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Frankfurter Sieg in Berlin : Die Eintracht ist wieder wettkampftauglich

  • -Aktualisiert am

In jedem Pflichtspiel mit Zählbarem zur Stelle: André Silva (links) und Bas Dost Bild: AFP

Beim Sieg der Eintracht bei Hertha BSC in Berlin überzeugen vor allem die Stürmer Bas Dost und André Silva. Sie sind die Erfolgsgaranten im stimmigen Personalpuzzle der Frankfurter.

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          In der 71. Minute ist der Rechtsfuß Sebastian Rode in Berlin auf dem falschen Fuß erwischt worden. Aber der Frankfurter Mittelfeldspieler kam nicht aus dem Tritt und hat zum Wohl seiner Mannschaft das Beste daraus gemacht – und selbst mit seinem „schwächeren Linken“ das 3:0 für die Eintracht im Duell mit der Hertha geschossen. „Ich konnte es erst selbst nicht glauben“, berichtete der Torschütze hinterher gut gelaunt von seinem schönen Schlenzer. „Ich bin nicht bekannt für Distanzschüsse.“ Und dann sei es auch noch das erste Tor in seiner Karriere „mit dem schwachen Fuß“ gewesen.

          Bundesliga

          „So, wie der Ball in Zeitlupenmanier reingegangen ist, musste ich erst schauen, ob er überhaupt reingeht“, schilderte Rode sein besonderes Erfolgserlebnis. Dieses hatte sein torgefährlicher Mitspieler Bas Dost, der mit dem Kopf das 2:0 (37. Minute) erzielte, kommen sehen. „Seppl hat das super gemacht, er hat viel geübt in dieser Woche beim Lattenschießen – auch mit links“, erzählte der Niederländer. Übung macht den Meister: Rode, der sein Repertoire an Fähigkeiten erweitert hat, freute sich auch darüber, dass sein 3:0 der Eintracht „Ruhe gegeben“ habe. „Der Knackpunkt war das 3:0“, pflichtete ihm Trainer Adi Hütter bei. Das Eigentor von Martin Hinteregger zum 1:3 (77.) – es war bereits das fünfte des Abwehrspielers – konnte die stabilen Frankfurter, die auch von einer starken Leistung ihres Torhüters Kevin Trapp profitierten, nicht vom Erfolgsweg abbringen. Für eine Nacht waren sie mit vier geholten Punkten aus zwei Spielen Bundesliga-Tabellenführer.

          Ärger in den eigenen Reihen

          Der Ärger in den eigenen Reihen über das unbefriedigende 1:1 zum Auftakt gegen den Aufsteiger Arminia Bielefeld ist vergessen. Mit großer Überzeugungskraft an die eigene Leistungsstärke hat sich die Eintracht schnellstmöglich wettkampftauglich zurückgemeldet und ihren Stürmer Dost „stolz“ gemacht. „Die Reaktion der Mannschaft war überragend“, verteilte er ein dickes Lob an alle. Wer gedacht hätte, dass die Eintracht, die vor der Verpflichtung von Rechtsaußen Ajdin Hrustic vom FC Groningen steht, nach dem Holperstart verunsichert sei, wurde eines Besseren belehrt: Aus Sicht von Hütter war die Frankfurter Dominanz in der guten ersten Halbzeit so groß, „dass wir immer das Gefühl hatten, der Chef auf dem Platz zu sein“.

          Die vom Trainer sportlich vorgegebene Marschrichtung ging voll auf. Der 50 Jahre alte Österreicher brachte sie so auf den Punkt: „Die Art und Weise war sicher die, etwas tiefer zu stehen, Hertha das Spiel zu überlassen, um in der, ich nenne es mal Kampfzone wirklich viele Zweikämpfe zu gewinnen.“ In der Abräumerrolle voller Durchschlagskraft waren in der Mittelfeldzentrale Rode („Wir sind von der ersten Minute an sehr gut in die Zweikämpfe gekommen“) und sein Mitstreiter Stefan Ilsanker. „Zweikämpfe und Ballbesitz – überall waren wir vorne“, fasste der Österreicher das Frankfurter Plus auf der Ertragsseite zusammen, das auch den Berliner Trainer Bruno Labbadia beeindruckte.

          „Wir haben heute die Körperlichkeit gesehen, die die Eintracht mitbringt, auch durch ihre Erfahrung in Europa“, sagte er. „Die Abräumer Ilsanker und Rode haben es uns sehr schwer gemacht.“ Die selbstbewusst auftretenden Hessen, die die nötige Ruhe am Ball hatten, brachten jedoch auch spielerische Elemente in ihre Darbietung mit ein. In Reihen des Siegers wurde in der ersten Halbzeit ordentlich kombiniert.

          Offensichtlich war dennoch, dass sich die Eintracht zu wenig gute Torchancen herausspielen konnte. Ihr Manko machten die Frankfurter durch die gezeigte Stärke bei Standardsituationen wett. Beim 2:0 verwertete Dost eine Freistoßflanke von Daichi Kamada. Ein guter Elfmeterschütze bleibt André Silva, der die Frankfurter vom Punkt aus 1:0 (30.) in Führung gebracht hatte. Der Portugiese war von Dedryck Boyata gefoult worden. Unter dem Strich hatte am ersten Auswärtssieg im ersten Spiel in der Fremde auch die Frankfurter Effizienz einen großen Anteil am Erfolg.

          Dost und Silva überzeugen

          Zwei Erfolgsgaranten im stimmigen Personalpuzzle sind die Angreifer Dost und Silva. Fünf der bisher sechs Frankfurter Saisontreffer sind auf ihre Abschlussstärke zurückzuführen. In jedem Pflichtspiel waren sie mit Zählbarem zur Stelle. „Geil, oder? Weiter so!“, spornte Dost sich und die anderen an. Nach der Zwangspause durch die Corona-Pandemie traf Silva in der Bundesliga schon zehnmal, insgesamt steht er in diesem Jahr in 27 Pflichtspielen mit 16 Toren blendend da. Mit dieser Vorzeigebilanz kann es der portugiesische Nationalspieler sogar mit dem Münchner Ausnahmestürmer Robert Lewandowski aufnehmen. „André ist ein Goalgetter. Er hat die Qualität, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Mit Bas hat er ein tolles Duo gebildet“, war Hütter von der Präsenz seines Paradesturms sehr angetan.

          Ein dickes Lob erhielten Dost und Silva zudem vom dritten Torschützen Rode: „Sie haben super angelaufen. Das hat unsere gute Defensivarbeit eingeleitet.“ Einziger Wermutstropfen war die Knieverletzung von Filip Kostic, der nach einer Viertelstunde ausgewechselt werden musste. In einer ersten Reaktion gab die Eintracht aber Entwarnung, die Bänder im Knie des Serben sollen keinen Schaden genommen haben. Den frühen Ausfall von Kostic steckte das Eintracht-Kollektiv in Berlin gut weg. „Es wird nicht vielen Mannschaften gelingen, die Hertha auswärts so zu dominieren“, sagte Ilsanker.

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