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1:0 gegen Dortmund : Frankfurter Coup im Abstiegskampf

Frankfurter Überflieger: Aigner bringt die Eintracht in Führung. Bild: Reuters

Ein Tor reicht Frankfurt für eine Überraschung. Dabei hat die Eintracht auch Glück bei einer Schiedsrichter-Entscheidung. Nach dem Sieg über Dortmund fehlt nur noch ein Punkt zum Klassenverbleib.

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          Dieser Saisonabschluss ist nichts für schwache Nerven. Auch das spricht im Endspurt für die Frankfurter Eintracht. Dass Spieler und Trainer, denen vor wenigen Wochen so gut wie nichts mehr zugetraut wurde, über eine besonders stabile psychische Verfassung verfügen, bewiesen sie am vorletzten Bundesliga-Spieltag ein weiteres Mal: Auch gegen die Dortmunder Borussia, die sich vor dem Anstoß noch zarte Titel-Hoffnungen machen durfte und bis dahin in diesem Jahr überhaupt erst eine Partie verloren hatte, setzten die Hessen ihre Aufholjagd am Tabellenende fort.

          Sie gewannen in der ausverkauften Arena 1:0 und schoben sich durch den dritten Sieg in Serie auf den 15. Platz vor. Den Rundenausklang in Bremen an Pfingstsamstag kann das Team von Niko Kovac nun sogar mit der möglicherweise beruhigenden Gewissheit antreten, dass sie wegen der Tordifferenz zumindest den Relegationsrang nahezu sicher hat.

          Der BVB bot an diesem Nachmittag offensiv alles auf, was Rang sowie Namen hat – und noch gesund war. Ein unmissverständliches Zeichen von Thomas Tuchel, dass der Trainer die kleine Chance auf die Meisterschaft nutzen wollte. Für Ilkay Gündogan, der sich in der Vorbereitung auf die Begegnung mit den Hessen schwer am Knie verletzte und deswegen auch nicht für die EM zur Verfügung steht, übernahm Nuri Sahin die Organisator-Rolle vor der Abwehr.

          Die Defensive der Borussia, in der Mats Hummels als zentraler Innenverteidiger eine Dreierkette dirigierte, bekam zugleich gegen den kecken Außenseiter mehr zu tun, als ihr lieb gewesen sein dürfte. Eine Klärung in der Frage, ob und wenn ja wann der Nationalspieler den von ihm gewünschten Wechsel nach München vollziehen kann, steht unmittelbar bevor. Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer der Borussia, sagte am Rande des Spiels in einem Interview mit „Sky“: „Die Entscheidung und der Ball liegen bei Mats. Er wird ihn auch in Kürze spielen. Ich schätze, dass es in der nächsten Woche eine Entscheidung geben wird.“

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          Und auch bei der Eintracht deutet sich ein richtungweisende Personalie an: Nach Informationen dieser Zeitung steht Thomas Sobotzik nicht mehr als Kandidat für den Posten des Sportvorstands zur Verfügung, der nach dem Abgang Heribert Bruchhagens zum 30. Juni geschaffen wird. Damit bleibt als letzter Anwärter nur Fredi Bobic übrig. Mit der Unterschrift des 44 Jahre alte ehemaligen deutschen Nationalstürmers unter das Vertragsangebot ist ebenfalls in den kommenden Tagen zu rechnen.

          Die elf Männer, die Niko Kovac ausgewählt hatte, die sportliche Rettungsmission der Eintracht voranzutreiben, zeigten sich selbstbewusst und attackierten gegen die beiden weit vorne postierten Dortmunder Außenverteidiger Schmelzer und Durm erstaunlich früh. Gleich die ersten Minuten deuteten an, dass diese Begegnung der ungleichen Gegner einen überraschenden Verlauf nehmen könnte.

          Luc Castaignos war der Erste, der sich dem Dortmunder Keeper Roman Bürki gefährlich näherte: Er scheiterte mit einem artistischen Hackenschuss am Torhüter (9.). Auch im Ein-zu-Eins-Duell mit Yanni Regäsel behielt der Schweizer die Oberhand, in dem er seine scharfe Hereingabe mit der Faust zur Seite abwehrte (12.). Nichts zu halten gab es allerdings auch für ihn, als Stefan Aigner nur 120 Sekunden später mit dem Kopf zur Stelle war.

          Der Rechtsaußen, der mit seiner wieder erweckten Kaltschnäuzigkeit der Eintracht schon vor Wochenfrist zum Erfolg im Hessen-Derby verholfen hatte, drückte die Kugel nach einem Eckstoß von Huszti ins Netz (14.). Die Dortmunder brauchten einen Augenblick, um den Wirkungstreffer wegzustecken. Aubameyang vergab vor die Pause die beste Möglichkeit nach Vorlage von Marco Reus, als er die Kugel aus kurzer Distanz über die Latte drosch (25.).

          Fortan waren es dann die schwarz-gelb gekleideten Akteure, die das Geschehen dominierten. Das vermeintliche Ausgleichstor, über das Schütze Hummels sich schon gefreut hatte (45.), wurde von Referee Daniel Siebert aber wegen Abseits nicht anerkannt; eine falsche Entscheidung, wie die TV-Bilder später belegten.

          Henrich Mchitarjan wurde in letztem Moment noch von David Abraham gestoppt (82.). Die Eintracht beschränkte sich ansonsten fast nur noch darauf, die eigenen Reihen geschlossen zu halten und baute einen Riegel aus neun Spielern rund um den eigenen Strafraum auf. Eine riskante Taktik, die sie aber mit großer Leidenschaft in den Zweikämpfen durchsetzte.

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