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Eintracht gegen Hoffenheim : Kraftvoll, wild, leidenschaftlich

  • -Aktualisiert am

Frankfurts bewährte Stärke: Torschütze Bas Dost Bild: Picture-Alliance

Der Eintracht gelingt gegen Hoffenheim ein mitreißendes Fußballspiel. Aus einem starken Team ragen Kamada und Dost heraus.

          4 Min.

          Dieses Spiel hätte ein ausverkauftes Stadion verdient gehabt. Der Nachmittag, an dem die Frankfurter Eintracht der TSG Hoffenheim mit einem 2:1 die Tabellenführung entriss und sich in der Spitzenregion der Liga etablierte, bot in der zweiten Halbzeit eines jener emotionalen Spektakel, mit denen sie in der grandiosen Europa-League-Kampagne die eigenen Fans begeisterte und viele neue Anhänger gewann. Die 8000 vom Los Auserwählten, die das Erlebnis hygienisch korrekt in natura miterlebten, vergaßen Corona und alle damit verbundenen Beschwernisse und Einschränkungen. Das war Fußball, wie er sein soll, wild, leidenschaftlich, kraftvoll, in manchen Szenen sogar inspiriert. Wer wegen der Umstände auf solche Nachmittage freiwillig verzichtet und dem Credo nachhängt „Entweder ganz oder gar nicht“, hatte am Samstag Anlass, seine Einstellung zu überdenken.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Was diesen Nachmittag ausmachte, kann man seitenlang beschreiben – oder einfach auf die Entstehung von Bas Dosts Siegtreffer verweisen. Kamadas Finte gegen Grillitsch, die sein Trainer Adi Hütter später als genial bezeichnen sollte, leitete das Ganze ein. Der Japaner tat so, als wollte er wegdrehen vom Hoffenheimer Strafraum, schlug dann aber einen scharfen Haken, nahm Tempo auf und dribbelte im Sechzehner zwei Gegner aus. Es war die Art Kurzslalom, die er vor einigen Monaten gegen die Hertha mit einem Treffer gekrönt hatte.

          Diesmal hatte er keinen Raum für einen Torschuss, doch es gelang ihm, den Ball zu Silva zu spitzeln. Dem allerdings gönnte Gegenspieler Akpoguma keinerlei Bewegungsspielraum. Beide gingen im Zweikampf zu Boden, der zuvor geblockte Ball lag zwischen ihnen. Silva, einen Tick gedankenschneller und wohl auch glücklicher, war kurz vor der Torlinie liegend in der Lage, den Ball quer zu legen. Zu der Stelle, an der Dost lauerte, um ihn mit Wucht und Freude aus einem Meter Distanz ins Tor zu donnern. Das 2:1 setzte dem Eintracht-Fußball, der nicht nach Aufwand fragt und der sich weder von Schmerzen noch anderen Widrigkeiten bremsen lässt, die Krone auf.

          Was hatte den Eintracht-Dynamo in Bewegung gesetzt? Denn in der Pause sah es nicht gut für die Frankfurter aus. Nach einer ansprechenden Anfangsphase brachte sie Kramarics Führungstor (18. Minute) ziemlich aus der Fassung. Hütter wurde die Frage nach der Kabinenpredigt gestellt, die Antwort viel ganz unpathetisch aus: Einige Spieler seien nicht an der Grenze ihres Leistungsvermögens gewesen, er habe das angesprochen. Das reichte? Jedenfalls spielte die Eintracht nach Wiederanpfiff wieder mit mehr Drive, und jede gelungene Aktion schürte das glimmende Eintracht-Feuer, das dann spätestens durch Kamadas Ausgleichstor (54. Minute) lichterloh brannte.

          Nach dem Abpfiff hoben alle Frankfurter Protagonisten auf die geschlossene Mannschaftsleistung ab, womit sie auch recht hatten. Dennoch hatte dieser Erfolg Helden, die herausstachen. Als Allererstes die Torschützen Dost und Kamada. Dost befindet sich endlich in der körperlichen Verfassung, die es ihm ermöglicht, all seine Fähigkeiten voll auszuspielen. Und natürlich auch in der psychischen. Er war an sieben der letzten neun Frankfurter Treffer entweder als Schütze oder Vorbereiter beteiligt. Das sorgt für die Selbstgewissheit, die nötig ist, um sein bisweilen eigenwillig-riskantes Spiel zu einem guten Ende zu bringen.

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