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Eintracht Frankfurt : Hilfreiche Schusslaune

Torflüsterer: Die Eintracht braucht verlässliche Stützen wie Haller (links) und Rebic. Bild: SvenSimon

Auf Eintracht-Trainer Kovac wartet eine Denkaufgabe. Rebic und Haller sollen die Torschusspanik gegen Hoffenheim beenden. Der Coach der Frankfurter empfindet aber auch Vorfreude.

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          Niko Kovac kennt die Zahl nur zu gut – und sie gefällt ihm nicht. Sie lautet: null. Null Tore in den drei Spielen, die der Eintracht-Trainer bisher mit seiner Frankfurter Mannschaft gegen 1899 Hoffenheim absolviert hat. 0:2, 0:0, 0:1. Als Kovac erstmals auf die TSG traf, am 9. April 2016 ist das gewesen, ging es um den Klassenverbleib. Jetzt, gut eineinhalb Jahre später, hat sich das Bild radikal gewandelt. Aus dem einstigen Relegationsteilnehmer ist eine stabile Truppe geworden, die der ehrgeizige und gewissenhafte Kovac aktuell auf Tabellenplatz sieben geführt hat. Für den 46 Jahre alten Kroaten ist dies nach dem ersten Saisondrittel ein erstes Indiz, dass man nicht so viel falsch gemacht habe. Einen Tag vor der schweren Auswärtspartie in der Sinsheimer Arena von 1899 Hoffenheim an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) sagte er: „Wir sind zu Recht dort oben, wo wir stehen. Es ist aber nur eine Momentaufnahme. Wir wollen den Abstand nach unten immer weiter vergrößern.“

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Die Kluft zwischen Platz sieben und den beiden letzten Rängen ist jetzt schon beträchtlich. Der scheinbar abgeschlagene 1. FC Köln hat nach elf Spielen erst zwei Punkte gewonnen; Werder Bremen hat mit drei Zählern mehr ähnlich große Sorgen wie der FC. Und die Eintracht? Hat schon 18 Punkte geholt, liegt knapp hinter Hoffenheim und kann mit einem Sieg vorbeiziehen. Genau das will Kovac auch, „denn alle meine Spieler sind ausgeschlafen und ausgeruht“. Kovac rechnet zwar fest damit, „dass mein Kollege Julian Nagelsmann dem anderen Trainer wieder eine Denkaufgabe gibt“. Doch auch Kovac will zu taktischen Finessen greifen und auf einige der einstudierten Spielzüge und Varianten zurückgreifen, die er in der Vorbereitung auf das Spiel mit seiner Mannschaft in aller Abgeschiedenheit hinter schwarzen Wänden geprobt hat.

          Kein Tor unter Kovacs Regie gegen Hoffenheim: Das kann sich ändern, wenn die verlässlichsten Frankfurter Angreifer ihre Form auch über die zweiwöchige Länderspielpause hinaus konserviert haben. Sébastien Haller und Ante Rebic zeichnen im Verbund bislang für neun der 13 Mannschaftstore verantwortlich – und Kovac ist sicher, dass sein Landsmann durch die perfekt gemachte Weltmeisterschafts-Qualifikation weiteres Selbstvertrauen bekommen haben dürfte. „Ante ist pünktlich nach dem letzten Länderspiel wieder nach Frankfurt gekommen. Abhängen in der Heimat, das war nicht. Jetzt heißt der Fokus wieder Eintracht Frankfurt. Jetzt kann er wieder zeigen, dass er zuletzt nicht zufällig getroffen hat.“ Sollte die Schusslaune bei Rebic und Haller anhalten, könnte dies hilfreich sein, den stabilen Auswärtstrend der Eintracht zu festigen. Am Freitag hat Kovac nicht ohne Stolz darauf verwiesen, dass die Eintracht hinter dem FC Bayern München und Borussia Dortmund die drittbeste Mannschaft in der Fremde ist. Schwer zu bespielen, schwer auszurechnen und nur schwer in der Defensive zu knacken. „Wir wollen diese gute Serie bestätigen“, sagte Kovac. „Wir können Hoffenheim im Umschaltspiel weh tun.“

          Dass es endlich wieder in der Bundesliga losgeht und die „gefühlt achte Länderspielpause vorbei ist“, wie Kovac am Freitag sagte, erfüllt den Frankfurter Fußballlehrer mit Vorfreude auf das, was kommt. Bis Weihnachten muss die Eintracht noch sieben Pflichtspiele absolvieren. Sechs in der Liga, eins im Pokal. Im Kampf um Punkte wird die Qualität der Gegner in den kommenden Wochen spürbar zunehmen, denn nach der spielstarken TSG Hoffenheim bekommen es Kovacs Profis unter anderem noch mit Bayer Leverkusen, den Bayern und dem FC Schalke 04 zu tun. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner sprach schon am Donnerstag respektvoll von „Großkalibern, die wieder richtig ins Rollen gekommen sind“.

          Ein „Großkaliber“, das ist auf seine Art und Weise auch Jupp Heynckes. Seitdem der 72-Jährige wieder bei den Bayern das Sagen hat, eilt der Meister von Sieg zu Sieg. Sieben Erfolge nacheinander – ein Ende ist scheinbar nicht in Sicht. Wohl aber das seiner Aushilfszeit in München. Und seit ein paar Tagen halten sich hartnäckige Gerüchte, dass Niko Kovac sein Nachfolger werden könnte. Vor der Reise in den Kraichgau wurde der Frankfurter Trainer also nach möglichen Veränderungen befragt. Der Konter des Kroaten: „Schlagzeilen in der Bundesliga kann man am besten mit den Bayern machen. Das ist immer spektakulär. Suchen Sie sich dafür aber einen anderen“, sagte Kovac zu dem Fragesteller. „Mich brauchen Sie nicht dafür. Ich bin hier glücklich bei Eintracht Frankfurt und mache einen soliden Job.“

          So wollen sie spielen 1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt Hoffenheim: Baumann – Nordveidt, Vogt, Posch – Grillitsch, Schulz – Geiger – Demirbay, Amiri – Uth, Wagner. Frankfurt: Hradecky – Salcedo, Abraham, Falette – Wolf, Hasebe, Willems – Boateng, Gacinovic – Haller, Rebic. Schiedsrichter: Zwayer (Berlin).

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