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Nach 0:3-Rückstand : BVB entgeht der Blamage nur knapp

Haderte lange, traf am Ende aber noch zum Ausgleich: BVB-Kapitän Marco Reus Bild: AFP

Gegen Bundesliga-Schlusslicht SC Paderborn kann Borussia Dortmund ein weiteres Debakel nur mit großer Mühe abwenden: Ideenlos und ängstlich erkämpfen sich die Schwarz-Gelben gerade noch ein Unentschieden.

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          Die Zeit nach dem 0:4-Debakel beim Topspiel gegen den FC Bayern München vor zwei Wochen dürfte sich wie eine Ewigkeit angefühlt haben beim BVB. Nach der Länderspielpause hatte der Dortmunder Trainer Lucien Favre noch gesagt, er möchte nicht mehr darüber sprechen und stattdessen nach vorne schauen. „Fertig!“ Doch von dieser Aufbruchstimmung war zunächst nichts zu sehen im Dortmunder Stadion. Gerade noch so rettete der Champions-League-Teilnehmer am Freitagabend mit einem 3:3 einen Punkt gegen den Aufsteiger SC Paderborn. Zur Halbzeit hatte die Borussia 0:3 zurückgelegen.

          Bundesliga

           „Wir müssen uns bei allen Leuten für die Leistung entschuldigen. Ich habe keine Erklärung für die erste Halbzeit. Keine Ahnung, was wir da fabriziert haben. Man hat sich richtig geschämt. So dürfen wir nie, nie wieder auftreten. Das war absolute Scheiße“, sagte dann auch Kapitän Marco Reus nach dem Schlusspfiff bei DAZN und fügte hinzu: „Darüber müssen wir sprechen, anders geht es nicht. Mit einem blauen Auge sind wir nicht davon gekommen, wir haben richtig einen mitbekommen. Der Trainer stellt uns super ein. Wir sind dafür verantwortlich unsere Leistung zu zeigen.“

          Der 62 Jahre alte Favre hatte eine deutlich veränderte Startformation auf das Feld geschickt. Neben dem von einer Sprunggelenksverletzung genesenen Kapitän Marco Reus durfte auch Torjäger Paco Alcácer erstmals seit dem fünften Spieltag wieder von Beginn an ran. Thorgan Hazard, Manuel Akanji, Mario Götze und Julian Brandt blieben zunächst auf der Bank. In den ersten Minuten dominierten die Ostwestfalen die Partie, die mit konsequentem Pressing die zarten Dortmunder Angriffsbemühungen immer wieder entscheidend erschwerten. Paderborns Trainer Steffen Baumgart hatte seine Mannschaft offensichtlich gut eingestellt auf diese Begegnung, für die er zuvor als einziges Ziel ausgegeben hatte: „Mitspielen!“

          Lücken in der BVB-Abwehr

          Das taten seine Profis dann auch beherzt, etwa als Kai Pröger in der fünften Minute nach einem Eckball der Borussen ballsicher über beinahe das gesamte Feld sprintete und der hoch stehenden Dortmunder Defensive gleich mehrere Schnippchen schlug. Mit einem Querpass fand Pröger anschließend den mitgelaufenen Streli Mamba, der unhaltbar für BVB-Schlussmann Roman Bürki einschob.

          Nach dem frühen Rückstand war der Bundesligazweite der vergangenen Saison zunächst darauf bedacht, das Geschehen zu kontrollieren und das eigene Offensivspiel zu etablieren. Paderborn indes ließ sich davon nur kurz einschüchtern. Stattdessen kombinierte der SC insbesondere bei schnellen Gegenangriffen ballsicher durch die schwarz-gelben Reihen, in denen immer wieder große Lücken klafften. So auch in der 37. Minute, als eine Flanke aus der Paderborner Hälfte ihren Weg über die Dortmunder Abwehr hinweg in den Lauf von Mamba fand, der abermals nicht zögerte und eiskalt ins linke Eck traf.

          Dortmunds Trainer Lucien Favre musste seine Mannschaft im Spiel gegen Paderborn verbal von der Seitenlinie antreiben – offenbar wurde er gehört.

          Kurz vor dem Wechsel kam es dann noch schlimmer: Zunächst blieb Alcácer nach einem Zweikampf mit Abdelhamid Sabiri liegen, wenig später mussten beide Spieler ausgewechselt werden. Für Alcácer kam Brandt ins Spiel. Bereits zuvor jedoch hatte sich BVB-Verteidiger Julian Weigel vom heranstürmenden Gerrit Holtmann düpieren lassen, der anschließend durch die Beine von Bürki zum deutlichen Pausenstand erhöhte.

          In der Kabine schien Favre jedoch die richtigen Worte gefunden zu haben. Seine Mannschaft zeigte von Beginn der zweiten Hälfte an ein anderes Gesicht. Nach einer guten Kombination von Kapitän Reus mit dem eingewechselten Brandt und Achraf Hakimi landete der Ball schließlich beim zuletzt nicht unumstrittenen Jadon Sancho, der in der 47. Minute zum Anschluss traf. In der Folge erspielte sich die Borussia gleich mehrere Chancen, doch sowohl Reus (48.) als auch Mats Hummels per Kopf (56.) blieben erfolglos.

          Das temporeiche Spiel schien die Paderborner bis dahin viel Kraft gekostet zu haben. Vom mutigen Auftreten aus den ersten 45 Minuten blieb nahezu nichts übrig. Das sollte sich rächen: Erst scheiterte Brandt (76.) mit einem weiteren Versuch. Dann aber vollendete Axel Witsel (84.) mit einem wuchtigen Kopfball zum zwischenzeitlichen 2:3. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte allen im Dortmunder Stadion klar gewesen sein, dass es dabei wohl nicht bleiben würde. Angriff um Angriff startete der BVB in Richtung des SC-Torhüters Leopold Zingerle, dessen Hintermannschaft zu retten versuchte, was noch zu retten war. Doch in der zweiten Minute der Nachspielzeit war er eben dann zur Stelle, der Kapitän. Reus (92.+2.) köpfte zum Ausgleich ein und gab einem Spiel, das nur als Spektakel zu beschreiben war, seinen endgültigen Schlusspunkt.

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