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Abraham verlässt die Eintracht : Sehnsucht nach Alfonso

Sein größter Moment: David Abraham führt die Eintracht zum Pokalsieg gegen die Bayern. Bild: Imago

Eintracht-Kapitän David Abraham beendet Mitte Januar seine Profikarriere und kehrt zurück nach Argentinien. Er wird eine große Lücke hinterlassen. Und Erinnerungen an besondere Momente.

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          Die Heimat ruft, der Abschied naht. Länger schon steht fest, dass David Abraham Frankfurt verlassen und zurück in seine Heimat gehen wird. Nun hat sich der Argentinier präzise festgelegt: Das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 Mitte Januar wird für den langjährigen Kapitän das letzte Spiel im Dress der Eintracht sein. Alle Versuche der Frankfurter Verantwortlichen, Abraham zum Verbleib bis zum Ablauf seines Vertrags Ende Juni 2021 zu bewegen, schlugen fehl. Das Heimweh ist größer – und die Sehnsucht nach seinem Sohn noch mehr.

          Der kleine Alfonso ist Abrahams großes Glück. Drei Tage nach der erfolgreichen Relegation gegen den 1. FC Nürnberg im Frühjahr 2016 kam Abraham junior auf die Welt. Sein Sohn ist Abrahams großer Stolz. Zudem sieht er mit 34 Jahren den Zeitpunkt gekommen, endgültig einen Schlussstrich unter seine Profikarriere zu ziehen und in den Schoß der Familie zurückzukehren. „Ich habe schon als Jugendlicher mein Heimatdorf verlassen, seit viereinhalb Jahren bin ich nun Vater und habe insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie meinen Sohn sehr wenig gesehen“, ließ sich Abraham am Donnerstag in einer Vereinsmitteilung zitieren. „Gerade diese Zeit, sein Kind heranwachsen zu sehen, lässt sich durch nichts ersetzen. Daher möchte ich zurück nach Argentinien gehen.“

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          Im deutschen Winter zurück in den argentinischen Sommer: Abraham hat diesen Zeitpunkt bewusst gewählt – auch, um der Eintracht Zeit zu geben, sich nach einem Nachfolger umzuschauen. Aus Europa zurück nach Südamerika: 13 Jahre lang hat Abraham in drei Ländern sein Geld verdient. Zuvor war er 2003 zum CA Independiente an die Stadtgrenze von Buenos Aires gewechselt und hatte damit seinen Geburtsort Chabas verlassen. Spanien wurde zur ersten europäischen Station; ein Leihgeschäft führte Abraham 2007 nach Tarragona. Es folgten vier fruchtbare Jahre in der Schweiz, wo er mit dem FC Basel fünf nationale Titel gewann und von dort aus zunächst zurück nach Spanien und Getafe ging, ehe er den Sprung in die Bundesliga zur TSG Hoffenheim vollzog, wo er zwei Spielzeiten absolvierte.

          Seit 2015 gehört der ehrgeizige Argentinier zum Stamm der Eintracht, für die er zum Ausklang seiner Karriere seine sechste Saison bestreitet. Bislang sind es 170 Pflichtspiele, auf die der Innenverteidiger im Frankfurter Trikot gekommen ist. Ein besonderer Moment war der Oktober 2016, als Abraham mit Kapitänsaufgaben betraut wurde. Ein Amt, das der schnelle Verteidiger bis heute innehat und das ihn stolz macht.

          Moment war absehbar

          Die Eintracht ohne Abraham – es war absehbar, dass dieser Moment kommen würde. „David hatte uns schon länger über sein Vorhaben informiert, und es war alles abgesprochen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic an diesem Donnerstag, der für den argentinischen Anführer viele lobende Worte fand. „Er hat in den vergangenen Jahren mit seinen konstant guten Leistungen einen erheblichen Anteil an der positiven Entwicklung des Klubs, und natürlich werden wir ihn als Mensch sehr vermissen.“

          Bobic bekräftigte, was Abrahams ursprünglicher Plan gewesen war: „David wollte bereits im Sommer zurück in seine Heimat – doch dann kam Corona dazwischen und wir waren froh, ihn noch etwas länger bei uns zu haben.“ Bobics große Hoffnung: „Wir alle wünschen uns für ihn einen Abschied gegen Schalke mit Fans im Stadion. So wie er es verdient hat.“

          Keine Fans im Stadion: Das ist seit Wochen schon die Realität im Fußball. Und auch am Donnerstag, als sich die Eintracht in aller Freundschaft mit dem 1. FC Nürnberg verglich, war es leer an der Frankfurter Arena. Mehr noch: Die vielen Nationalspieler der Eintracht waren mit ihren jeweiligen Länderteams im Einsatz – und auch Abraham fehlte bei dem Test gegen den Zweitligaklub, der wie schon zuvor gegen Würzburg (0:3) gleichfalls verloren wurde.

          Diesmal hieß es nach den „Club“-Toren durch Johannes Geis (47. Minute) und Felix Lohkemper (86.) 0:2. Trainer Adi Hütter bot Spielern aus der zweiten Reihe die Chance, sich zu empfehlen, und so durften sich Danny da Costa, Timothy Chandler und Erik Durm von Beginn an beweisen. Auch Evan Ndicka, längere Zeit wegen einer Bänderverletzung gehandicapt, war erstmals wieder dabei und freute sich, „keine Beschwerden“ mehr zu haben. Kapitän Abraham freut sich auf Alfonso.

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