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SC Paderborn und RB Leipzig : Bundesliga kritisiert brisante Kooperation

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„Ich mag es gar nicht, wenn gleich gedroht wird“: Paderborns Trainer Steffen Baumgart Bild: dpa

Mit einer solchen Aufregung hat wohl niemand in Paderborn und Leipzig gerechnet. Doch die geplante Zusammenarbeit beider Klubs löst eine Debatte aus. Der Aufsteiger geht nun in die Offensive.

          Die Konkurrenz warnt vor Wettbewerbungsverzerrung, der Anhang droht mit Boykott – die angestrebte Kooperation der beiden Fußball-Bundesligavereine RB Leipzig und SC Paderborn sorgt weiter für Diskussionen. „Wir sprechen hier immerhin von zwei Clubs aus derselben Liga. Da bin ich schon sehr überrascht, das sollte man genau prüfen“, kommentierte Alex Wehrle im Fachmagazin „Kicker“ (Donnerstag). Der Geschäftsführer des 1. FC Köln warnte: „Was ist, wenn am letzten Spieltag einer von zwei Klubs sein Ziel erreicht hat, und der andere braucht noch einen Punkt und beide spielen gegeneinander. Hier werden ohne Not Angriffsflächen geschaffen.“

          Nicht nur SCP-Präsident Elmar Volkmann zeigte sich von den vielen „heftigen Reaktionen überrascht“. Auch Fußball-Lehrer Steffen Baumgart versuchte, die Wogen zu glätten. „Wir werden keine Zweigstelle, kein Ableger oder Filiale von RB Leipzig. Wir bleiben eigenständig und behalten unsere Identität“, sagte Baumgart dem „Westfalen-Blatt“. Er verwies auf bereits gängige Praktiken: „Wir leihen uns Spieler, um unsere Ziele zu erreichen. Das haben wir in der Vergangenheit auch mit anderen Vereinen gemacht, alles andere wäre auch fahrlässig.“

          Die beiden Bundesliga-Klubs hatten am Dienstag im Zuge des Wechsel des Paderborners Managers Markus Krösche nach Leipzig ihre künftige Zusammenarbeit im sportlichen Bereich bekanntgegeben. Darauf drohten Fans des Aufsteigers mit Boykott der Spiele. „Wir wollen kein weiterer Teil in diesem kranken Spielerkarussell der RB-Klubs, noch ein Marketinginstrument für ein Brauseprodukt sein“, heißt es in der von sechs Fan-Gruppierungen unterzeichneten Stellungnahme. Diese Ankündigung der Fans hält Baumgart für übertrieben: „Wir leben in einem freien Land, da darf jeder seine Meinung haben. Ich mag es deshalb gar nicht, wenn gleich gedroht wird. Das ärgert mich dann maßlos. Bei allem Verständnis für den Unmut.“

          Die große Aufregung veranlasste die Paderborner Klubführung am Mittwochabend, den Deal mit den Leipzigern auf der Vereinshomepage näher zu erläutern. Das soll zur Versachlichung der Diskussion beitragen. „Inhaltlich zielt die Kooperation auf einen gegenseitigen Austausch über sportliche Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Ausbildung von Spielern und der Fortbildung von Trainern ab. Dadurch soll es zu einem Know-How-Transfer in beide Richtungen kommen, der letztlich beiden Klubs hilft“, hieß es in der Erklärung. Die Möglichkeit von Spielerleihen sei besprochen worden, stehe aber „sicherlich nicht im Vordergrund“. Ob es tatsächlich dazu kommen wird, sei „aktuell auch noch nicht abzusehen“. „Unabhängig davon stehen wir natürlich in sportlicher Konkurrenz im Ligaspielbetrieb“, teilte der SCP mit.

          Die Leipziger wollten sich aktuell dazu nicht mehr äußern. RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff hatte Anfang der Woche betont, dass die sportliche Kooperation mittel- und langfristig sein soll. „Das Ganze bezieht sich auf den Austausch im Scoutingbereich, auf Hospitationen, auch auf den Austausch in der Commercial-Ebene, das haben wir im Zuge des Wechsels von Markus Krösche alles detalliert niedergeschrieben“, sagte Mintzlaff. Auch eine Ausleihe von Spielern, die aus den globalen Talentestützpunkten kommen, wäre denkbar. „Vielleicht könnten sie erstmal in Paderborn spielen, bevor sie dann zu uns kommen“, erklärte der RB-Vorstandschef.

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