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Alex Meier ist verletzt : Und wer schießt nun bei der Eintracht die Tore?

  • -Aktualisiert am

Wie lange Alex Meier den Frankfurtern fehlen wird, ist noch unklar. Bild: dpa

Einriss im Hoffa’schen Fettkörper – das ist es, was Alexander Meier vorerst außer Gefecht setzt. Die Eintracht muss gegen die Hertha auf ihren besten Torschützen verzichten. Trainer Armin Veh setzt auf Zweckoptimismus und sagt: „Vielleicht hilft das.“

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          Armin Veh stellte die Frage selbst, die wohl alle Eintracht-Fans bewegt: „Wer soll denn jetzt noch die Tore schießen?“ Eine Antwort gab der Trainer der Frankfurter Eintracht nicht, nachdem er die Nachricht an die Öffentlichkeit weitergegeben hatte, die ihm wenige Stunden zuvor von den Ärzten mitgeteilt worden war: Torjäger Alex Meier fällt an diesem Mittwoch (Anstoß 20 Uhr) im Auswärtsspiel gegen Hertha BSC Berlin aus. Schon ein paar Tage lang hatte der 33 Jahre alte Stürmer über leichte Schmerzen im Knie geklagt. Einige Beobachter meinten, am Sonntagabend in der Begegnung mit Schalke 04 einige seltsame Bewegungsabläufe bei Meier gesehen zu haben. Jedenfalls klagte er nach dem Abpfiff über heftige Knieschmerzen. Eine Untersuchung bei Dr. Bernhard Segesser in Basel führte zur Diagnose: Einriss im Hoffa’schen Fettkörper.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Dieses Leiden zu beenden erfordert keine Operation. Das Fettgewebe heilt von alleine, wenn es keine Belastung erfährt. Aber wie viel Zeit kann die Eintracht im Abstiegskampf Meiers Knie geben? Veh sagte: „Man muss das Knie normalerweise zwei Wochen ruhigstellen. Aber das können wir nicht.“ Der Eintracht-Trainer hat noch die Hoffnung, dass Meier am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt wieder einsatzfähig ist: „Es kann nichts kaputtgehen, aber der Einriss verursacht große Schmerzen“, so Veh, der jedoch auch einräumt, dass die Gefahr einer längeren Pause für Meier besteht. „Das müssen wir einfach abwarten.“

          Sollte Meier länger fehlen, wäre das so etwas wie der GAU in der Personalplanung – der größte anzunehmende Unfall. Keine andere Bundesligamannschaft ist so abhängig von der Treffsicherheit eines Spielers wie die Frankfurter Eintracht. Der von den Fans zum Fußball-Gott erhobene Profi schoss in dieser Saison zwölf der 27 Eintracht-Tore, das sind 44 Prozent. Die Entwicklung des Jahres 2016 zeugt von einer noch größeren Abhängigkeit. Meier erzielte fünf der sechs Rückrundentreffer, das sind 83 Prozent. Nur ein einziges Spiel gewann die Eintracht ohne einen Torbeitrag ihres Stürmerstars, beim 4:1 am 29. August 2015 in Stuttgart fehlte Meier wegen Trainingsrückstandes.

          Trainer Veh versuchte, nicht allzu niedergeschlagen zu wirken, und rettete sich in ein paar Witzchen: „Es wird ja sowieso Zeit, dass mal ein paar andere ein paar Tore schießen.“ Oder: „Wir können ja nicht den Spielbetrieb einstellen, weil der Meier nicht mitspielt.“ Oder: „Manchmal kommen so (in Abwesenheit des Stars) Dinge zum Tragen, die glaubt man gar nicht.“ Aber als Veh konkret gefragt wurde, welchen Spieler er denn im Kopf habe, der sich nun vielleicht besser entfalten würde, gab der Eintracht-Trainer zu: „Wenn ich mir einen Vorteil davon versprechen würde, Alex mal aus der Mannschaft zu nehmen, dann würde ich es auch tun. Aber es macht keinen Sinn, auf seinen besten Spieler zu verzichten.“

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          Um allen Fragen zuvorzukommen, kündigte Veh sofort an: „Ich sage nicht, wer es jetzt machen soll.“ Große Umstellungen im System wird es nicht geben. Denn Meier ist keiner, der das Spiel an sich reißt, der ein festumrissenes Aufgabenfeld abarbeitet. Meier spielt eigentlich dort, wohin ihn sein Instinkt treibt, und fällt nur auf, wenn er Tore schießt. Der einzige Vorteil den Veh durch das Fehlen Meiers sieht, ist der: „Wir sind sicher schwerer auszurechnen für den Gegner. Dennoch hätte ich den Alex lieber dabei.“

          Auf keinen Fall wird ihn Luc Casteignos ersetzen. Nach seiner langen Verletzungspause ist der Niederländer erst am Montag ganz vorsichtig ins Mannschaftstraining eingestiegen. Obwohl Casteignos seit Monaten nicht mehr spielt, steht er in der Eintracht-Torschützenliste auf Rang zwei – mit vier Toren. Ihm folgt Haris Seferovic mit drei Treffern auf Platz drei. Der Schweizer, der zu Beginn der Rückrunde in Ungnade gefallen war bei Trainer Veh, hat nun endgültig wieder seinen Stammplatz sicher.

          „Wir sind sicher nicht Favorit gegen den Tabellendritten, erst recht nicht nach dem Ausfall von Alex. Aber vielleicht hilft das“, sagt Veh. Denn nach wie vor spricht er von einem Rucksack, den die Spieler mit sich herumtragen würden. Ein Rucksack voller unerfüllter Erwartungen und Versagensangst. In der Defensive sei seine Mannschaft derzeit einigermaßen stabil. „Aber wir brauchen eine gewisse Lockerheit, sonst kriegen wir es nicht hin. Hinten gut zu stehen reicht nicht, wenn wir dann Angst bekommen, wenn wir selbst den Ball haben.“

          Zumindest einem Frankfurter wird es in Berlin gelingen, wie befreit über den Platz zu schweben: Stefan Aigner wurde am Montag Vater eines Sohnes. „Schön wäre es, wenn auch die anderen ihren Rucksack loswürden“, so Veh und setzte hinzu: „Es bringt nichts, wenn wir nur an unsere Fehler denken, die wir machen. Wir sind von unserem Kader nicht so weit weg von der Hertha, wie die Tabelle aussagt. Wir können in Berlin was holen.“

          Bei dem Versuch wird aller Voraussicht auch nach Innenverteidiger Carlos Zambrano beitragen. Der Peruaner hat seine gegen Schalke erlittene Prellung inzwischen weitgehend verdaut. Das war die einzig gute Nachricht an diesem Dienstag. Denn zusätzlich zu den Kniebeschwerden von Meier wurde bekannt, dass der Deutsche Fußball-Bund Ermittlungen gegen die Eintracht wegen des Abbrennens von Bengalos im Fanblock gegen Schalke aufgenommen hat. Als Wiederholungstäter und unter Bewährung stehend, droht dem Verein eine hohe Strafe. Vehs Kommentar zum Dienstag: „Wie sagte schon Andy Brehme? Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß.“

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