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VfB Stuttgart : Wild, aber wirksam

  • -Aktualisiert am

Unbändige Entschlossenheit: Torschütze Konstantinos Mavropanos im Spiel gegen Hoffenheim. Bild: Imago

Die jungen Spieler des VfB Stuttgart zeigen gegen Hoffenheim, dass sich Mut und Stabilität nicht ausschließen. Das gilt auch für Pellegrino Matarazzo, den Fußballlehrer der Stuttgarter.

          2 Min.

          Silas Katompa Mvumpa und Sasa Kalajdzic, die beiden besten und treffsichersten Stürmer des VfB Stuttgart, sind seit Monaten verletzt. Der Kongolese kuriert einen Kreuzbandriss aus, der Österreicher fehlt noch wochenlang nach einer Schulterluxation. Seit die beiden Angreifer den Schwaben nicht mehr tatkräftig zur Seite stehen können, ist Trainer Pellegrino Matarazzo auf der Suche nach torgefährlichen Spielern in einer anderen Abteilung fündig geworden.

          Bundesliga

          Inzwischen droht den Stuttgarter Gegnern vor allem dann Gefahr, wenn zwei Abwehrspieler des VfB vor deren Tor aufkreuzen. Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf hat am Samstag beim 3:1-Sieg im baden-württembergischen Duell mit der TSG 1899 Hoffenheim schon sein drittes Kopfballtor in dieser Saison erzielt (18. Minute) und führt damit die vereinsinterne Schützenliste an. Innenverteidiger Konstantinos Mavropanos schoss gegen Hoffenheim – nach einem ähnlich spektakulären Treffer bei der 2:3-Heimniederlage gegen den SC Freiburg – ein Tor, das jedem wuchtigen Stürmer zur Ehre gereicht hätte.

          Der unwiderstehliche Grieche ließ bei seinem rasanten Solo zuerst Jungnationalspieler David Raum stehen und blieb danach bei seinem Sturmlauf in Richtung des gegnerischen Sechzehnmeterraums unaufhaltsam. Sein wuchtiger Abschluss zum 2:0 mit dem linken Fuß ins linke Toreck (60.) war das Tor des Tages beim ersten vollen Erfolg des VfB Stuttgart seit dem 5:1-Sieg über Aufsteiger Spielvereinigung Greu­ther Fürth am ersten Spieltag.

          Matarazzo findet die Balance

          Mit seinem ersten Bundesliga-Tor erhöhte der eingewechselte Roberto Massimo, der bei seinem Flachschuss eine weitere Lücke im porösen Hoffenheimer Abwehrverbund erspäht hatte, auf 3:0 (81.), ehe in der 84. Minute der Däne Jacob Bruun Larsen zum 1:3 traf.

          Pellegrino Matarazzo, der Fußballlehrer des VfB, hatte sich nach zuvor fünf sieglosen Spielen seinen Optimismus eisern bewahrt. „Es ist nicht so, dass wir etwas verlernt hätten, wir können schon kicken“, hob er vor dem wegweisenden Spiel der Schwaben gegen die Nordbadener hervor. Eine „gewisse Verunsicherung“ hatte der Amerikaner mit italienischen Familienwurzeln nach zuletzt elf Gegentoren aber schon gespürt. Und so versuchte der im Zweifel auf Attacke setzende Coach „eine Balance aus Mut und Stabilität“ zu finden.

          Pellegrino Matarazzo arbeitet sehr erfolgreich beim VfB Stuttgart.
          Pellegrino Matarazzo arbeitet sehr erfolgreich beim VfB Stuttgart. : Bild: dpa

          Das gelang Matarazzo am Samstag, nachdem die TSG ihre drei, vier Gelegenheiten im ersten Durchgang nicht genutzt hatte. Am Ende setzte sich der manchmal eine Spur zu wild anmutende Stil der jüngsten Bundesliga-Mannschaft (Altersdurchschnitt: 24,8 Jahre) gegen die mit weit weniger Energiereserven ausgestatteten Hoffenheimer durch.

          Marc-Oliver Kempfs Fazit spiegelte die Leidenschaft und Entschlossenheit, mit der die auf die hinteren Tabellenplätze abgerutschten Stuttgarter das Spiel in Angriff nahmen: „Jeder hat für jeden gekämpft, und wir haben von Beginn an versucht, Fußball zu spielen. Nach jedem Fehler haben wir uns direkt unterstützt, um den Fehler auszubügeln.“ Der schwäbischen Mannschaftsleistung, die auf einer hundertprozentigen Einsatzbereitschaft beruhte, hatten die im Denken und Handeln eine Spur behäbig wirkenden Hoffenheimer zu wenig entgegenzusetzen.

          Einen wie Kon­stantinos Mavropanos, der mit einer unbändigen Entschlossenheit auf das zweite Stuttgarter Tor aus war, hatten sie in Hoffenheim nicht. Der 23 Jahre alte Grieche, derzeit noch eine Leihgabe des FC Arsenal, wird in Zukunft eine feste Größe beim VfB sein. Daran ließ Sportdirektor Sven Mislintat keinen Zweifel. Am Samstag machte er die Hintergründe öffentlich: eine „Kaufverpflichtung“ des VfB in Höhe von drei Millionen Euro für den Fall des Stuttgarter Erstligaverbleibs. „Ich glaube, es ist relativ klar, was mit ihm passiert“, sagte Mislintat.

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