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Neuer Vertrag fürs Stadion : Eintracht Frankfurt und die Klausel für Corona

Schlüssel für das Stadion: Oberbürgermeister Feldmann (rechts) überreicht ihn an Eintracht-Vorstandsmitglied Hellmann. Bild: Jan Huebner

Die Corona-Krise setzt der Eintracht finanziell massiv zu. In dem neuen Mietvertrag für das Stadion vereinbaren Verein und Stadt nun einen Pandemie-Nachlass. Zuvor gab es eine bemerkenswerte Offenheit der Parteien.

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          Unten auf dem abgedeckten Spielfeld der WM-Arena wurde fleißig am herabgelassenen Video-Würfel gearbeitet. Und oben auf der Terrasse im ersten Stock sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD): „Trotz des baustelligen Ambientes ist das für mich und für uns alle ein sehr wichtiger Moment.“ Am Montag holten das Frankfurter Stadtoberhaupt und Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann in einem symbolischen Akt die offizielle Schlüsselübergabe mit einem großen Schlüssel aus Gusseisen nach.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Seit dem 1. Juli ist der Fußball-Bundesligaverein Hauptmieter und Betreiber der WM-Arena – und das für die Dauer von 15 Jahren bis 1. Juli 2035. Feldmann sagte: „Es kommt zusammen, was zusammengehört: die Stadt, die Eintracht und die sehr lebendige Fankultur, die wir hier haben. Das Stadion gehört in Anführungszeichen vom Betrieb her der Eintracht.“ Die „sehr langen und emotional geführten Verhandlungen“ seien von „gegenseitiger Wertschätzung, aber auch mit dem einen oder anderen kämpferischen Moment“ begleitet worden. Man versuche eben auch, „den Vorteil für sich zu nutzen“.

          Zähe Verhandlungen

          Zur Dramaturgie der Gespräche gab Hellmann preis, dass sich beide Parteien „erst am Vormittag des Vertragsunterzeichnungstermins final auf alles verständigt“ hätten. Die Verträge seien „quasi zwei Stunden vor der Unterzeichnung ausgefertigt“ worden. Mit dem Verhandlungsergebnis ist er zufrieden: „Beide Seiten können mit dem Vertrag über diese 15 Jahre hervorragend leben.“ 300 Tage im Jahr werde die Eintracht das Stadion managen. Der Stadt stünden 20 Prozent der Tage für die eigene Nutzung zur Verfügung. „Diesen Ort als Begegnungsstätte lebendig und aktiv zu halten, ist das tragende Element des zukünftigen Konzeptes. Und das Wichtigste, was wir uns vorgenommen haben, ist, dass hier Fußball für alle möglich und bezahlbar stattfindet“, sagte Hellmann.

          Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie verhandelten beide Parteien den gewerblichen Mietvertrag zur Nutzung des Stadions, das seit dem 1. Juli den Namen „Deutsche Bank Park“ trägt, und des dazugehörigen Areals hart nach. Ursprünglich wurde eine Jahresmiete von rund acht Millionen Euro festgelegt. Bereits Ende Oktober des vergangenen Jahres hatten die Stadt und der Klub in einer Absichtserklärung Einigkeit über die wesentlichen Vertragspunkte herbeigeführt.

          Der Eintracht drohen weitere Einnahmeverluste

          Doch angesichts der neuen Lage und der ihr einhergehenden Unsicherheit, ob und wann mit welcher Zahl Zuschauer wieder zugelassen werden können, drohen der Eintracht weiter erhebliche Einnahmeverluste bis ins kommende Jahr. Sportdezernent Markus Frank (CDU), der als Aufsichtsratsvorsitzender der Sport Stadion Frankfurt am Main Gesellschaft für Projektentwicklungen mbH (kurz SSF) die Verhandlungen maßgeblich geführt hatte, bezeichnete das Zustandekommen der Vereinbarung als schwierige Geburt. Es sei dann jedoch eine „faire Lösung“ erzielt worden.

          Diese beinhaltet eine sogenannte und nachträglich verankerte Pandemie-Klausel. Er wisse, „dass wir uns gegenseitig in die Bücher schauen lassen, wenn es eng wird. Das ist eine Kernverabredung, dass keiner den anderen über den Tisch zieht und dass wir auf Augenhöhe miteinander sprechen“, sagte Feldmann. Für Hellmann ist das „genau der springende Punkt: in die Bücher gucken. Wir haben mal komplett die Hosen runtergelassen bei der Stadt, was wir hier verdient haben und was wir verdienen werden im Betrieb. Damit die Stadt weiß, dass wir nicht nur irgendwelche Märchen erzählen, wie hart uns das trifft“.

          Diese Transparenz sei sehr wichtig gewesen, „weil in dem Moment, als man gesehen hat, wie hart wir wirklich von der Pandemie getroffen werden, wurde auch beim Verhandlungsteam der Stadt verstanden, dass man eine Lösung finden muss, die dem gerecht wird“, sagte das Vorstandsmitglied. Details zu der Klausel wollte er nicht bekanntgeben. „Aber sie berücksichtigt alle Interessen auf der städtischen Seite, dass es auch Finanzierungskosten der Stadt gibt, die bedient werden müssen. Und sie berücksichtigt auf unserer Seite, dass wir deutlich weniger Umsatzerlöse haben. Mit der vereinbarten Klausel könnten alle gut leben“, findet Hellmann.

          Um wie viel weniger Miete die Eintracht in Zeiten der Corona-Pandemie bezahlen müsse, hängt nach seinen Angaben davon ab, „was wir an Zuschauern hier haben werden. Je mehr Zuschauer in das Stadion rein können, desto höher ist die Miete, die wir in der Pandemie-Phase zu zahlen haben“. Deshalb lasse sich die Frage „in Zahlen nicht beantworten“, erklärte Hellmann. Feldmann sagte zu dem Thema noch: „Was der Eintracht nutzt, nutzt auch der Stadt. Es hat überhaupt keinen Zweck, irgendetwas zu initiieren, wo hinterher die Eintracht zwar die Bücher aufklappt, aber wir das Gefühl haben, dass da nichts mehr drin ist.“

          Auf mögliche Zuschauerzahlen in Frankfurt zu Beginn der kommenden Saison angesprochen, antwortete Hellmann: „Darüber entscheiden die Behörden und am Ende die Politik. Es wird kein Wunschkonzert der Fußball-Bundesliga geben. Und es wird kein Wunschkonzert von Eintracht Frankfurt geben. Es geht vielmehr um Machbarkeiten. Um das, was geht oder was nicht geht.“

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