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Gladbach kurz vor Königsklasse : Die Borussia und das große Ding

  • -Aktualisiert am

Zielsicher: die Gladbacher Mannschaft in der Bundesliga Bild: dpa

Es ist ein großer Schritt: Borussia Mönchengladbach hat nach dem Sieg in Paderborn beste Chancen, die Champions League zu erreichen. Anschließend ist der Trainer voll des Lobes.

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          Am Ende schloss sich der Kreis. Spieler und Trainer von Borussia Mönchengladbach waren unter sich, als der Ausflug nach Ostwestfalen zu einer runden Sache geworden war. Was Marco Rose seinen Spielern inmitten dieser geschlossenen Gesellschaft zugerufen hatte, wollte er nicht im Detail verraten – bis auf einen Kernsatz: „Am Ende habe ich ihnen gesagt, dass wir ein richtig cooler Haufen sind.“ Der couragierte Trainer hat in seinem ersten Gladbacher Jahr aus einer zuvor in entscheidenden Saisonphasen manchmal wankelmütigen Mannschaft eine verschworene Gemeinschaft gemacht – mit bestem Ausblick auf die Champions League.

          Bundesliga

          Nach dem 3:1 beim Absteiger SC Paderborn winkt reicher Lohn für viele gute Taten. Die Gladbacher überholten Bayer Leverkusen am vorletzten Spieltag und können den Platz an der Sonne am Samstag mit einem Sieg, angesichts der um neun Treffer besseren Tordifferenz wohl auch mit einem Remis daheim gegen die Hertha behaupten. Schöne Aussichten für das Saisonfinale, nachdem im Vorjahr Leverkusen durch ein 5:1 bei der Hertha die Borussia überholte und noch Vierter wurde, weil die Gladbach daheim 0:2 gegen Borussia Dortmund verlor. Diesmal aber sieht sich Roses Team für den Endspurt gerüstet, weil es mit einer stabileren Wettkampfhärte als im Mai 2019 auftritt und Rückschläge selbstbewusst zu bekämpfen versteht.

          „Der Kapitän geht voran“

          Exemplarisch hierfür war der 2:1-Führungstreffer in Paderborn, nachdem Michel das frühe Gladbacher 1:0 durch Herrmann (4. Minute) unverhofft egalisiert hatte (53.). Keine zwei Minuten später versetzte Mönchengladbach dem tapfer kämpfenden SCP einen Wirkungstreffer, mit dem die Signale auf Sieg gestellt wurden. Hünemeier hatte Kapitän Stindl im Strafraum gefoult und wurde dafür verwarnt, während der Gladbacher seine freie Schussbahn nutzte und per Foulelfmeter auf 2:1 erhöhte (55.). Als der Paderborner Innenverteidiger bei Embolos Sololauf eine weitere irreguläre Härtefallregelung wählte, ohne den wuchtigen Schweizer von den Beinen holen zu können, wurde er von Schiedsrichter Welz per Gelb-Roter Karte zum Verlassen des Platzes aufgefordert (65.). Damit war die Bahn endgültig frei für einen ungefährdeten Sieg des Favoriten, für den Stindl (73.) auch nach Ansicht des Videoassistenten regulär zum 3:1 getroffen hatte.

          Rose war über die Haltung seines leisen Anführers froh, spiegelte sie doch den guten Geist, der in diesem intakten Ensemble herrscht. „Das ist schön“, sagte der Cheftrainer, „der Kapitän geht voran und übernimmt Verantwortung. Er ist ein wichtiger Teil unserer Mannschaft.“ Dass die besten und treffsichersten Stürmer, Plea und Thuram, derzeit, weil verletzt, fehlen, schlug in Paderborn nicht negativ zu Buche, weil die Gladbacher Gesamtleistung bis auf ein paar schwächere Minuten im zweiten Teil der ersten Hälfte konzentriert und ambitioniert genug war, um der Mannschaft mit der deutlich besseren Qualität zu einem ungefährdeten Sieg zu verhelfen. Entsprechend zufrieden registrierte Rose den seriösen Auftritt seiner Spieler. Nun gehe es darum, „das ganz große Ding zu erreichen“ – die Champions-League-Qualifikation, die sich sportlich wie finanziell für den nicht von einem Konzern oder Investor gesteuerten fünfmaligen deutschen Meister lohnen soll.

          Von solchen Traumzielen sind sie durch ein Jahr Bundesliga wirtschaftlich konsolidierten Paderborner um Galaxien entfernt. Wie schon nach dem ersten Bundesliga-Aufstieg 2014 führt der Weg der fast immer mutigen, aber für mehr als eine Stippvisite in der ersten deutsche Fußballliga nicht angemessen ausgerüsteten Ostwestfalen ein Jahr später wieder bergab. Was sie beim SCP diesmal aber tunlichst vermeiden wollen, sind die abschüssigen Erfahrungen vom letzten Mal, als der SCP von der ersten in die zweite, von der zweiten in die dritte Liga gerauscht war und schließlich auch noch in der viertklassigen Regionalliga gelandet wäre, wovor sie 2017 allein der Drittligalizenzentzug für den TSV München 1860 bewahrte. Torhüter Leopold Zingerle, am Samstag der beste Paderborner Profi, skizzierte die nähere Zukunft so: „Es wird wichtig sein, dass wir mit der richtigen Einstellung in die zweite Liga gehen. Es braucht keiner davon zu träumen, dass wir direkt wieder aufsteigen.“

          In der Bundesliga mit nur vier Siegen ein Leichtgewicht, in der Zweiten Bundesliga kein Schwergewicht: Auch das ist der Paderborner Weg. Für Komplimente wie sie sein Freund Rose am Samstag formulierte („Paderborn ist eine Bereicherung für die Bundesliga“) hatte Trainer Steffen Baumgart nach einer desillusionierenden Rückrunde kein offenes Ohr mehr. Klipp und klar zog der Mecklenburger eine Schadensbilanz: „Wir haben die wenigsten Punkte geholt, die meisten Tore bekommen und die wenigsten geschossen. Dann hast du es nicht verdient, in dieser Liga zu spielen.“

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