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Hopp über Ultras-Plakate : „Leider war die Hetze perfekt inszeniert“

  • Aktualisiert am

„Ich will das alles gerne vergessen, wenn es von nun an Geschichte ist“: Dietmar Hopp Bild: dpa

Dietmar Hopp erlebte heftige Anfeindungen von Ultras mit Plakaten, die seinen Kopf in einem Fadenkreuz zeigten. Nun geht der Hoffenheimer Mäzen einen Schritt auf diese Fans zu – und macht ein Angebot.

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          Mäzen Dietmar Hopp vom Fußball-Bundesligaverein 1899 Hoffenheim ist nach den teils heftigen Anfeindungen durch Ultras einen Schritt auf die Anhänger zugegangen. „Ich will das alles gerne vergessen, wenn es von nun an Geschichte ist“, sagte der 79-Jährige im Interview mit dem ZDF, das am Samstag im Aktuellen Sportstudio ausgestrahlt wird. Verständnis für die Proteste habe er jedoch weiterhin nicht.

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          „Mich zum Gesicht für den Kommerz zu machen, ist wirklich nicht nachvollziehbar. Leider war die Hetze so perfekt inszeniert, dass Ultras vieler Vereine mitgemacht haben“, sagte Hopp. Vor der Corona-Pause waren die Proteste gegen Hopp in zahlreichen Fankurven Deutschlands neu entflammt. Neben kreativen Sprüchen war Hopp dabei auch immer wieder im Fadenkreuz dargestellt worden. „Mich würde es freuen, wenn diejenigen, die mich grundlos seit 13 Jahren beschimpfen, irgendwann damit aufhören. Ich würde denen gerne einmal meine Geschichte mit der TSG erzählen, die nun schon 66 Jahre andauert“, sagt Hopp.

          Auslöser der Eskalation war eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts. Dieses hatte eine Bewährung für Fans von Borussia Dortmund wegen fortgesetzter Hassplakate gegen Hopp aufgehoben und alle BVB-Anhänger für die nächsten zwei Jahre von Pflichtspielen ihres Klubs in Sinsheim ausgeschlossen. Solche Kollektivstrafen, die vom DFB und dem damaligen Präsident Reinhard Grindel 2017 eigentlich als abgeschafft galten, stoßen in der Fanszene auf heftige Ablehnung.

          Die organisierte Fanszene hat reserviert auf das Friedensangebot von Hopp reagiert. „Ich bin gespannt, ob den Worten auch Taten folgen. Unmittelbar nach den Protesten hatte Herr Hopp ja einige Giftpfeile abgeschossen“, sagte Sprecher Rainer Vollmer von „Unsere Kurve“, der Interessengemeinschaft der Fanorganisationen, dem SID: „Ich fand den Auftritt unglücklich. In so einer Situation ein solches Fass wieder aufzumachen, ist unpassend.“

          Sprecher Sigi Zelt vom Bündnis ProFans sagte dem SID, Hopp habe „bis heute nicht verstanden, worum es im Kern der Proteste wirklich ging“. Sie seien vor allem gegen die Kollektivhaftung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gerichtet gewesen. Die Organisation „Unsere Kurve“ wird auf Hopps Angebot aktuell nicht näher eingehen. „Wenn die Coronakrise vorbei ist, kann man sicher gerne solche Themen beleuchten“, sagte Vollmer: „Wir haben aktuell aber ganz andere Sorgen.“

          Zelt gab derweil der Deutschen Fußball Liga und dem Deutschen Fußball-Bund eine Mitschuld an den teilweise beleidigenden Fanprotesten. „Die Fanszenen haben gemerkt: Wenn sie möglichst beleidigend und laut vorgehen, dann werden sie gehört. Der DFB hat uns so erzogen“, sagte Zelt dem Internetportal „Sportbuzzer“. „DFB und DFL haben dazu beigetragen, dass Proteste in dieser Art und Weise geäußert werden“, sagte der Sprecher der Fan-Vereinigung. „Im gesitteten Dialog räumen sie uns die Mitbestimmung in der Toilette ein. Wir dürfen mitbestimmen, ob die Seifenschale links oder rechts vom Wasserhahn angebracht wird.“

          Vor einigen Wochen hatte es bei mehreren Spielen massive Proteste gegeben, bei denen Hoffenheim-Mäzen Hopp persönlich attackiert und im Zentrum von Fadenkreuzen gezeigt worden war. Der ProFans-Sprecher sagte dazu: „Persönliche Angriffe kann man nicht verteidigen, auch ich nicht.“ Wegen der Proteste hatte es Anfang März eine Sondersitzung der AG Fankulturen mit DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius gegeben. Derzeit ist der Spielbetrieb wegen der Corona-Pandemie unterbrochen.

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