https://www.faz.net/-gtm-96p67

Fußball-Bundesliga : Präsident Kind darf Hannover 96 nicht übernehmen

  • Aktualisiert am

Martin Kind darf wohl nicht Hannover 96 übernehmen. Bild: dpa

Martin Kind will nach mehr als zwanzig Jahren im Verein die Mehrheit an Hannover 96 übernehmen. Nun soll eine Entscheidung gefallen sein. Kind und der Verein zeigen sich überrascht.

          Martin Kind darf die Mehrheit an Hannover 96 anscheinend nicht übernehmen. Nach Informationen des „Tagesspiegel“ und „Bild“-Zeitung vom Freitag wird die Deutsche Fußball Liga (DFL) dem langjährigen Präsidenten des Fußball-Bundesligavereins keine Ausnahmeregelung für eine Übernahme der Mehrheitsanteile gewähren. Nach den übereinstimmenden Berichten seien die Aufwendungen Kinds bei den Niedersachsen nicht hoch genug. Hannovers Klubchef hatte den Antrag von der im deutschen Profifußball gültigen 50+1-Regel im Spätsommer 2017 eingereicht.

          Eine offizielle DFL-Verkündung steht noch aus. Sie wird für diesen Montag erwartet. Kind hatte im Fall einer Absage angekündigt, gegen die Entscheidung klagen zu wollen. Von den Berichten am Freitag zeigten sich Kind und Hannover 96 überrascht. „Nach unserem Kenntnisstand wird die Entscheidung tatsächlich voraussichtlich erst nächste Woche getroffen werden“, hieß es in einem Statement des Klubs. Man werde sich daher an den Spekulationen nicht beteiligen. Die DFL erklärte, es sei „bislang keine Entscheidung in Bezug auf den Antrag von Hannover 96 und Martin Kind hinsichtlich der Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel getroffen“ worden. Allerdings: Das Präsidium werde sich am Montag auf seiner turnusmäßigen Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Doch die Tendenz geht zu einer Niederlage von Kind.

          Kind sprühte deswegen zuletzt nicht gerade vor guter Laune. Eigentlich war er ganz fest davon ausgegangen, schon am Mittwoch im Düsseldorfer Kongresszentrum als Mehrheitseigner von Hannover 96 aufzutreten. Schließlich hatte der Präsident schon im Oktober 2017 bei der DFL den Antrag gestellt, vom Stammverein die Anteile an der Management GmbH zu kaufen. Seitdem wartet er. Weshalb Kind beim Branchenkongress Spobis immer noch als ganz normaler Präsident und Gesellschafter des niedersächsischen Klubs auftreten musste – was ihm sichtlich missfiel. Unverkennbar genervt von der Hängepartie und recht schmallippig beantwortete der 73-Jährige die Fragen zur 50+1-Regel. Ursprünglich hatte die DFL bereits Ende des vergangenen Jahres über Kinds Antrag entscheiden wollen. Dass ihn die DFL so lange zappeln lässt, missfällt ihm. „Es ist sehr hoheitlich“, beschrieb der Unternehmer das Prozedere zu Beginn der Woche. „Man erfährt nur Spekulationen. Ich habe gehört, dass es am Montag entschieden werden soll. Ob es so ist, weiß ich nicht. Ob das die Spielregeln sein sollen, weiß ich nicht.“

          Kind hat einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung von der im deutschen Profifußball gültigen 50+1-Regel gestellt. Diese schreibt vor, dass die Stammvereine der Bundesligavereine die Mehrheit bei den ausgegliederten Kapitalgesellschaften halten müssen. Allerdings wurde in den DFL-Statuten 2011 verankert, dass eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden kann. Dafür muss ein Unternehmen oder eine Privatperson einen Verein mehr als 20 Jahre ununterbrochen und in hohem Maße gefördert haben.

          Doch eben daran scheint es bei den Liga-Bossen Zweifel zu geben. Zwar ist unbestritten, dass Kind Hannover 96 stark unterstützt hat. Aber reicht das finanzielle Engagement Kinds aus, um das Kriterium einer Unterstützung in „hohem Maße“ zu erfüllen? Diese soll – nach den 2014 verfassten Leitlinien – vergleichbar mit den Ausgaben eines Hauptsponsors sein. Und daran scheitert Kinds Übernahmeversuch nun wohl auch. Wie viel Geld genau er in den vergangenen 20 Jahren in den Verein gesteckt hat, wollte Kind auch am Mittwoch nicht preisgeben. „Wir waren immer bereit, das zu investieren, was notwendig ist für die anstehenden Prozesse. Aber nicht mehr. So ticken wir nicht. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir mit relativ geringem Einsatz relativ viel geschaffen haben“, sagte Kind.

          Mit dem Engagement von Dietmar Hopp bei 1899 Hoffenheim könne das nicht verglichen werden. Der Milliardär hatte vor drei Jahren von der DFL die entsprechende Ausnahmegenehmigung erhalten, hat aber auch mehr als 300 Millionen Euro in den Verein gesteckt. „Es wird immer das Kapital von Herrn Hopp verglichen. Das ist aber was ganz anderes. Wir müssen uns mit den spezifischen Voraussetzungen auseinandersetzen und können nicht A mit B vergleichen“, sagte Kind verstimmt. Klar ist: Lehnt die DFL den Antrag tatsächlich ab, wird Kind klagen. „Ich erwarte, dass der Antrag genehmigt wird. Die Alternative ist der Rechtsweg. Das ist von Anfang klar gesagt worden. Das sind die Spielregeln“, sagte Kind noch am Mittwoch. Er fühlt sich von der DFL ungerecht behandelt, in gewisser Weise sogar vorgeführt. Vor Gericht könnte die gesamte 50+1-Regel im deutschen Profifußball kippen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Feinde der Freiheit

          Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten könnte der schaurige Höhepunkt einer leider nicht beispiellosen Hetze in asozialen Netzen gewesen sein. Die Urheber sind Staatsfeinde. Sie müssen bekämpft werden.
          Ein Modell des künftigen europäischen Kampfjets wird in Le Bourget enthüllt.

          Future Combat Air Systems : Europas künftiges Kampfflugzeug nimmt Formen an

          Verteidigungsministerin von der Leyen hat in Frankreich die Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben unterzeichnet. Zuvor war ein erstes Modell des Kampfflugzeugs enthüllt worden – und Spanien offiziell eingestiegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.