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Eintracht Frankfurt in Mainz : Eine Saison wie ein Marathonlauf

  • -Aktualisiert am

Von Sieg zu Sieg: Die Eintracht wird derzeit von ihren Glückshormonen getragen. Bild: dpa

Trotz vieler Spiele verläuft die Saison der Eintracht äußerst erfolgreich. Die Glücksgefühle tragen die Spieler über ihre Müdigkeit hinweg. Doch vor der Partie in Mainz gibt es personelle Fragezeichen.

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          Trainer Oliver Glasner ist für das letzte Punktspiel des Jahres optimistisch. Wie sollte es auch anders sein nach sieben Siegen in den vergangenen acht Pflichtübungen und der geradezu berauschenden Vorstellung gegen Hoffenheim? „Ich sehe keine Signale, dass wir unsere Leistung am Sonntag nicht auf den Platz bringen“, sagte der Österreicher am Freitag zur Aufgabe gegen den Nachbarn aus Mainz am Sonntagnachmittag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN). Dabei steht die Eintracht vor ihrem 18. Einsatz in den vergangenen sechs Wochen.

          Bundesliga
          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Aber die alten Ansichten, was ein Bundesligaprofi an Belastung so aushalten kann, gelten für die Eintracht derzeit nicht. Der von Glasner in der vorigen Woche eingeführte Begriff des „Funktioniermodus“ trifft es nicht mehr. Wie bei Marathonläufern haben die permanenten Anstrengungen Glücksgefühle ausgelöst, die die Eintracht-Spieler über ihre Müdigkeit hinwegtragen. Anders lässt es sich nicht erklären, wie die Mannschaft sich am vergangenen Mittwoch auf ihre Hoffenheimer Gegner stürzte und sie gegen die Wand spielte. Das Ergebnis von 4:2 erschien am Ende wie ein schlechter Witz.

          Das ist auch der Grund, warum der Eintracht-Trainer am Freitag erklärte, dass seine Mannschaft noch viel Luft nach oben habe, obwohl sich die Eintracht-Fans schon im Himmel wähnten. „Nicht in den einzelnen Phasen war Luft nach oben, aber in der Konstanz über ein ganzes Spiel.“ Den betörenden Momenten spielerischer Eleganz und stürmischer Zielstrebigkeit waren nach einer guten halben Stunde immer wieder Augenblicke der defensiven Orientierungslosigkeit gefolgt.

          Zwei personelle Fragezeichen

          „Wir hatten da nicht die absolute Verteidigungsmentalität, wir waren zu inkonsequent“, bemängelte Glasner, der davon ausgeht, dass sich sein Team diese Einstellung gegen Mainz nicht leisten könne. „Das wird eine echte Herausforderung. Die Mainzer haben mit Trainer Svensson eine ganz klare Spielanlage, stehen kompakt, sind aggressiv, haben eine gute körperliche Robustheit und viel Power und Schwung nach vorne.“ Aber er sehe seine Mannschaft gut gerüstet.

          Personell gib es zwei Fragezeichen. Sebastian Rodes Wade hat sich während der von Glasner verordneten Spielpause nicht wie erhofft entwickelt. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung des Trainers wird Rode nicht „sicher“ gegen Mainz dabei sein. Es bleibe abzuwarten, in welchem Zustand dessen Wade nach dem Abschlusstraining sei. Auch Kristijan Jakic ist angeschlagen. Nach einem Schlag auf den Knöchel in der Begegnung mit Hoffenheim knickte er um.

          „Es ist nichts Schlimmes, aber sein Knöchel ist dick und schmerzt“, so Glasner. Wie immer werde er kein Risiko eingehen. „Die Gesundheit ist das höchste Gut meiner Spieler.“ Ansonsten kann Glasner das Team aufbieten, das gegen Hoffenheim so begeisterte und auch acht oder zehn Tore bei besserer Chancenverwertung hätte schießen können.

          Nach der abendlichen Aufführung ihres Zauberfußballs drängen sich unwillkürlich Vergleiche mit den großen Frankfurter Bundesligateams der Vergangenheit auf. Mit magischen Kickern wie Jürgen Gra­bowski, Bernd Hölzenbein, Bernd Nickel, Uwe Bein, Andy Möller, Jay-Jay Okocha oder Anthony Yeboah. Sie alle standen wie heute Mario Götze, Daichi Kamada, Randal Kolo Muani und Jesper Lindström für die besonderen Momente des Fußballs.

          Die Leistungen der Spieler gegeneinander aufzuwiegen verbietet sich, denn Fußball ist im Vergleich zu den Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren durch die immense Steigerung der Athletik und Schnelligkeit quasi zu einer anderen Sportart geworden.

          Gute Punkteausbeute

          Aber was die Fußballkunst in Punkten wert war und ist, das kann gut nachvollzogen werden. So gesehen war die Eintracht der Saison 1991/92, die mit dem tragischen Verlust des Titels in Rostock endete, die beste. Umgerechnet 68 Punkte nach der damals noch nicht eingeführten Dreipunkteregel erspielten sich Stein, Binz, Bein, Möller, Yeboah und Co an den 34 Spieltagen, das sind genau zwei pro Spiel.

          Die aktuelle Mannschaft von Trainer Glasner kommt nach 14 Spieltagen auf 26 Zähler, was 1,857 Punkte im Schnitt sind und hochgerechnet auf die ganze Saison 63 Punkte wären. Womit die Eintracht des Jahres 2022 knapp besser abschneiden würde als das erste Bundesligateam 1963/64 mit Solz, Trimhold, Kreß, Lindner und Huberts (1,83 Punkte) und auch besser als Grabowski, Hölzenbein und Nickel in ihrer besten Saison 1974/75 (1,79). Dann folgt schon das Erfolgsteam von Trainer Adi Hütter 2020/21, das 60 Punkte einsammelte (1,76 im Schnitt).

          Wenn die Eintracht ihr Niveau hält, das sie nach wackligem Saisonbeginn erreicht hat, und im Überschwang das Verteidigen nicht vernachlässigt, dann kann sie tatsächlich die beste der Bundesliga-Geschichte werden. Was dem überwältigenden Eindruck vom Mittwoch nur entsprechen würde.

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