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Bundesliga-Countdown (16) : Dortmunder Motto: „Hauptsache gute Laune!“

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Vom Ärger über den knapp verpassten Einzug in den Europapokal ist in Dortmund nichts mehr zu spüren. 50.000 Dauerkarten sind ein neuer Rekord. Und ein „Welttorjäger“ soll Alex Frei vergessen machen. Der Bundesliga-Countdown.

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          Borussia Dortmund bietet Wahlkämpfern neuerdings ein Forum, auch wenn sie nicht in Sachen Fußball unterwegs sind. Junge Kandidaten der Dortmunder Parteien treffen im Dienste der politischen Bildung für Fußballfans an diesem Donnerstag im Stadion auf die Basis - unter dem Motto „Entscheide selbst“. Wenn die Anhänger in Sachen BVB selbst hätten entscheiden können, dann wäre ihre Wahl wahrscheinlich anders ausgefallen - vor einem Jahr schon und in diesem Sommer auch.

          Vor zwölf Monaten transferierte der Revierklub den Stürmer Mladen Petric nach Hamburg und erwarb, für einen Teil der durchaus beträchtlichen Ablöse, den Angreifer Mohammed Zidan, der seitdem keine Bäume ausgerissen hat, angeblich aber als „jagender Stürmer“, neben oder statt Nelson Valdez, besser in das System des BVB-Trainers Jürgen Klopp passt.Seit ein paar Tagen nun stürmt der Argentinier Lucas Barrios für den Revierklub - als Nachfolger von Alexander Frei, der Dortmund in Richtung Basel, also offenkundig nicht wegen herausragender sportlicher Perspektiven verlassen hat, sondern wohl eher, weil er unter Klopp, zumindest mittelfristig, keine Perspektive sah; sein Vertrag wäre im kommenden Jahr ausgelaufen (siehe auch: Alexander Frei: Überraschende Heimkehr).

          Wenn nicht auf Klopps Initiative, dann zumindest ohne den Widerstand des Trainers hat der BVB innerhalb eines Jahres zwei hochangesehene Stürmer ausgetauscht gegen Männer, die erst zeigen müssen, ob sie höchsten (Bundesliga-)Ansprüchen genügen. Das hat sogar dem makellosen Image des Medienprofis Klopp, der sich sonst nahezu perfekt in Szene zu setzen weiß, ein paar leichte Kratzer eingebracht.

          Zwei, die sich gesucht und gefunden haben? Trainer Klopp (rechts) und Maskottchen Emma
          Zwei, die sich gesucht und gefunden haben? Trainer Klopp (rechts) und Maskottchen Emma : Bild: AP

          „Es ist eigentlich nicht viel anders als in Mainz“

          Vielleicht kommt es ihm sogar gelegen. Die ganze Wucht der Zuneigung soll ihm zuletzt ein wenig unheimlich vorgekommen sein, so sehr er sie natürlich genossen hat. Wie man hört, ist Klopp ein wenig empfindlich, wenn es heißt, dass er mit alteingesessenen Platzhirschen nicht so gut zurechtkommt, die ihren eigenen Kopf haben und zögern, zu einem ehemaligen Trainer von Mainz 05 aufzuschauen.

          Manche Leute halten es für Zufall, dass Klopp gerne Spieler anwirbt, die er aus Mainz kennt: zuletzt Markus Feulner, im Jahr davor Neven Subotic und Mohammed Zidan. Andere glauben, diese Art von Heimatverbundenheit könnte auch für die These sprechen, Klopp wolle sich eine Art Hausmacht aufbauen. Wie auch immer: Feulner, eher als Ergänzungsspieler vorgesehen, fühlt sich an seinem neuen Arbeitsplatz schon wie zu Hause. „Es ist eigentlich nicht viel anders als in Mainz, auch da hatten wir eine sehr homogene Truppe.“ Spannend dürfte es werden, wie Klopp reagiert, wenn einer wie Subotic den Wunsch äußerte, Dortmund zu verlassen.

          Die Aufregung über den Wechsel in der Spitze hat sich schon wieder gelegt - dank Barrios. Der argentinische Angreifer, zuletzt beim chilenischen Klub Colo Colo Santiago beschäftigt, kommt mit der Empfehlung nach Dortmund, in 38 Spielen im Jahr 2008 37 Tore erzielt zu haben, mehr als jeder andere Erstligaprofi auf der Welt. Was diese Quote wert ist, wird sich erst zeigen, wenn Barrios in der Bundesliga Tritt gefasst hat. Der BVB überweist für den Argentinier knapp 4,5 Millionen Euro nach Südamerika, ungefähr so viel, wie der Verein beim Transfer Freis erlöst hat. „Er ist für uns schon seit langem eine sehr interessante Personalie. Wir haben mit ihm schon früh Kontakt aufgenommen und ihn sehr lange beobachtet“, sagt Klopp. Barrios freue sich riesig über den Schritt nach Europa.

          Fünfzigtausend Dauerkunden, mehr als jemals zuvor

          Dortmund hat den Schritt nach Europa, also in einen europäischen Wettbewerb wieder einmal verpasst, und zwar leichtfertig im letzten Saisonspiel bei Borussia Mönchengladbach (siehe auch: 1:1 gegen Mönchengladbach: Dortmund verliert das Ticket nach Europa). Aber wen interessiert das gut zwei Monate später noch? In heiklen Phasen helfen, neben der Tradition, markante Gesichter, die für bestimmte (Unterhaltungs-)Werte stehen, so etwa das Lächeln Jürgen Klopps, das auch in schwerer Zeit für die Leichtigkeit des Seins steht.

          Eine Zeitlang scheint das Lächeln des Trainers sogar den Erfolg ersetzen zu können. Keine Spur von Verdruss mehr in Dortmund über die falsche, wenigstens aber fragwürdige Taktik am letzten Spieltag. Hauptsache gute Laune! Neben der Stimmung, die über fünfzigtausend (!) Dauerkartenkunden, mehr als je zuvor (siehe auch: Fußball kompakt: Ballack übt - Real Madrid kauft - Misimovic bleibt), mittragen, sieht Klopp noch einen Vorteil beim Start in sein zweites Dortmunder Jahr: Die Mannschaft ist eingespielt und hat sein System im Laufe der vergangenen Saison verinnerlicht.

          „Wir sind nicht so arrogant, das zu übersehen“

          Mangels weiterer imposanter Einkäufe verkündete der Klub zwei Vertragsverlängerungen als Erfolg in der Personalpolitik. Nuri Sahin, vor einem Jahr noch vor einer ungewissen Zukunft nach Dortmund zurückgekehrt, hat sich bis Juni 2013 an die Borussia gebunden, Verteidiger Subotic sogar noch ein Jahr länger. Der Serbe stehe im Fokus „der größten Ligen Europas“, behauptet BVB-Manager Michael Zorc. Sein neuer Vertrag und die damit verbundene Gehaltserhöhung seien als Zeichen dafür zu werten, dass „wir weiter mit Subotic planen“. Als Klopp den Anhängern diese frohe Kunde überbrachte, schwoll der Beifall an, als hätte Dortmund er einen Profi der Kategorie Mario Gomez verpflichtet.

          Die Borussia verzichtet abermals darauf, ein sportliches Ziel vorzugeben, das sich an einem Tabellenplatz festmachen ließe. „Mit dieser Strategie sei der Klub in der vergangenen Saison gut gefahren“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Also halten wir es wieder so. Hinter uns standen am Ende Vereine wie Schalke, Bremen, Hoffenheim oder Leverkusen, die größere finanzielle Möglichkeiten haben als wir. Wir sind nicht so arrogant, das zu übersehen.“

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