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Streitthema in Bundesliga : Beim Geld hört die Solidarität auf

Immer alles im Blick: Kameras bei Bundesligaspieltagen Bild: dpa

Die DFL stellt den neuen Verteilungsschlüssel der Fernsehgelder im deutschen Profifußball vor. Die Erwartungen sind groß. Doch nach F.A.Z.-Informationen stehen rund 250 Millionen weniger als kalkuliert zur Verfügung.

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          An diesem Montag wird auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) der Verteilungsschlüssel der Mediengelder für die Saison 2021/22 bis 2024/25 vorgestellt werden. Die Aufteilung der Erlöse fällt in die Zuständigkeit des DFL-Präsidiums unter Führung von Geschäftsführer Christian Seifert. Es geht um rund 1,1 Milliarden Euro für die 36 deutschen Profiklubs.

          Bundesliga
          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Die Erwartungen unter vielen Klubs und Fans sind groß, dass eine stärkere Umverteilung hin zu einem sportlich ausgeglicheneren Wettbewerb vorgenommen wird. Zuletzt hatte sich auch Cem Özdemir (Die Grünen) für eine spürbare Veränderung des Verteilungsschlüssels ausgesprochen und die Forderung der sogenannten „14 Kleinen“ im deutschen Profifußball um den Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart, Thomas Hitzlsperger, unterstützt.

          Die Forderungen dieser Gruppe aus vier Bundesliga- und zehn Zweitligaklubs seien „sehr berechtigt“, sagte der Innenpolitiker seiner Partei, der auch Mitglied der „Taskforce Zukunft Profifußball“ der DFL ist. Eine weitere Gruppe, die sogenannte „G15“, die aus vierzehn Bundesligaklubs sowie dem Hamburger SV besteht, fordern eine Umverteilung in Richtung der „Leistungsträger“ der Liga, als die sich diese Gruppe aus Topklubs und Traditionsvereinen versteht. Ein dritter Faktor, nachdem sich die neue Geldverteilung stärker ausrichten soll, geht in Richtung Nachwuchsarbeit.

          Der Geldtopf schrumpft

          Nach Informationen der F.A.Z. werden sich die Erwartungen nach signifikanter Umverteilung kaum erfüllen, in welcher Richtung auch immer. Denn erstmals sind im deutschen Profifußball keine Zuwächse zu verteilen, die Verteilung von Mindereinnahmen steht an – im Schatten von Corona. Der Geldtopf wird demnach um rund eine Viertel-Milliarde Euro für die kommende Spielzeit schrumpfen. Der Spielraum für Umverteilung, so heißt es unter Kennern der finanziellen Lage, sei vor allem im ersten Vertragsjahr gering. Außer ersten Ansätzen sei daher nicht viel zu erwarten. In der derzeitigen Lage gehe es bei den Klubs ans Eingemachte, Stabilität stehe im Vordergrund. Aufgrund der Corona-Krise und ihren erheblichen finanziellen Auswirkungen sei für größere Experimente nicht die Zeit, ansonsten drohten manche Klubs in existentielle Schwierigkeiten zu geraten.

          Die finanzielle Lage stellt sich für die kommende Saison wie folgt dar: Aus der Inlandsvermarktung kommen rund 200 Millionen Euro weniger in die Kassen. Die Auslandsvermarktung zeigt auch Schwächen. Für die aktuelle Spielzeit wurden Einnahmen von 250 Millionen Euro prognostiziert, es werden aber nur 180 Millionen Euro sein – eine weitere Mindereinnahme von rund 70 Millionen Euro.

          Außer der Tatsache, dass die Liga erstmals weniger Mediengeld zu verteilen hat – in der Vergangenheit konnten Konflikte durch zusätzliche Einnahmen für alle abgemildert werden –, stehen die Klubs auch von anderer Seite finanziell unter Druck. So muss in dieser Saison ohne Zuschauereinnahmen kalkuliert werden. Selbst die kurzzeitige Stadionöffnung mit begrenzten Kapazitäten hatte die Organisationskosten nicht getragen. In der Saison 2018/19, in der letzten ohne Corona-Restriktionen, kamen die beiden Bundesligen auf und 650 Millionen Euro Zuschauereinnahmen, die nun fehlen. Wie es weitergeht: ungewiss.

          Die Sponsoreneinnahmen dürften dagegen laut Experten in dieser Saison aller Voraussicht nach weitgehend stabil bleiben. Dies werde allerdings nur durch zahlreiche Kompensationsgeschäfte erreicht. So sind beispielsweise in vielen Stadien mittlerweile die leeren Tribünen mit Werbebannern der Sponsoren ausgestattet. Eine der Zusatzleistungen der Klubs, um die vollständige Zahlung der Sponsoren zu erhalten. In der Phase der ersten Geisterspiele hatte man nur leere Sitze im Stadion gesehen, keine Werbung.

          Die Aussichten für die Saison 2021/22 sind aus Sicht von Experten nicht viel rosiger. Vor allem die Sponsoreneinnahmen ließen sich derzeit kaum kalkulieren. In manchen Klubs wird mit zum Teil deutlichen Rückschlägen kalkuliert. Zudem leiden viele Klubs unter den „Altverträgen“ mit ihren Profis, die vor Corona abgeschlossen wurden – und die in dieser Höhe heute nicht mehr abgeschlossen werden könnten, aber gleichwohl bedient werden müssen. Der Druck, mit den Spielern zu einer Einigung beim Thema Gehaltsreduzierung zu kommen, dürfte laut Kennern daher wachsen. Mit einer Normalisierung des Geschäftsbetriebs sei vor der Saison 2022/23 nicht zu rechnen. Zum Ende des Medienvertrags steigen zudem auch diese Erlöse.

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