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Frankfurt gegen die Hertha : Spezialaufgaben für den Eintracht-Kapitän

Behält den Überblick: Eintracht-Profi Makoto Hasebe Bild: Picture-Alliance

Makoto Hasebe gibt nicht nur als Libero eine gute Figur ab. Die Frankfurter profitieren von der Erfahrung des 37 Jahre alten Japaners. Es wäre keine Überraschung, wenn der Oldie noch ein Jahr dranhinge.

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          Die Statik stimmt. Seitdem Trainer Adi Hütter sich dazu entschieden hat, hinter seiner einzigen Sturmspitze André Silva zwei sogenannte Zehner aufzubieten, läuft das Spiel der Eintracht wie geschmiert. Mal steht dabei Aymen Barkok an der Seite von Kreativspieler Amin Younes, mal Daichi Kamada. Das System passt. Hütter, schon immer ein Freund des offensiven Fußballs, hat zur rechten Zeit die rechte Formation gefunden. Seit sieben Spielen schon ist seine Mannschaft in der Bundesliga ungeschlagen. Und weil von diesen Begegnungen gleich fünf gewonnen wurden, steht die Eintracht dort, wo sich der selbsternannte Big City Club aus der Hauptstadt gern selbst sieht: auf einem Platz, der nach dem Saisonende zu Spielen in Europa berechtigt.

          Bundesliga

          Doch Hertha BSC Berlin, Gegner der Eintracht an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky), ist als Tabellenvierzehnter mit lediglich 17 Punkten – die Eintracht hat schon 30 geholt – weit davon entfernt. Wieder einmal hinkt die Hertha ihren Ansprüchen weit hinterher, und wieder einmal wurde der Trainer gewechselt. Pal Dardai soll es in seiner Karriere nun zum zweiten Mal schon als Coach der Berliner richten. Ein Klub in Not.

          Europa lockt

          Ganz anders die Eintracht. Europa lockt, in der Mannschaft herrscht Harmonie. Seitdem David Abraham Frankfurt nach fünfeinhalb Jahren verlassen hat und in seine argentinische Heimat zurückgekehrt ist, trägt sein bisheriger Stellvertreter Makoto Hasebe nun die Kapitänsbinde. Der 37 Jahre alte Japaner ist nicht nur der älteste, sondern auch der erfahrenste Eintracht-Profi. „Wenn Makoto spielt, ist er unser Kapitän“, sagte Eintracht-Trainer Hütter vor dem Heimspiel gegen die Hertha. Und wenn nicht? Dann macht es ein anderer, vorzugsweise Martin Hinteregger. Schließlich ist der Österreicher, anders als Hasebe, immer in der Startelf als Stammkraft dabei.

          Hasebe findet sich auch schon mal aus taktischen Erwägungen auf der Auswechselbank wieder, wenn sich Hütter beispielsweise für das vor der Dreierkette agierende Duo Djibril Sow und Sebastian Rode entscheidet. Aber der Japaner kommt auf mehr Spielminuten, als er zu Beginn der Spielzeit gedacht hat. Hasebe hatte damit gerechnet, seine lange Karriere ausgleiten zu lassen. Denn um den 21 Jahre alten Ndicka nicht länger auf der Linksverteidigerposition zu blockieren, sollte Hinteregger den asiatischen Oldie als Mittelmann der Dreier-Abwehrkette ersetzen. So geschah es zu Beginn der Spielzeit auch. Und sowohl der Spieler als auch Trainer Hütter machten Andeutungen, dass Hasebes Tage als Fußballprofi gezählt seien.

          Starker Auftritt

          Aber dann überraschte Hasebe mit einem starken Auftritt als Vertreter des verletzten Rode im defensiven Mittelfeld, und seitdem ist er auf dieser Position zur ernsthaften Alternative geworden. Hasebe tat von sich überrascht, trotz des fortgeschrittenen Alters in dieser besonders umkämpften Zone des Spielfeldes gegen die jüngeren Gegenspieler noch mithalten zu können. Aber jetzt klingt es, wenn er nach seiner Zukunft gefragt wird, eher danach, dass er noch ein Jahr dranhängt. Und Trainer Hütter sähe es gern. Ob Hasebe gegen die Hertha in der Startelf verbleibt oder ob der genesene Rode zurückkehrt, darüber wird Hütter erst am Spieltag das letzte Wort sprechen.

          Dass er der richtige Mann für ehrenvolle Spezialaufgaben ist, hat der Japaner gerade erst bewiesen. Vor ein paar Tagen wechselte Hasebe seinen Trainingsdress mit feinem Zwirn. Anlässlich der seit 160 Jahren bestehenden diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan wurde der aktuelle Eintracht-Kapitän von Bundesaußenminister Heiko Maas zum virtuellen Kennenlernen eingeladen. Hasebe, der Asiate mit den meisten Bundesligaspielen überhaupt, machte auf diplomatischem Parkett eine gute Figur. „Momentan durchlebt die ganze Welt, nicht nur Deutschland und Japan, wegen Corona eine schwere Zeit“, sagte Hasebe. „Daher verstehe ich unter Solidarität, nicht nur an uns selbst, sondern auch an andere Leute und Länder zu denken.“ An diesem Samstag wird Hasebe vor allem daran denken, gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen Kurs auf dem vor Weihnachten eingeschlagenen Erfolgsweg zu halten.

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