bislang auf zwölf Punkte gebracht und weist lediglich vier Zähler Vorsprung vor dem ersten Platz auf, der im kommenden Mai die Versetzung in die zweite Liga zur Folge hätte. Wie er es anstellen möchte, um am Sonntag beim formstarken SC Freiburg zu reüssieren, ließ sich Glasner nur in Ansätzen entlocken.

          Nur so viel ist klar: Gonçalo Paciência steht nach seiner Muskelverletzung noch nicht wieder zur Verfügung, der genesene Sebastian Rode ist nach seinen Kniebeschwerden dagegen insoweit physisch hergestellt, dass er für „20, 30 Minuten oder eine Halbzeit“ eine Option sei, sagte Glasner, der beim Blick über den Tellerrand hinaus eine konsequente Herangehensweise für angebracht hält: Bei der Frage, ob der Bundesligabetrieb fortan nach 2-G-Regeln ablaufen sollte, gab er sich „als riesengroßen Fan“ der Impfungen zu erkennen.

          Sie seien der „einzige nachhaltige Ausweg“ aus der Krise. Und die Gesellschaft solle „alles dafür tun“, eine Impfquote zu erreichen, die an die von vielen Medizinern genannte 90-Prozent-Marke heranreiche. Glasner selbst ließ sich während seines Kurzurlaubs mit der dritten Spritze boostern. Zumindest in dieser Hinsicht fühlt er sich gewappnet für das, was kommen kann.

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