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Eintracht Frankfurt : Der Alex macht das schon

  • -Aktualisiert am

Seit Jahren ein Gesicht der Eintracht: Alex Meier Bild: dpa

Angreifer Alex Meier ist kein Profi von der Stange: Es fehlt ihm eine Menge zum Spitzenspieler – und doch ist er ein Segen für die Eintracht. Auch gegen Bremen am Sonntag (17.30 Uhr) setzt Frankfurt auf Meiers Näschen.

          Mit Worten kommt Alex Meier nie in die Schlagzeilen, höchstens mit Taten. Mit seinem achten Saisontor übernahm der 31 Jahre alte Stürmer der Frankfurter Eintracht vor einer Woche, am 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga, die Führung in der Torjägerliste. Aber der Versuch eines Journalisten, dessen Leistung auf dem Platz mit ein paar netten Zitaten vor der Umkleidekabine noch aufzupeppen, scheiterte kläglich: „Ich soll die Torjäger-Kanone holen? Nee, die holt einer von den Bayern.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In Frankfurt nennen sie ihn „Fußball-Gott“, weil er den Verein erst mit 17 Toren aus der zweiten Liga schoss, dann mit 16 Treffern in die Europa League brachte und dort mit sieben Toren in sechs Spielen entscheidend dazu beitrug, dass die Eintracht nach vielen Jahren wieder einmal internationales Renommee gewann. Außerhalb des Rhein-Main-Gebietes und der Eintracht-Fangemeinde kennt jedoch kaum jemand Alex Meier.

          Schon seit 2004 spielt der gebürtige Norddeutsche in Frankfurt

          Das liegt daran, dass er nun schon seit zehn Jahren in Frankfurt kickt, das in dieser Zeitspanne nicht gerade den Nabel der deutschen Fußballwelt darstellte. Und an seiner Scheu, Sprüche zu klopfen. 2012 brachten ein paar Lokalpatrioten seinen Namen als Ersatz-Nationalspieler ins Spiel. Seine Antwort fiel abweisend aus: „Nationalmannschaft? Dafür bin ich zu alt.“ Dabei zog Meier ein Gesicht, als ob der Fragesteller nicht ganz bei Trost wäre.

          Kaum ein anderer Fußballprofi macht so wenig Aufhebens um sein Tun wie er. Dabei hat seine Karriere in der Spätphase eine Entwicklung genommen, die ihn zu einem Phänomen der Bundesliga macht. Bis Mitte 20 wirkte der 1,96 Meter lange Norddeutsche wie ein Basketballspieler. Schlaksig, dünne Beine, schmaler Brustkorb. Doch dann fand er nach einer langwierigen Verletzung während der Reha seinen Spaß am Krafttraining. Seitdem ist aus ihm ein athletischer Fußballspieler mit großem Durchsetzungsvermögen geworden.

          „Ist doch egal, wer die Tore schießt“

          Manchmal wirken seine Bewegungen ein wenig unrund, sein Oberkörper erscheint im Verhältnis zu den Beinen übermächtig. Aber das hindert ihn nicht am Toreschießen. In den 65 Bundesligaspielen, die er in den letzten drei Spielzeiten absolvieren konnte, traf er 32 Mal. In der Zweitligasaison davor schoss er bei 32 Einsätzen 17 Tore. Eine Quote von ziemlich genau 0,5 Toren pro Spiel, das gehört zu den absoluten Spitzenwerten in Deutschland.

          Sein Kommentar dazu? „Ist doch egal, wer die Tore schießt. Hauptsache, wir gewinnen.“ Bei anderen Profis klingt der Satz ganz anders, als er sich liest. Da quillt der Stolz zwischen den einstudierten Worten der Bescheidenheit hervor. Bei Meier nicht. Das Geheimnis seines Torerfolgs? „Ich denke, es ist auch Instinkt. Ich laufe dorthin, wo ich meine, dass der Ball hinkommen könnte, dann versuche ich den Ball gut zu treffen, und manchmal ist er drin.“

          90 Tore hat er bisher erzielt, zuletzt am vergangenen Sonntag gegen Dortmund

          Erkenntnistheoretische Gespräche über Fußball sind mit ihm schwer zu führen, immerhin lässt Meier gelten, dass er eine Spezialität hat: „Ich habe das schon als Kind viel geübt, weil mein Vater immer sagte: Schieß mit der Innenseite!“ Und er übt den Innenseitstoß mit dem rechten Fuß noch immer nach fast jedem Training in einer Extraschicht, „weil man sich immer noch verbessern kann“.

          Dabei gibt es Kollegen, die behaupten, dass Meier schon jetzt den Ball mit dem Innenrist so genau zu plazieren versteht, dass er eine Briefmarke auf einem Umschlag trifft. Das mag ein wenig übertrieben sein. Tatsache ist: Meier erzielt zirka 70 Prozent seiner Treffer auf diese Art und Weise mit rechts, der Rest sind Kopfbälle und ein paar Abstauber mit irgendeinem Körperteil, wobei sein linker Fuß auch schon in die Rubrik irgendein Körperteil fällt.

          „Er hat ein Näschen dafür, wohin er laufen muss“

          Alex Meier ist nicht das, was man unter einem kompletten Fußballer versteht. Er könnte etwas dynamischer sein, manchmal dürfte er sich auch mehr ins Spiel einmischen. Zu Saisonbeginn brauchte er ein bisschen, bis er den neuen Trainer Thomas Schaaf von sich überzeugt hatte, zumal ihm kleinere Verletzungen um die absolute körperliche Fitness brachten. In den ersten drei Saisonspielen stand Meier nicht in der Startformation.

          Dann traf er am vierten Spieltag gegen Schalke, und seitdem liefert er so zuverlässig, dass er nach dem 13. Spieltag die Torjägerliste anführte. Auch Trainer Schaaf glaubt nicht unbedingt daran, dass Meier nach dem 34. Spieltag die Spitzenposition innehaben wird. Aber nicht, weil er noch immer an seinem Stürmer zweifelte, sondern eher an der Qualität seiner Mannschaft. „Ich glaube, ganz allein schafft Alex das nicht. Er ist abhängig davon, wie oft die Mannschaft ihn in Position bringt. Damit es bei ihm für die Torjäger-Kanone reicht, müssen wir eine Riesensaison spielen.“

          Nach zwei Überraschungssiegen gegen Gladbach und Dortmund können sich die Frankfurter an diesem Sonntag (17.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) mit einem Sieg über Schaafs Heimatklub Werder Bremen nun sogar in der oberen Tabellenhälfte festsetzen. „Wir müssen unsere Spiele offensiv gestalten, um zu vielen Chancen zu kommen“, fordert Schaaf und fügt an: „Den Rest macht Alex dann schon, da hat er das Näschen für, wohin er laufen muss.“

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